Exkurs zur Besteuerung von Kapitalvermögen – Gastbeitrag – Teil 2

Lukas, der Steuerberater meines Vertrauens, hatte wieder etwas mehr Zeit sich dem Schreiben zu widmen. Falls du seinen ersten Artikel verpasst hast, findest du ihn hier:

Lukas ist in der Wiener Steuerberatungskanzlei Prigl tätig. Das heißt die verfassten Texte beziehen sich nur auf österreichische Kapitalvermögen. Um herauszufinden, wie sich die Besteuerung in Deutschland verhält frag bitte einen deutschen Steuerberater oder mache deine eigene Recherche. Der nachfolgende Text stellt außerdem eine allgemeine Information dar und sollte keinesfalls als Ersatz für ein Gespräch mit dem Steuerberater angesehen werden.  Nun überlasse ich Lukas das Wort für den zweiten Teil seiner Artikelserie.

Willkommen zum zweiten Teil des Exkurses zur Versteuerung von Kapitalerträgen. Heute möchte ich etwas näher auf die Besteuerung von Dividenden und Doppelbesteuerungsabkommen eingehen und kurz darlegen, warum es nicht egal ist, in welchem Land der Dividendenzahler sitzt.

Die Besteuerung von Dividenden

Wie auch im letzten Artikel angerissen, wird die Besteuerung von Dividenden ab §27 des Einkommensteuergesetzes behandelt. Dividenden von österreichischen Aktiengesellschaften werden mit 27,5% besteuert – von einem Euro Dividende bleiben also noch 72,5 Cent übrig.

 

Anders verhält es sich, wenn die Dividende von einem ausländischen Unternehmen ausgeschüttet wird. Im Normalfall behält sich zunächst der Staat, in dem das ausschüttende Unternehmen sitzt, die Kapitalertragssteuer in der jeweiligen Höhe ein.

 

Nehmen wir als Beispiel ein Unternehmen mit Sitz in der Schweiz. Die auf die Anteile des Aktionärs entfallende Dividende beträgt insgesamt EUR 100, –. Laut Schweizer Gesetz entfallen darauf nun 35% Quellensteuer, weshalb das Unternehmen – bevor es die Dividende auf das Konto des Aktionärs überweist – EUR 35, — an den Schweizer Fiskus abwirft.

 

Was nun mit der restlichen Netto-Dividende passiert, entscheidet der Ort der depotführenden Stelle des Wertpapierinhabers. Bei einer ausländischen Depotstelle passiert weiter zunächst gar nichts. Die Depotstelle führt die KESt nicht an den österreichischen Fiskus ab, das muss der Steuerpflichtige dann selbst im Rahmen der jährlichen Steuererklärung erledigen. Wie genau das passiert, wird in einem eigenen Artikel erklärt.

 

Liegt das Depot bei einer österreichischen Stelle, so muss diese dem österreichischen Fiskus die anfallende KESt abführen. Die Bemessungsgrundlage dafür ist noch einmal die Bruttodividende, also EUR 100, –. Im Normalfall würden hier also noch einmal EUR 27,50 abgezogen werden und die Nettodividende demnach gerade einmal EUR 37,50 betragen – was einer Gesamtbesteuerung von 62,5% entspräche. Damit wäre die Dividende doppelt besteuert worden.

Doppelbesteuerungsabkommen sparen Geld

Und genau hier lassen die Finanzministerien dieser Welt etwas Gnade walten und haben sich unter einander auf Doppelbesteuerungsabkommen geeinigt. Eine Liste aller, vom österreichischen Staat abgeschlossenen Steuerabkommen findet ihr hier: Die österreichischen Doppelbesteuerungsabkommen (DBA).

 

 
In diesen Doppelbesteuerungsabkommen steht grundsätzlich geschrieben, welche Erträge in welchem Land wie zu besteuern sind – und sind mitunter der Grund, warum (österreichische) Steuerberater oft mit den Augen rollen und seufzen, wenn ein Klient umfassend und ordentlich diversifiziert in Wertpapiere investiert hat.

Laut Doppelbesteuerungsabkommen können nun bis zu maximal 15% der bereits einbehaltenen Quellensteuer auf die österreichische Kapitalertragsteuer angerechnet werden, wobei die Grundlage wieder die Bruttodividende ist. Wie hoch der anrechenbare Prozentsatz ist, wird wieder im jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen geregelt. Die Anrechnungssätze liegen aber normalerweise zwischen 10% und maximal 15%.

 

 
In unserem Schweizer Beispiel werden von den bereits abgezogenen EUR 35,– wieder EUR 15,– angerechnet und nur mehr der Differenzbetrag, der auf die österreichische KEST (EUR 27,5) fehlt – also EUR 12,5 – versteuert.

 

 
Wie schon oben beschrieben: Wenn die Depotführenden Stelle in Österreich liegt, wird dieser Betrag direkt an den Fiskus abgeführt. Wenn das Depot im Ausland liegt, muss dies wiederum im Rahmen der Steuererklärung geschehen.

Es muss dabei (bzw. kann – über „geschenkte“ Steuer freut sich der Staat) der anrechenbare Betrag in einem Feld eingegeben werden, was im Endeffekt den selben „steuersparenden“ Effekt hat. Der Zeitpunkt der Besteuerung und des Zahlungsflusses ist jedoch ein anderer – was Vorteile bringen kann. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.
Um das Rechenbeispiel fortzuführen: Damit wären wir bei einer Gesamtbelastung von „nur noch“ 47,5 EUR – also auch 47,5%.

Rückerstattungsanträge sparen noch mehr Geld – oder doch nicht?

Das sind aber immer noch weit mehr als der in Österreich geltende KESt-Satz von 27,5%. Glücklicherweise kann man sich die überschüssig bezahlten Beträge aber rückerstatten lassen – vom ausländischen Fiskus. Dies geschieht mit Hilfe von sogenannten Rückerstattungsanträgen, welche mit Hilfe eines Formulars gestellt werden.

Dieses Formular ist bei der Steuerbehörde des jeweiligen Landes erhältlich – nicht immer auf Englisch. Außerdem muss vom österreichischen Finanzamt bestätigt werden, dass der Antragsteller auch in Österreich unbeschränkt Steuerpflichtig ist.

 

 
Klingt kompliziert, ist es auch. Erschwerend kommt hinzu, dass manche Länder auf eine Bestätigung bestehen, dass der Aktionär zum Zeitpunkt der Besteuerung tatsächlich im Besitz der Aktie war – die Schweiz und Deutschland ist hier als Beispiel zu nennen. Und: die ausländischen Behörden lassen sich viel Zeit. Üblicherweise vergeht von der Antragstellung bis zur Gutschrift des Differenzbetrags etwa ein halbes Jahr oder auch ein ganzes Jahr. 24 Monate sind aber auch keine Seltenheit. Mit verloren gegangenen Anträgen oder jene, die dem bürokratischen Dschungel zum Opfer gefallen sind, kämpft man als Aktionär auch so manches Mal.

 

 
Steuerberater erledigen diese Rückerstattungsanträge gerne, lassen sich dies aber natürlich kosten. Ich habe schon des Öfteren Rückerstattungsvorgänge gesehen, die von den Kosten des Verfahrens im Endeffekt aufgefressen wurden.
Ich denke du siehst, worauf ich hinauswill. Als kluger Dividendeninvestor solltest du also nicht nur die Dividendenerträge, sondern auch die steuerlichen Gegebenheiten des jeweiligen Landes kennen – oder so viel investieren, dass sich eine Rückerstattung lohnt. Einen fixen Betrag zu nennen ist schwer, meinen Klienten nenne ich aber als Richtwert etwa EUR 150, — pro Land.

Darunter lohnt es sich eigentlich nie. Abhilfe schafft aber, dass Anträge für mehrere Jahre eingebracht werden können, sodass das Prozedere nur einmal pro Zeitraum durchlaufen werden muss. Wie viele Jahre auf einmal eingereicht werden können, hängt aber wieder vom jeweiligen Land ab – für die Schweiz sind es drei Jahre, für Deutschland vier Jahre.

Welche Länder lohnen sich steuerlich für Dividenden?

Sämtliche Länder, in denen der Quellensteuersatz unter oder bei 15% liegt sind natürlich optimal, da du dir das Rückerstattungsverfahren sparen kannst und nur maximal 27,5% KESt. bezahlen musst.
Folgende Länder sind daher im Speziellen zu nennen:
• Großbritannien (0%)
• China (10%)
• Russland (13%)
• Niederlande (15%)
• Japan (15%)
• USA (15%) – mit Einschränkung

Bei Aktien aus diesen Ländern steigt ihr mit einem maximalen Steuersatz von 27,5% aus und braucht keinen Rückerstattungsantrag einbringen.
Dagegen sollten all jene Länder, die einen höheren Steuersatz als 15% auf Kapitalerträge einheben aus steuerlicher Sicht gemieden werden:

• Tschechien (40%)
• Finnland (35%)
• Schweden (35%)
• Schweiz (35%)
• Portugal (35%)
• Frankreich (30%)
• Belgien (27%)
• Dänemark (27%)
• Deutschland (26,375%)
• Italien (26%)

Damit schließe ich den heutigen Artikel in der Hoffnung, dass du die eine oder andere nützliche Info mitnehmen konntest.
Hast du schon Erfahrungen mit Verfahren aus diesen Ländern gemacht? Was meint dein Steuerberater zum Thema ausländischer Wertpapiere?

17 Kommentare

  • Ich kann nicht für Österreich sprechen, aber für Deutschland. Ich bin aber auch KEIN Steuerberater.

    Dieses Jahr habe ich für die vergangenen drei Jahre die zu viel gezahlte Quellensteuer aus der Schweiz für meine Nestlé-Aktien zurückgefordert. Das Prozedere war kein Problem, allerdings musste ich feststellen, dass sich die Erstattung tatsächlich erst ab größeren Beträgen rechnet, weswegen ich mein Engagement in der Schweiz gerne ausbauen möchte.

    Von meiner Hausbank erfuhr ich, dass man sich in Deutschland für Frankreich z. B. vorab befreien kann. Dadurch könne man sich im Vorfeld bereits Papierkrieg sparen.

    Persönlich habe ich bislang nur eine Vorabbefreiung für Kanada beantragt. Diese gilt für drei Jahre und muss anschließend neu eingereicht werden. Dies verlief bei mir aber ohne Probleme.

    Mein einziger steuerlicher Ausrutscher waren somit eine Dividende von Orange (2013 noch France Telecom) und eine MLP in den USA mit rund 40 % Besteuerung.

    Gruß,
    Marco

    • Hallo Marco,

      vielen Dank für den Hinweis! Die Vorabbefreiung habe ich sträflicher Weise nicht erwähnt. Leider bieten meines Wissens nur wenige Länder eine solche an und verbinden diese öfters auch mit Kosten. Im Speziellen weiß ich dies von Frankreich, Italien und Portugal.

      Spannend finde ich deine Zugangsweise, dass du das Engagement in der Schweiz ausweitest, damit sich die Rückerstattung lohnt. Auch ich habe mit der Schweiz mehr gute als schlechte Erfahrungen gemacht, die kürzeste Dauer der Rückerstattung von Antrag bis Gutschrift waren bis jetzt aber trotzdem fünf Monate (allerdings ging es da um Beträge, bei denen sich das Warten wirklich gelohnt hat!).

      Liebe Grüße,
      Lukas

      • Hallo Lukas,

        bei der Schweizer Quellensteuer hat mich der Prozess nur neun Wochen gekostet (inklusive der Wohnsitzbestätigung des dt. Finanzamtes). Das finde ich für behördliche Abläufe vollkommen akzeptabel. 😉
        Die Ausweitung des Engagements lohnt sich ja tatsächlich mit der Zeit. Der Rückforderungsprozess ist von Deutschland aus kinderleicht.

        Gruß,
        Marco

    • Hallo Marco,

      „….Persönlich habe ich bislang nur eine Vorabbefreiung für Kanada beantragt. Diese gilt für drei Jahre und muss anschließend neu eingereicht werden. Dies verlief bei mir aber ohne Probleme…“

      Könntest du bitte kurz ausführen, wie du eine solche Vorabbefreiung bei dir durchgeführt hast?
      Ich finde da zu der Durchführung selbst eher Widersprüchliches, und habe daher bei meinem kandischen REIT die Ausschüttungen bisher immer mit den volln 25% knad. QS eingebucht bekommen.

      Vielen Dank

  • Schöner Artikel deines Steuerberaters. Auch wenn es für Österreich gilt, finde ich es interessant. Gerade die Aufstellung der Quellensteuern anderer Länder find ich gut.

  • Ja sehr Interessant mal ein anderes Land zu sehen und die Funktion.
    Aber bei der Quellensteuer für Großbritannien, die ja glücklicherweise bei 0% ist, hab ich vor dem Brexit gelesen, das es ebenfalls noch geändert werden kann und das auch dort Quellensteuern anfallen können -ich Hoffe nicht.

    • Hallo Sanja,
      leider kann man nie wissen wie die Politik die Gesetzgebung ändert. Auch der oben beschriebene Artikel ist nur eine Momentaufnahme und könnte in ein paar Monaten schon nicht mehr gelten. Bezüglich Quellensteuer in GB folgende Überlegung:
      Großbritannien erwirtschaftet einen nicht unerheblichen Teil seines BIP durch den Finanzplatz London. London gilt (noch vor Wallstreet) als der wichtigste Finanzplatz der Welt. Man darf gespannt sein, ob sich dies durch den Brexit ändert. Zweifellos wird aber Kapital aus GB abwandern und in anderen Finanzhäfen der Welt seinen Platz finden. Es würde mich sehr wundern, wenn diese Tendenz noch verstärkt werden würde, durch eine Anhebung der Quellensteuer. Andererseits – der Brexit selbst war ja auch keine strategische Meisterleistung, man darf also gespannt sein.

  • @Marco,
    Vorabbefreiung – gerade für Kanada wäre eine geile Sache. Bei meiner Depotbank klappt das leider nicht. Wo hast du dein Depot.

    Danke im Voraus.

    Mr. B

    • Hey Mr. B,

      es kommt vielmehr auf das abwickelnde Unternehmen an. Bei meiner Depotbank ist das die dwpbank. Diese bietet meiner Depotbank wiederum einen umfangreichen Service bezüglich Fragen zu z. B. Quellensteuer etc. an.

      Gruß,
      Marco

  • Wir Schweizer haben so eine hohe Quellensteuer, dafür müssen wir realisierte Gewinne nicht versteuern. Sie zählen lediglich zur Vermögenssteuer und diese ist vergleichsweise mickrig 🙂 !

    Gruss
    Der Sparkojote

  • Hallo Zusammen,

    die Quellsteuer in Russland ist nicht 13% sondern 15 % !!! Mit 13 % wird z.B. das Gehaltseinkommen besteuert.

    Zu doppelter Besteuerung in Kanada:

    Wenn man ein Konto bei Banx, Captrader oder Lynx hat, dann werden nur 15 % Quellsteuer erhoben.

  • Chri,

    andere Frage zur Besteuerung der Optionen… nachdem wir inzwischen April haben, die Frage ob du schon ein komplettes Jahr in Österreich versteuert hast… und wie sieht die endgültige Besteuerung gerade der Optionserlöse aus? Zahlst du da wirklich Regelsteuersatz (siehe deinen Steuerberater Gastbeitrag)? Denn wenn da 50% (in meinem Fall) abzuführen wären, und dann kommen noch die Transaktionskosten dazu, dann wird das relativ hoch. Kann man etwaige Verlustpositionen dagegen rechnen?

    zB. Wenn ich dein Ziel 12*1% pro Monat annehme, davon ~50% abziehe, bleiben 6% über – bei ETFs zum Beispiel sagen wir mal 6,5% langfristiger Jahresgewinn * 0,725 = 4,71% – rentiert sich der Aufwand für diese ~ 1,3% Zusatzrendite?

    Bg aus Salzburg, Mike

    Wie funktioniert das? Hast du da schon Erfahrungen gesammelt?

    • Hallo Mike,

      Die Versteuerung ist noch nicht durch, deshalb kann ich dir leider auch nicht sagen, wie viel ich wirklich an Steuer bezahle. Der Steuerberater bekommt von mir eine Vollmacht, und hat somit bis September Zeit die Steuererklärung für mich abzugeben.
      Was meinst du mit Verluste gegenrechnen? Du versteuerst ja ohnehin nur den Gesamtgewinn, da sind die Verluste ja schon abgezogen.

      Für näheres kann ich dir die Mail-Adresse meines Steuerberaters zukommen lassen, wenn du möchtest. Ich kann hier leider keine Auskunft geben, da ich mich mit diesem Thema nicht auskenne. Bin auch froh, dass ich das komplett an den Berater abgeben kann.

      mfG Chri

      • Ja, für solche Sachen einen Steuerberater zu nutzen macht Sinn 🙂

        Mir ging es nur darum ob der Gesamtgewinn versteuert wird, oder jede einzelne positive Transaktion. Wenn man sich den Gesetzestext von diesem blog-link durchliest, könnte man es manchmal auch anders lesen. Im Prinzip heißt das, daß du bei deinen Aktivitäten die du im Blog hier schreibst, den Gesamterlös auf die drei Bereiche (Gewinn durch Aktienverkauf, Dividendenerlös und Prämienerlöse) splitten musst, und diese drei jeweiligen Gesamterlöse werden invidividuell versteuert (wie im Blog Teil 1 erklärt) – verstehe ich das vom Prinzip her richtig?

        BG

        • Genau so ist es angedacht. Aktienverkäufe extra, Dividenden extra und Optionsprämie extra. Der Gewinn der 3 Bereiche wird versteuert.

          🙂

          mfG Chri

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