Covered Calls und der Ex-Dividenden-Tag

Da die aktuelle Artikelserie wohl nur etwas für meine österreichischen Leser ist habe ich beschlossen noch einen Artikel hinein zu streuen, der vielleicht auch die deutsche beziehungsweise schweizer Leserschaft anspricht.

Die Idee zu diesem Artikel ist mir durch eine Diskussion in unserem Forum gekommen. Die Frage war, wann ich mit einer Ausübung rechnen muss. In der Diskussion ging es um einen Put, ich möchte heute aber auf den Call beziehungsweise den Covered Call näher eingehen.

Die Einsatzmöglichkeiten von Optionen werden alleine durch unsere Kreativität begrenzt. So kann man auch Covered Calls benutzen um schnelle Gewinne zu erzeugen.

Wann muss ich allgemein mit einer Ausübung rechnen?

Allgemein könnte man sagen: Sobald sich für den Käufer der Option ein Vorteil ergibt, muss man damit rechnen, dass die Option ausgeübt wird.

Beispiel an einem Put: Du verkaufst einen Put beim Strikepreis von 50 Dollar. Die Prämie beläuft sich auf 2 Dollar pro Anteil. Der Käufer hat also 2 Dollar dafür bezahlt um seine Aktien zum Preis von 50 Dollar verkaufen zu dürfen. Er zieht daraus also einen Vorteil, wenn der Aktienkurs unter 48 fällt.

Beispiel an einem Call: Du verkaufst einen Call beim Strike-Preis von 50 Dollar. Die Prämie beläuft sich wieder auf 2 Dollar pro Anteil. Der Käufer hat also 2 Dollar dafür bezahlt um Aktien zum Preis von 50 Dollar kaufen zu dürfen. Er zieht daraus also einen Vorteil, wenn der Aktienkurs über 52 Dollar steigt.

Hätten wir den Put gehandelt halte ich eine Ausübung unter 48 Dollar für sehr wahrscheinlich. Hätten wir den Call gehandelt halte ich eine Ausübung über 52 Dollar für sehr wahrscheinlich. Dennoch würde ich bei Erreichung des Strike-Preises schon vorsichtig werden. Man kann nie wissen, aus welchem Grund ausgeübt wird. Vielleicht steht die Dividende gerade an, oder es sind Earnings in Sicht, oder ist ein komplett anderer Grund.

Ausübung vor Dividenden-Terminen

Die Dividende bringt uns auf den Punkt des heutigen Artikels. Die Dividende kann also auch ein Grund dafür sein, dass der Optionskäufer seine Option ausübt. Gerade bei Calls ist das der Fall, wenn die Dividende größer ist als die Optionsprämie (vereinfacht gesagt).

Um die Aussage etwas konkreter zu gestalten, versuche ich das ganze auch hier mit einem Beispiel zu erklären.

Nehmen wir an, wir kaufen 100 Stück einer Aktie XYZ zum Preis von 50 Dollar pro Stück. In einer Woche ist der Ex-Dividenden-Tag und die Dividende beträgt 1 Dollar pro Anteil. Wir verkaufen nun einen Call auf die Aktie, sagen wir beim 49er Strike (Für dieses Beispiel ist die Laufzeit jetzt einmal egal). Die Prämie beträgt in diesem Beispiel 1,8 Dollar pro Anteil.

Würde die Option ausgeübt werden, verkaufen wir also zu einem effektiven Preis von 50,80 Dollar pro Anteil. Bleibt die Aktie bei ungefähr 50 Dollar hat der Optionskäufer durch die Dividende trotzdem den größeren Vorteil, also wird er in diesem Beispiel ziemlich sicher ausüben. Er würde die Anteile zum Preis von 50,80 Dollar kaufen. Wenn er vor dem Ex-Dividenden-Tag die Aktien gekauft hat, steht ihm die Dividende von 1 Dollar pro Anteil aber auch noch zu. Dies mindert seinen Einstiegspreis auf 49,80 Dollar pro Anteil. Er hat also theoretisch 20 Dollar Gewinn pro Option gemacht. Der Dividendenabschlag könnte dieses Phänomen natürlich wieder mindern. Dieser ist aber zu vernachlässigen, da dann wieder Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, und anscheinend interessiert das ohnehin die wenigsten.

In einer der vielen Facebook-Gruppen, in denen ich mich befinde, wird diese Strategie gerne und oft gehandelt. Es sind Kleinstbeträge die hier zustande kommen, aber durch die hohe Wahrscheinlichkeit der Ausübung ist der Trade auch nicht lange offen. Ich würde dies auch gerne wieder öfter handeln, dazu müsste ich mir die Ex-Dividenden-Tage öfter ansehen.

Die Laufzeit dieses Trades

Die Laufzeit dieses Trades kann man sich natürlich selbst aussuchen. Zu beachten ist aber, dass sich die Laufzeit nicht zu weit in der Zukunft befinden sollte. Ich könnte mir natürlich vorstellen, dass die nächsten und übernächsten Dividenden-Termine vielleicht sogar mit einfließen in diese Überlegungen, ich glaube es aber trotzdem nicht.

Weiters ist zu beachten, dass die Dividende in die Optionsprämie einfließt, somit könnte es von Vorteil sein sich die ersten Verfallstermine nach dem Ex-Tag anzusehen.

Warum In the Money Optionen?

 

Wir haben nun geklärt, wann es sehr wahrscheinlich ist, dass die Option ausgeübt wird. Um sicher zu gehen, dass die Option mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeübt wird, verkaufen wir den Call In-The-Money. Wir wollen die Aktien mit einem kleinen Profit loswerden, nehmen also einen Strike-Preis der sich unter dem aktuellen Aktienkurs befindet. Sollte die Option vom Käufer nicht ausgeübt werden, ist die Wahrscheinlichkeit bis zum Verfallstermin trotzdem höher die Aktien zu verkaufen.

Wichtig dabei ist natürlich, dass die Prämie so groß ist, dass sie die Differenz zwischen Einstiegskurs und dem Strike-Preis ausgleicht.  Sollte die Option also nicht vorher schon ausgeübt werden ist das auch kein Problem. Wir bekommen die Dividende, und haben keine schlechte Chance die Aktien am Ende der Laufzeit los zu werden. Sollte der Preis der Aktie stärker fallen könnten wir den Call mit Gewinn schließen und weiter unten einen In-The-Money Call verkaufen.

Ich persönlich finde diese kleine aber feine Strategie sehr interessant. Somit lässt sich etwas mit der Dividende spielen. Für mich wichtig ist natürlich immer, dass ich nur Aktien handle, ich auch langfristig halten würde. Sollte es nicht zur Ausübung kommen, habe ich so keine Aktie im Depot, mit welcher ich nicht zufrieden bin.

Bist du schon einmal vorzeitig ausgeübt worden? Hast du andere Erfahrungen gemacht? Jeder Tipp kann uns allen helfen. Ich freue mich auf deinen Kommentar! Ich freue mich, dass ich es nach etwas längerer Zeit geschafft habe, wieder einmal einen kleinen Beitrag zu liefern. Bin leider privat aktuell sehr beschäftigt mit mehreren Dingen.

Hast du noch Probleme mit den Begriffen im Optionshandel? Dann kann ich dir den kostenlosen Wissensbereich meiner Seite Optionen-Broker empfehlen. Als Neukunde profitierst du übrigens  nur durch meinen Gutscheincode von Sonderkonditionen für den Optionshandel bei Banx.

mfG Chri

8 Kommentare

  • Hi Chri!

    Ich finde es super, dass du wieder ans technische Handwerk gehst bei der Auswahl der Themen für deine Beiträge.

    Wie du sagst: Grenzen bei den Möglichkeiten setzt man sich alleine selbst in seiner Phantasie 🙂

    Zum Beitrag oben eine Anmerkung von mir:

    Du beschreibst das Beispiel eines Put-Kaufs.

    Put mit Strike 50 gekauft
    An Prämie dafür 2 bezahlt

    Der Schluss daraus: Die Ausübung für den Käufer des Puts rechnet sich ab einem Kurs von 48 (50-2).

    Das sehe ich nicht so.

    Durch Ausübung einer Option verpufft augenblicklich der gesamte Zeitwert und wird auf 0 reduziert. Die Long-Option auszuüben lohnt sich demnach nur dann, wenn kein Zeitwert (mehr) vorhanden ist. In allen anderen Fällen ist es günstiger, die Option zu verkaufen und gleichzeitig den Basiswert zum Marktpreis zu verkaufen.

    Beispiel 1 – noch länger laufende Option:

    Kurs Basiswert: 47
    Basispreis Put: 50
    Marktwert der Option: 4 (Innerer Wert: 50-47 = 3; Zeitwert: 1)

    Bei Ausübung der Option passiert:
    * Sie verfällt sofort wertlos
    * Es werden 100 Stück Aktien zum Gesamtpreis von 5000 verkauft
    Ergebnis: Einnahme von 5000

    Bei Verkauf der Option und Verkauf der Aktien passiert:
    * Option wird zum Preis von 4 verkauft; Einnahme daraus: 400
    * 100 Stück Aktien werden zum Gesamtpreis von 4700 verkauft
    Ergebnis: Einnahmen von 5100

    Und das Gesamtresultat:
    Die Nicht-Ausübung der Option und gleichzeitige Transaktion im Basiswert zum Marktpreis ist für den Anleger die lukrativere Wahl. Im Vergleich zur Ausübung werden die Einnahmen dadurch um 100 gesteigert.

    Beispiel 2 – Option kurz vor dem Ablaufdatum:

    Kurs Basiswert: 47
    Basispreis Put: 50
    Marktwert der Option: 3,01 (Innerer Wert: 50-47 = 3; Zeitwert: 0,01)

    In diesem Fall weist die Option faktisch keinen Zeitwert mehr auf und besteht nur mehr aus dem inneren Wert. Das wird beispielsweise am Tag des Auslaufens der Option passieren.

    Ein Verkauf der Option würde demnach keinen Vorteil in Form des Zeitwerts zu Geld machen. Er ist praktisch nicht vorhanden, bzw. würde man aufgrund des Spreads eventuell sogar draufzahlen.

    Es lohnt sich die Option auszuüben. Im Normalfall wird man allerdings nichts unternehmen und einfach noch ein paar Stunden (Tage) bis zur Fälligkeit warten, wo sie dann automatisch ausgeübt wird.

    Bei Ausübung der Option passiert:
    * Sie verfällt sofort wertlos
    * Es werden 100 Stück Aktien zum Gesamtpreis von 5000 verkauft
    Ergebnis: Einnahme von 5000

    Bei Verkauf der Option und Verkauf der Aktien passiert:
    * Option wird zum Preis von 2,85 verkauft (Annahme: Es gibt einen unangenehmen Spread; Davon ist bei ITM Optionen ohne Zeitwert auszugehen); Einnahme daraus: 285
    * 100 Stück Aktien werden zum Gesamtpreis von 4700 verkauft
    Ergebnis: Einnahmen von 4985

    Und das Gesamtresultat:
    Anders als bei noch länger laufenden Optionen (die automatisch Zeitwert haben), entsteht durch den Verkauf der Option kein Vorteil mehr gegenüber der Ausübung. Als Besitzer so einer Long-Option wird man auf die Ausübung setzen, da so mehr Einnahmen zu erzielen sind, als durch den Verkauf der Option und gleichzeitigem Verkauf des Basiswerts zum Marktpreis. Ganz einfach: Es gibt hier in diesem Fall keinen Zeitwert den man sich in Geld umwandeln kann.
    Im Normalfall wird man so eine Option fällig werden lassen, wodurch die Ausübung dann automatisch geschieht.

    Das war mir wichtig, zum einleitenden Text des Beitrags oben anzumerken. Auf dass die Überlegungen für den einen oder anderen Nutzer von Vorteil beim eigenen Handeln sein mögen.

    Weiter, also bis zu den Calls, habe ich den Beitrag oben noch nicht gelesen 🙂

    • Hallo Cor,

      mit dem Zeitwert hast du natürlich recht. Ich hab ganze Zeit an den relativ kurz laufenden Call gedacht. Je näher der Verfallszeitpunkt rückt, desto wahrscheinlicher wird dadurch natürlich die Ausübung.
      Danke für die Anmerkung!
      MfG Chri

  • Ein Kommentar für deine Deutschen Leser zu diesem Satz: „Wichtig dabei ist natürlich, dass die Prämie so groß ist, dass sie die Differenz zwischen Einstiegskurs und dem Strike-Preis ausgleicht.“
    Ist das Underlying eine Aktie ist der Verlust (die Differenz zwischen Einstiegskurs und dem Strike-Preis) nicht mit dem Gewinn (Optionsprämie) verrechenbar. Es muss also die gesamte Prämie versteuert werden, was diese Strategie in D schnell unwirtschaftlich werden lässt.

    • Hallo Finanzdirektor,

      Zu Steuerthemen kann ich natürlich nichts sagen. vielleicht kann sich unser Steuerexperte für den deutschen Standort dazu einmal melden 🙂

      mfG Chri

  • Das ist für D zutreffend. Die eingenommene Optionsprämie muss in jedem Fall voll versteuert werden. Der Verlust aus der Aktie darf nur mit Gewinnen aus anderen Aktien verrechnet werden.

    Grüße, Elmar

    • Gut, wie das in Deutschland gehandhabt wird weißt du natürlich am besten.
      Aber beim Kontoauszug von Banx bzw IB werden ausgeübte Covered Calls als verkaufte Aktien (samt Prämie) aufgezählt. Wenn ich davon zum Beispiel 400 Trades im Jahr mache, prüfe ich doch nicht jeden einzelnen Trade nach, ob die verkauften Aktien einfach so verkauft wurden, oder ob die Prämie des Calls dabei ist?!

      Aber ich glaube die Disskussion gabs hier schon öfter ^^

      mfG Chri

  • Gute Zusammenfassung der Thematik.

    Plus ich hatte vorher über die steuerlichen Implikationen bei ITM Optionen noch gar nicht nachgedacht. Interessant! Futter zum Nachdenken :o) …

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