Exkurs zur Besteuerung von Kapitalvermögen – Gastbeitrag – Teil 1

Heute habe ich etwas ganz Besonderes für Dich. Lukas, der Steuerberater meines Vertrauens hat sich freundlicherweise dazu bereit erklärt eine kleine Artikelserie zum leidigen Steuer-Thema zu verfassen. Ich freue mich, dass er mir die Möglichkeit gibt meinen Lesern einen Mehrwert bieten zu können. Lukas ist in der Wiener Steuerberatungskanzlei Prigl tätig. Das heißt die verfassten Texte beziehen sich nur auf österreichische Kapitalvermögen. Um herauszufinden, wie sich die Besteuerung in Deutschland verhält frag bitte einen deutschen Steuerberater oder mache deine eigene Recherche. Der nachfolgende Text stellt außerdem eine allgemeine Information dar und sollte keinesfalls als Ersatz für ein Gespräch mit dem Steuerberater angesehen werden.  Nun überlasse ich Lukas das Wort für den ersten Teil seiner Artikelserie.

pexels-photo-210990

Exkurs: Besteuerung

Eine Sache, die generell beim Investieren oft übersehen oder zumindest unterschätzt wird ist die Besteuerung. Speziell jungen Menschen, welche noch nicht ins Berufsleben eingestiegen sind oder kurz davor stehen, möchte ich euch auf dem Weg geben: Egal was ihr mit Geld macht – der Staat schneidet immer mit. Dies betrifft sowohl das Ausgeben von Geld als natürlich auch die Einnahme von Geld. An die Umsatzsteuer haben wir uns schon lange gewöhnt, wir nehmen sie als Verbraucher eigentlich nicht mehr wahr (so wie andere Verbrauchssteuern wie z.B.: Alkoholsteuer Mineralölsteuer, etc.). Dagegen sind die Einkommensteuer und als Unterpunkt davon vor allem die Kapitalertragsteuer die beiden anderen großen Komponenten, die das tägliche Leben betreffen. Die Einkommensteuer, die jeder Arbeitnehmer als jenen großen Teil, der vom Lohn abgezogen wird kennt., und die Kapitalertragsteuer die in Höhe von 25% von den bereits absurd niedrigen Zinsen auf Sparbüchern vom Staat einbehalten wird.

Diesen beiden Steuerarten möchte ich mich als Gastschreiber auf diesem grandiosen Blog widmen. Allen voran natürlich der Kapitalertragsteuer, da sich der Blog rund um Optionshandel und Dividenden dreht. Leider ist die Materie aber nicht ganz so einfach, sodass man auch die Einkommensteuer ein wenig betrachten muss – dies kann dann durchaus Vorteile haben, dazu aber in einem anderen Artikel.

 

Kapitalertragsteuer – was wird besteuert?

Einfach ausgedrückt: Fast immer, wenn man einer Institution Geld überlasst um daraus mehr Geld zu machen, befindet man sich in der Kapitalertragsteuer. Diese beträgt seit dem 01.01.2016 (natürlich wieder mit Ausnahmen) 27,5%.
Seit der Neuordnung der Kapitalerträge unterscheidet der Fiskus im Wesentlichen drei verschiedene Arten, welche in den Absätzen 1, 2 und 3 des §27 des Einkommensteuergesetzes zu finden sind:

  • Einkünfte aus der Überlassung von Kapital
  • Einkünfte aus realisierten Wertsteigerungen
  • Einkünfte aus Derivaten

 

Einkünfte aus der Überlassung von Kapital

Damit sind neben anderen Quellen vor allem Gewinnanteile von Beteiligung als Unternehmen gemeint. Einerseits als Gesellschafter an einer GmbH aber natürlich auch in Form von Dividenden an einer Aktiengesellschaft.
Eine Österreichische Aktiengesellschaft schüttet also an ihre Aktionäre eine Dividende von EUR 1,– je Aktie aus. Davon werden 27,5% – also in dem Beispiel 27,5 Cent an das Finanzamt abgeführt. Da oftmals Dividenden jedoch von ausländischen Aktiengesellschaften stammen, gibt es den Begriff der Quellensteuer im Zusammenhang mit Doppelbesteuerungsabkommen. Dieser Begriff wird jedoch erst für den nächsten Blogartikel relevant.

Abgesehen von Gewinnausschüttungen fallen auch noch die Zinsen an den Sparbüchern unter die Überlassung von Kapital. Wie weiter oben erwähnt unterliegen diese jedoch einem Steuersatz von „nur“ 25%.

 

Einkünfte aus realisierten Wertsteigerungen

Auch darunter verbirgt sich ein für Leser dieses Blogs sehr bekannter Tatbestand: Man kauft Aktien um EUR 1.000,– und verkauft diese wiederum EUR 1.100,–. Der Gewinn von EUR 100,– ist genau diese realisierte Wertsteigerung, welche mit – ihr habt es erraten – EUR 27,50, also 27,5% besteuert werden. Selbiges gilt übrigens nicht nur für Aktien, sondern unter anderem auch für Anleihen oder Anteilsscheine an Investment- und Immobilienfonds.

Eine Besonderheit, die hier ebenfalls unter diese Überschrift fällt ist die Veräußerungsfiktion laut § 27 Abs. 6 EStG. Diese kann eintreten, wenn man seinen Broker wechselt und in diesem Zuge einen Depotübertrag durchführt. Wie man diese Veräußerungsfiktion vermeidet werde ich euch ebenfalls in einem eigenen Artikel erläutern.

 

Einkünfte aus Derivaten

Der dritte und letzte Tatbestand der Kapitalerträge meint Einkünfte aus Derivaten. Im § 27 Abs. 4 EStG werden die wichtigsten Derivatgeschäfte ausdrücklich genannt:

  • Differenzausgleich

Dabei wird, wie Leser dieses Blogs sicherlich wissen, die Wertdifferenz zwischen dem aktuellen Marktpreis und dem Ausübungspreis bezahlt. Diese Differenz wird vom Fiskus erfasst und versteuert.

  • Stillhalterprämie

Die Stillhalterprämie, welche der Stillhalter eines Short Calls oder Short Puts erhält ist in diesem Umfang zu versteuern, kann jedoch unter Umständen gemindert werden (z.B.: Wenn sich bei der Veräußerung ein Verlust ergeben würde, der die Stillhalterprämie verkleinert). Der Funktionsweise der Verlustverwertung werde ich jedoch einen eigenen Artikel widmen.

  • Veräußerung bzw. Glattstellung

Wird das Derivat verkauft, so ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem Anschaffungspreis und dem Verkaufspreis zu versteuern. Bei der Glattstellung gilt die Stillhalterprämie als Veräußerungserlös und ist entsprechend zu versteuern.

 

Achtung! Besteuerung zum Regelsteuersatz!

Wie bereits beschrieben werden die meisten Kapitalerträge also mit 27,5% bzw. mit 25% besteuert. Es gibt jedoch ein paar Ausnahmen, welche zum Tarifsatz (das bedeutet – je nachdem wieviel man bereits mit anderen Tätigkeiten verdient – zwischen 25% und höchstens 55%) besteuert werden. Die wichtigsten dazu sind Darlehen, die nicht verbrieft sind und denen kein Bankgeschäft zugrunde liegt – also wenn ihr einer anderen Person ein Darlehen gewährt und dafür Zinsen bekommt.

Im Sinne dieses Blogs allerdings noch viel wichtiger: Einkünfte aus Derivaten werden zumeist zum Regeltarif versteuert. Mit 27,5% werden sie nur versteuert wenn beide Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Sie müssen verbrieft sein (das heißt mit einer ISIN-Nummer hinterlegt)
  • Sie müssen einer unbestimmten Personenmenge angeboten werden

Damit sind leider jene Optionen, welche zumeist auf diesem Forum gehandelt werden zum Regeltarif zu versteuern und kommen damit für diejenigen unter euch, die bereits in ihrem Beruf oder einer anderen Tätigkeit gut verdienen ziemlich teuer. Jedoch gibt es für diese, zum Regeltarif besteuerten Optionen einen kleinen Bonus: Man kann Werbungskosten absetzen, wodurch die Steuerlast minimiert werden kann. Wie und was genau man dabei absetzen kann werde ich euch in einem weiteren Artikel versuchen zu vermitteln.

6 Kommentare

  • Danke für den Gastbeitrag.
    Bitte mehr 🙂

  • https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__20.html

    Unter 11 werden Stillhalterprämien Einkünften aus Kapitalvermögen zugeordnet die Sache mit dem Regelsteuersatz bereitet mir leichte Schmerzen 🙂

  • Hallo Karlegonwalter!

    Zunächst bezieht sich der Artikel auf österreichisches Steuerrecht (wie im ersten Absatz der Einleitung beschrieben), das sich an der deutschen Gesetzgebung zwar anlehnt – sich aber eben trotzdem unterscheidet.

    Auch im österreichischen Steuerrecht fallen die Stillhalterprämien ausdrücklich unter Kapitalerträge aus Derivaten (Siehe §27 Abs. 4 EStG. – http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Bundesnormen/NOR40133300/NOR40133300.html).
    Der Steuersatz von Kapitalerträge wird erst im §27a Abs. 1 EStG. geregelt. Demnach sind Geldeinlagen und nicht verbriefte sonstige Forderungen bei Kreditinstituten, ausgenommen Ausgleichzahlungen und Leihgebühren gemäß § 27 Abs. 5 Z 4 mit dem nun „besonderen Steuersatz“ von 25% zu besteuern (Steuerreform 2016 lässt grüßen!). Alle anderen Kapitalerträge mit 27,5%.

    Jedoch gibt es eine folgenschwere Einschränkung in §27a Abs. 2 EStG.:
    „Abs. 1 gilt nicht für (…) Einkünfte aus nicht verbrieften Derivaten im Sinne des § 27 Abs. 4.“

    Soweit ich diesen Blog verfolge sind die meisten gehandelten Optionen nicht verbrieft und fallen entsprechend in diesen letztgenannten Paragraphen hinein.

    • Hallo DaK0si,

      bin ich während meiner Ausbildungszeit (FH) und ohne regelmäßiges Einkommen (Unterstützung durch Eltern) KESt-pflichtig oder kann ich mich davon befreien lassen? Also beispielsweise Dividenden brutto beziehen und nicht versteuern müssen oder gezahlte KESt am Ende des Jahres zurückfordern (je nach Broker). Würde das dann nicht in eine Art „Freibeitrag“ fallen (soetwas ähnliches wie Zuverdienstgrenze oder so)?

      Danke!

      Wirklich nützlicher Beitrag!!

      • Hallo Lukas,

        na da werde ich einen Teil meines nächsten Blog-Eintrages wohl vorweg nehmen müssen ;-).

        KESt-Pflichtig bist du grundsätzlich immer. Es gibt jedoch die Möglichkeit der Optierung in die Regelbesteuerung. Damit werden sämtliche Kapitalerträge zum Regeltarif besteuert. Solltest du also tatsächlich keinerlei steuerpflichtige Einkünfte haben (Nebenjobs, etc.) kannst du damit Kapitaleinkünfte von bis zu EUR 11.000,– steuerfrei beziehen. Die vom Broker oder sonstigem Depot-Anbieter einbehaltene KEST bekommst du dann auf das Finanzamts-Konto gut geschrieben.

        Solltest du oder deine Familie Kinderbeihilfe oder Studienbeihilfe beziehen ist aber ein kleines Wort der Warnung angebracht. Die Zuverdienstgrenze liegt dabei bei EUR 10.000,–. Bemessungsgrundlage sind (so ziemlich) alle möglichen Einkünfte – zusammengerechnet. Überschreitest du diesen Betrag muss beides anteilsmäßig zurückgezahlt werden.

  • Pingback: Exkurs zur Besteuerung von Kapitalvermögen – Gastbeitrag – Teil 2 - easydividend

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.