So meisterst Du den Covered Call unter dem Einstiegspreis

Heute gibt es wieder einmal etwas zur Stillhalterstrategie. Ich bekomme viele viele Anfragen über Facebook und Email und auch im Job sprechen mich immer mehr Leute auf den Optionshandel an. Eine Frage die ich immer wieder bekomme ist: „Was machst du wenn die Aktie weit unter dem Einstiegspreis notiert? Der Covered Call beim Einstiegspreis bringt hier doch keine Prämie mehr!“

Zuerst einmal möchte ich komplette Neulinge auf meine „Neu-hier“-Seite aufmerksam machen, um sich ein erstes Bild von den Funktionsweisen der Puts und Calls machen zu können. Für alle die bereits wissen, wie der Hase läuft geht es hier weiter.

Die Ausgangslage

Nehmen wir an ich habe einen Put auf eine Aktie zum Ausübungspreis (Strike-Price) von 50 Euro verkauft. Die Laufzeit und die Prämie sind jetzt erst einmal nicht von Bedeutung. Am Ende der Laufzeit notierte die Aktie bereits bei 39 Euro pro Stück. Dies bedeutet dass ich pro Aktie einen Buchverlust von 11 Euro gemacht habe. Ein Optionskontrakt bezieht sich auf 100 Aktien, somit würde das einen Buchverlust von 1100 Euro entsprechen. Jeder der mich bereits ein bisschen kennt, weiß dass ich nichts von Buchverlusten halte. Ich halte nichts davon, dass sie als Verlust dargestellt werden. Ein Verlust entsteht erst dann, wenn ich die Aktien wieder verkaufen würde.

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In diesem Fall wäre ich sehr dumm, wenn ich zum Preis von 39€ verkaufen würde, wenn ich 50€ dafür bezahlt hätte. Trotzdem machen dies Spekulanten immer und immer wieder, bis sie der Börse den Rücken kehren, und allen anderen lang und breit erklären, dass man nur verlieren kann. Die Schuld liegt jedoch bei ihnen selbst.

Der erste Fehler der hier gemacht wurde ist die Aktienauswahl. Ich handle Optionen nur auf Aktien, die ich im Ernstfall auch Jahrzehntelang halten würde. Wie Warren Buffett einmal sagte: „Eine Aktie die man nicht 10 Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht 10 Minuten besitzen“.

Ich habe also 100 Aktien eines Unternehmens gekauft, wobei mein Einstiegspreis viel höher liegt als der aktuelle Kurs.

Ausstiegsidee Nr.1

Die erste Idee wäre hier einfach das langfristige halten der Aktie. Handelt es sich bei diesen Anteilen um europäische Aktien wird meist nur einmal im Jahr Dividende ausgeschüttet. Dennoch kann es sein, dass ich hier eine angemessene Rendite auf Jahresbasis bekomme. Bei amerikanischen Aktien bekomme ich meist sogar vier Mal jährlich die Dividende. Wie schon oben erwähnt verkaufen wir ja Optionen nur auf Aktien, die wir auch besitzen wollen. Steigt sie eines Tages über meinen Einstiegspreis kann ich sie einfach wieder verkaufen, vielleicht sogar mit einem satten Kursgewinn.

Ausstiegsidee Nr. 2

Hier nehmen wir die erste Idee zur Hand und erweitern sie um den Covered Call. Wir gehen davon aus, dass der Aktienmarkt langfristig immer steigen wird. Die Aktie wird mit ziemlicher Sicherheit irgendwann wieder über unseren Einstiegspreis steigen. Die Frage ist eben nur wann.

Würde ich bei so einer großen Spanne zwischen dem aktuellen Kurs und meinem Einstiegspreis (11 € Unterschied pro Anteil) einen Covered Call beim Einstiegspreis (50€) verkaufen, würde ich hier wenig bis gar keine Prämie mehr bekommen. Die Transaktionskosten für die Option würden den Wert der Option übersteigen.

Was mache ich also? Ich verkaufe Covered Calls unter dem Einstiegspreis.

MOMENT!

„Steigt mir der Aktienpreis über den Strike des Covered Calls, würde ich doch einen Verlust realisieren!“ müsstest du jetzt zu mir sagen.

Ein Beispiel:

Wir verwenden die gleichen Zahlen wie oben beschrieben. Der aktuelle Kurs befindet sich bei 39€. Ich verkaufe einen Covered Call bei 45€ Strike-Preis. Würde die Aktie bis am Ende der Laufzeit über die 45€-Marke steigen müsste ich sie zu diesem Preis verkaufen. Ich habe sie aber zu 50€ gekauft. 50€-45€=5€. Mein Verlust von 500€ würde nun real werden. Ein schlechtes Geschäft, da hast du recht.

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Wie können wir diesen Verlust verhindern?

Es gibt eine einfach Möglichkeit diesen Verlust über einen längeren Zeitraum hinweg in einen extremen Gewinner zu verwandeln. Beim Covered Call sollte eine gewisse Prozentspanne zum aktuellen Kurs eingehalten werden. Ich würde hier empfehlen MINDESTENS 15% über den aktuellen Kurs zu gehen. Eher 20% und drüber. Je weiter weg desto besser. Man sollte eben trotzdem noch eine kleine Prämie bekommen, die sich auszahlt.

Die Chance dass eine Aktie in 30 Tagen 20% steigt ist zwar gegeben, aber nicht wirklich häufig.

Was könnte alles passieren?

Nehmen wir an die Aktie bleibt auf dem aktuellen Niveau oder steigt leicht. Durch den Zeitwert einer Option verliert der Call bis ans Laufzeiteinde immer mehr seines Wertes, wodurch die ganze Option billiger wird. Ich kann sie mit einem Gewinn zurückkaufen oder auslaufen lassen. Hier hätte ich schon einmal meinen Einstiegskurs durch die Prämie etwas verringern können (falls man es so betrachten möchte). Ich verkaufe wieder einen Call 20% über dem aktuellen Wert.

Im zweiten Szenario fällt die Aktie weiter. Dadurch dass sich der Kurs weiter von meinem Strike wegbewegt kann ich hier in ein paar Tagen einen sehr guten Gewinn durch die Optionsprämie machen. Ich kaufe den Call durch einen Bruchteil seines Wertes wieder zurück. Anschließend verkaufe ich wieder einen Call 20% über dem aktuellen Wert der Aktie.

Im letzten Szenario steigt die Aktie. Dies ist der Moment wo wir genauer hinsehen müssen.

Beginnt die Aktie zu steigen könnte unser Call bei 45€ in Bedrängnis geraten. Wir sehen, dass es leicht nach oben geht. Also beobachten wir jetzt jeden Tag den Kurs. Er steigt auf 40, 41, 42, 43, 44€.

STOPP!

Hier greife ich ein. Bei ungefähr 44€ pro Stück kaufe ich 100 weitere Anteile dieses Konzerns. Ab diesem Zeitpunkt ist unser Call wieder gesichert. Ich habe bei 44 Euro 100 Anteile gekauft. Mein Strike befindet sich bei 45 Euro. Das heißt: Ich habe nun 200 Anteile dieser Firma.  Steigt der Aktienkurs wirklich über 45 verkaufe ich wieder 100 Stück. Durch den Kauf der billigeren Anteile habe ich hier einen Kursgewinn von 1 € pro Stück oder 100€ pro Optionskontrakt gemacht.

Die billigeren Anteile sind nun wieder ausgebucht und der aktuelle Aktienpreis befindet sich auf 46€ pro Stück (angenommen). Dies ist nun schon ein ganzes Stück näher an meinem Einstiegspreis. Wenn ich wieder 20 Prozent über den aktuellen Preis gehen würde, wär ich bereits bei 55€. Hier kann ich mich wieder getrost auf einen Call über meinem Einstiegspreis von 50€ entscheiden.

Ich bekomme jedesmal eine Prämie. Steigt die Aktie am Ende der Laufzeit über die 50€ kann ich somit auch meine letzten 100 Anteile wieder verkaufen. Ich habe alle Aktien dieser Firma wieder verkauft und ein sattes Plus von mehreren Optionsprämien, möglichen Kursgewinnen gemacht und eventuell noch eine Dividende bekommen.

Fazit

Du siehst, es gibt keinen Grund dir Sorgen zu machen, wenn es wirklich einmal tief hinunter geht. Vorteil dieser Reparaturstrategie ist, dass ich wirklich Möglichkeiten zu mehreren kleinen Gewinnen habe. Nachteil ist dass ich genug Cash (oder Margin) zur Verfügung haben sollte, um die zweiten 100 Anteile kaufen zu können.

Wichtig ist auch auf die Veröffentlichung von Quartalszahlen zu achten. Ich würde keine Calls unter dem Einstiegspreis verkaufen kurz bevor eine Veröffentlichung ansteht. Grund dafür ist folgender: Schneidet das Unternehmen besser ab als gedacht, könnte es sein, dass die Aktie nach oben „gapt“. Das bedeutet sie eröffnet an einem Handelstag zu einem viel höheren Preis als noch am Vortag. Hier könnten wir eventuell die zweiten hundert Anteile nicht mehr unter dem Strike des Calls kaufen.

Ich hoffe ich konnte es verständlich genug erklären. Was hältst du von dieser Strategie? Bitte hinterlasse mir einen Kommentar. Ich freue mich auf dein Feedback.

 

mfG Chri

14 Kommentare

  • Ciao Chris,
    Google translate doesn’t do a great job with German but I understood how you work…
    I prefer to sell calls, near the money, if the stock picks up I roll the call to a further strike in time, for a profit if I can hoping that the price goes up not too sharply until it reaches my put price.
    I am also selling puts on the stock. In my GME trade I got assigned it @31 USD, now price is 27.50USD. I am selling calls @29.5/29 and puts @26, trying to collect premiums and dividends. In 1 month I already got 260USD in this way. I sell a call @29 the total less taxes and commissions is around 199USD, if the call gets executed I am already breaking even from the trade. If price gets near the strike and I do not want to sell I try to roll at an higher strike 1 or 2 months in the future. Buying more stock it’s something that I am not entirely comfortable with, but I understand why you do it, and after all you really like to own the security so it’s not a burden, right?

    Ciao ciao

    Stal

    • Ciao Stal,

      I am sorry for the bad work of google translate 🙁
      Thats why i am only trading stocks i want to own anyway. If I have to buy hundred more shares its not a problem. If the stock falls again I get the dividend for 200 shares. In the end i get a premium for the put, a dividend for 100 or 200 shares, a premium for the call and some profit from „buy low – sell high“.

      thanks for stopping by!

  • Great post Chri. I don’t worry to much about price movement of options I sell. I can always roll the call or put to a later date and wait for a market recovery or dip. The only concern with covered calls that I have is that sometimes my sold call contracts get called early. This messes with my system and sometimes leads to a loss. Luckily this has only happened 3-times in my trading career.

    • hey IH,

      I know what your are talking about. Early called away stocks sucks. But this is one of the reasons i try sell covered calls above my entry point. I dont want to make a loss in one month. I always try to make a + at the end of each 30 days.

      i sometime roll options too, but i am not a fan of this, because of the loss I have to take at the moment, even if the next premium is higher. its psychological.

      thanks for stopping by

  • Hallo Chris,

    vielen Dank für diese sehr ausführliche Erklärung. Zur Zeit beschäftige ich mich sehr intensive mit Optionen. Ich möchte verstehen wie Optionshandel funktioniert. Aus diesem Grund habe ich deinen Artikel mit sehr großem Interesse verfolgt.

    Gruß Klaus-Dieter

    • Hallo Klaus-Dieter

      Ich verstehe dich, ich befasse mich auch immer mehr mit diesem Thema, weil ich einfach noch profitabler werden möchte.
      Ab nächster Woche kann ich meine Trades auf das Depot interessierter Menschen wie dich kopieren, falls du Interesse hast.
      Mein Ziel ist es soviele Menschen wie möglich früher in Pension zu schicken.

      mfG Chri

  • Hi Chri,

    Wie immer, ein sehr interessanter Artikel. In diesem Beispiel zeigt sich wieder einmal anschaulich welche Möglichkeiten Optionen bieten.

    Lg Michael

    • Hallo Michael, da hast du recht.
      Es gäbe ja noch viel mehr Möglichkeiten 🙂 Dies ist nur eine davon.

      Danke fürs vorbeikommen! 🙂

  • Hey Chris,

    ich wurde die letzten Wochen auch schön ausgeübt (habe es aber auch nicht aktiv verhindert). Teils auf Optionen wo ich mir vorstellen kann diese länger zu halten, teilweise bin ich unschlüssig. Derzeit versuche ich natürlich zu warten das der Wert wieder steigt und ich in die Region eines CALLS komme. Anhand deines Beispiels mit 15-20% Sicherheit ist das bei meinen 3 Werten gar nicht möglich. Ich habe zum Beispiel FLO und GME im Boot. GME musste ich für 30 erwerben, die stehen zur Zeit bei 27,xx Ein Call der mindestens 0,8% Rendite bringt liegt derzeit für 30$ in weiter ferne, oder ich begebe mich mit 29$ in gefährliche Regionen. Noch schlimmer bei FLO. Gekauft für 17,50 (steht aktuell bei ~15,10). Der nächste Call liegt weit hinter dem nächsten Earningstermin (zumindest wo man etwas für 17,50 bekommt. Zwischen 15 und 17,5 gibts nix…
    Wie würdest du hier verfahren? Derzeit will ich es aussitzen.
    Eine andere Frage: mich interessiert, wann ich die Aktie im Depot haben muss, um die Dividende zu erhalten. FLO wurde mir z.B. irgendwann am Nachmittag zum 31.8. vorzeitig eingebucht (gleichzeitig das Ex-dividenden-Datum). Die Dividende habe ich allerdings nicht erhalten, mit der Begründung, dass durch den Optionshandel das eigentlich Ablaufdatum der Option der 16.9. gewesen wäre. Kannst du das nachvollziehen und mir erklären?

    Danke schon mal und schönen Gruß

    • Hallo PowWow,

      Interessante Frage. Diesen Fall hatte ich noch nie, dass genau am Ex-Tag die Aktien eingebucht wurden. Allerdings wäre es für mich logisch, wenn du die Aktien zu diesem Tag eigentlich gekauft hast du auch die Dividende bekommen müsstest.
      Wer hat dir diese Erklärung gegeben?

      Zu den Calls: entweder du sitzt es aus, oder du verkaufst trotzdem die Calls, ist ja trotzdem ein bisschen einnahme.
      Bei GME gibts aktuell zwischen 13 und 22 cent (Bid/ask) für den 28.oktober. du kannst dein limit ja etwas höher als den aktuellen bid price setzen, eventuell bekommst du ein bisschen mehr prämie. oder du gehst mit der laufzeit etwas weiter weg, wenn du 2 monate nimmst sieht die sache schon wieder etwas anders aus.

      für den november bekommst du für FLO auch ein bisschen etwas. zwischen 10 und 20 (bid/ask). ich finde die prämie ist besser als nichts. musst du natürlich selbst entscheiden.

      Danke fürs vorbeikommen! 🙂

      mfG Chri

      • Die Begründung (seitens eines MA von IB) lautete wie folgt:
        „Laut den Handelsbestätigungen haben Sie die Aktie bei der Ausübung von Optionen erhalten. Die Optionsausübung wurde am 31.8.2016 vorgenommen, jedoch lag dadurch das Settlementdatum für die Aktien beim 6.9.2016. Deswegen war das EX Datum schon vorbei und Sie haben keine Dividende erhalten.“
        Ich verstehe es so: wenn man Aktien durch Optionen handelt, spielt letztlich nicht das Ausübungsdatum, sondern das Settlementdatum die Rolle. Wenn das wiederum nach dem Ex-Datum liegt, erhalte ich die Dividende nicht. Da du ja etwas mehr Optionen handelst, verfiziere das doch mal ;=)

        • Bist du bei IB direkt? Ich könnte bei banx einmal nachfragen, aber die werden mich auch zu IB weiterschicken.

          hm.. naja, wenn man es weiß, kann man sich darauf einstellen, aber ich würde wäre auch deiner Meinung gewesen.

          mfG Chri

  • Theoptionseller

    Hi Chri,

    möchte mich hier – als bisheriger stiller Mitleser – auch mal zu Wort melden und dir ein Lob für die vielen tollen Artikel aussprechen.
    Auch dieser hier ist wieder mal exzellent – nicht zuletzt deshalb weil ich es größtenteils genauso mache ;-).
    Ich schreibe zwar durchaus schon bei 10% oder sogar weniger über dem momentanen Preis die Calls aber hey, keine Strategie ist in Stein gemeisselt. Jeder hat da seine individuelle Vorgehensweise und das ist auch gut so.

    Freu mich schon viele weitere tolle Sachen von dir zu lesen!
    lg
    Hari

    • Hallo Hari,

      Freut mich besonders, dass du mal hier kommentierst! 🙂

      Ich versuche mein bestes, momentan geht es aber drunter und drüber mit meiner zweiten Homepage nebenbei. Deshalb bin ich hier leider nicht so viel am schreiben, aber wie gesagt, ich versuch mein Bestes.

      Wie du sagst: Die Vorgehensweisen lassen sich individuell anpassen. Jeder sollte sich selbst mit seiner Strategie befassen und herausfinden, was das Beste für einen selbst ist.

      Danke fürs vorbeikommen!
      mfG Chri

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