DE: Steuerliche Behandlung von Währungsgewinnen und –verlusten (private Veräußer

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Dieses Thema enthält 9 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Lumpi vor 2 Monate.

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  • #2417

    Lumpi
    Teilnehmer

    Hallo zusammen,
    mich beschäftigt derzeit ein steuerliches Thema im Zusammenhang mit dem Optionshandel. Hierbei geht es um die Währungsgewinne und –verluste gegenüber dem Euro, welche durch den Handle mit US-Optionen entstehen können. Diese unterliegen ja nicht der Abgeltungssteuer sondern sind private Veräußerungsgewinne. Leider gibt es ein Urteil des BFH (vom 21.01.14, IX R 11/1), welche den Erwerb bzw. den Verkauf von Aktien in Fremdwährung als steuerrelevante Anschaffung bzw. Veräußerung dieser Fremdwährung ansehen.

    Für mich stellen sich derzeit die folgende Frage, auf die hier evtl. jemand eine Antwort hat: Führen Optionstransaktionen in Fremdwährung zu einem solchen privaten Veräußerungsgeschäft?

    Falls ja, wäre aus meiner Sicht (steuerlich gesehen) der Handel in fremder Währung dann leider komplett uninteressant (was schade ist, da der europäische Optionenmarkt sehr illiquide ist), da ab einer gewissen Anzahl an Transaktionen die Ermittlung dieses Gewinns / Verlusts sehr aufwendig wird.

    Evtl. hat hier jemand eine Idee wie man sinnvoll mit diesem Thema umgehen kann.

    #2443

    Elmar
    Teilnehmer

    Hallo Lumpi,

    spannendes Thema, das Du da aufrufst. Da ich fast ausschließlich in Euro handle, ist es lange her, dass ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe.

    Fangen wir vorne an: Ja, auch der Handel mit Fremdwährung ist steuerpflichtig, fällt aber nicht unter die Abgeltungsteuer, sondern stellt ein privates Veräußerungsgeschäft gem. § 23 EStG dar. Das bedeutet insbesondere: Steuerpflichtig nur, wenn Du die Fremdwährung nicht länger als ein Jahr gehalten hast.

    Und hier fangen die Ermittlungsprobleme an. Tauschst Du nur einmal EUR gegen USD und wechselst später wieder zurück ist dies einfach zu beurteilen. Kaufst Du von diesen USD allerdings zwischendurch Aktien oder Optionen in USD, sieht die Welt (auf den ersten Blick) komplizierter aus. Die Frage ist vor allem: Wann wurden die USD angeschafft, wann wurde verkauft?

    Hier merken wir uns: Jede Kontobewegung in USD (oder jeder anderen Währung) bedeutet bildlich einen Kauf bzw. Verkauf dieser Währung. Du tauschst EUR in USD => Kauf von USD. Du kaufst von diesen USD eine Aktie => Verkauf von USD. Du nimmst Optionsprämien in USD ein => Kauf von USD.
    Jeder Verkauf kann dabei eine Besteuerung auslösen, jeder Kauf verändert die Anschaffungskosten deines Fremdwährungsbestandes (anderer Wechselkurs).
    Für die Ermittlung des Gewinns ist dabei die FiFo-Methode (First-in, First-out) zu unterstellen (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 3 EStG). Also die zuerst angeschafften USD, werden auch als erstes wieder verkauft.

    So, klingt alles furchtbar kompliziert! Zumindest die Ermittlung sollten dir meines Erachtens jedoch die Broker abnehmen. Zumindest bei IB werden in den Reports in der „Realized/Unrealized Summary“ die realisierten Gewinne/Verluste aus Fremdwährung mit angezeigt. Wenn ich recht erinnere, hält diese die FiFo-Methode ein, so dass Du selbst nur noch darauf schauen musst, ob die Jahresfrist abgelaufen ist. Das dürfte bei regelmäßigem Handel nicht der Fall sein, also wirst du immer in der Steuerpflicht landen. Falls man sich unsicher ist, kann man den Reports den Bereich „Forex P/L Details“ hinzufügen und sich dort auch anschauen, ob das mit der FiFo Methode geklappt hat.

    Vielleicht kann das ja ein anderer Forenteilnehmer, der mehr in USD handelt, mal machen 🙂

    Grüße
    Elmar

    #2444

    Matthias Schneider
    Teilnehmer

    @lumpi,

    auch hier wieder eine Mystifizierung klarer Dinge… Macht Euch doch keine Probleme selbst.

    Natürlich müssen Währungsgewinne versteuert werden. Aber das (die Berechnung) macht alles (die GuV-Rechnungslegung) der Broker.

    Man bekommt für jeden Zeitraum den realisierten FX-Gewinn/Verlust ausgewiesen, der zu den Trades entstanden ist.

    Wenn man sich jede Einzelheit aus Unterhaltungswert extra anschauen will, dann kann man dazu einen extra Bericht downloaden: http://www.bilder-upload.eu/upload/de4a0c-1504886647.jpg Der hat bei mir 67 Seiten.

    Ansonsten ist für die Steuer einfach der Gesamtbetrag aller zusammengerechneten Aktionen unterm Strich mit der GuV von Gewinn/Verlusten aus Aktien und Optionen angegeben. Bin da anderer Meinung als Elmar, aus praktischer Erfahrung. Völlig easy-peasy. Hier sieht man die Gesamtsumme aller realisierten FX-Gewinne/Verluste innerhalb der Gesamtbilanz als Teilposition: http://www.bilder-upload.eu/upload/1737a6-1504887610.jpg

    Man müsste auch Gold versteuern, wenn man eine Münze kauft und etwas später mit Gewinn verkauft. Da führt kein Broker für einen Buch. Da müsste man gewissenhaft die Rechnungen aufbewahren und den Gewinn angeben. Macht das irgendwer?

    Schönes Wochenende!
    MS

    #2445

    Elmar
    Teilnehmer

    Hallo Matthias,

    danke für deine Ausführungen 🙂 Bei Lynx scheint der Report Bereich ja doch noch etwas anders aufgebaut zu sein, als bei IB.

    Wir sind uns aber doch gar nicht uneins! Wie dein Screenshot zeigt, kann man die realisierten Währungsgewinne/-Verluste der Gesamtübersicht unmittelbar entnehmen.

    Heißt das, dass in der Ermittlung zutreffend das FiFo Verfahren angewendet wurde? Nicht unbedingt. Wird das Finanzamt die Werte dennoch akzeptieren, selbst wenn es nicht so wäre? Wahrscheinlich.

    Als Steuerberater muss man es genau nehmen, andere müssen das vielleicht nicht.

    Grüße
    Elmar

    #2446

    Matthias Schneider
    Teilnehmer

    @elmar,

    doch, das wird natürlich so gemacht. Das ist ein professioneller Broker. Das sind Mindestvoraussetzungen.
    Ich bin kein IT-ler und weiß nicht, was für Software bei den Brokern das macht. Aber sowas in Zweifel zu ziehen ist ähnlich, wie wenn man bezweifeln würde, ob Excel eine Formel richtig rechnet.
    Dass dies alles korrekt berechnet wird, dafür wurde ja die Brokerage-Software entwickelt und nach den Maßgaben immer neu angepasst.

    Wenn ich z.B. 100 Aktien heute zu 10 kaufe, in 2 Monaten nochmal 100 zu 15, und in 6 Monaten verkaufe ich 100 zu 12,50, dann muss ich natürlich 250 für den Gewinn versteuern (auch wenn es mir 12,50 als Durchschnittskurs anzeigt), weil die ersten zu 10 verkauft wurden.
    Jede Aktienposition wird mit den gekauften Unterpositionen geführt. Gleiches natürlich für den jeweiligen FX-Kurs.

    Was ich noch nie gemacht habe ist, eine Cashposition zurück zu tauschen. Ich habe bisher immer nur in Fremdwährungen getauscht, also AUD, CAD, GBP und USD gekauft. Noch nie zurück in EUR getauscht.

    Die FX-GuV in der Bilanz werden ja nur in EUR ausgegeben, weil EUR die Basiswährung ist, in der alles bilanztechnisch abgerechnet wird.

    Gruß
    MS

    #2447

    Elmar
    Teilnehmer

    Meine Überlegung resultiert auch nur daher, dass FiFo schließlich nicht die einzig mögliche Methode ist.
    Der BFH hält bspw. die Durchschnittsmethode für die richtige Vorgehensweise. Erst seit 2014 hat der Gesetzgeber in § 23 FiFo ausdrücklich angeordnet.

    Erwähnt IB denn irgendwo, dass sie FiFo anwenden? Wenn ja, würde ich die korrekte Anwendung des Verfahrens natürlich nicht in Zweifel ziehen. Das wäre – da gebe ich dir vollkommen recht – vollkommen fehl am Platze.

    Grüße
    Elmar

    #2448

    Matthias Schneider
    Teilnehmer

    @elmar,

    kann Dir nicht sagen, ob das irgendwo dezidiert so steht. Wenn es mich interessieren würde, dann würde ich beim Support anfragen. Mir ist es nur mal bei einem Verkauf so aufgefallen. Die FiFo Methode zu vermeiden ist/war ja nur ein Anreiz für Leute, die vermeiden wollten, dass ihre steuerlichen Altbestände von vor 2009 verkauft würden.

    Lynx ist ja aber erst 2009 an den deutschen Markt gegangen. Wenn dann jemand Altbestände übertragen hat, dann hat er eben ein Problem. Man muss oft Vor- und Nachteile einer Entscheidung abwägen. Das ist dann die eigene Verantwortung.

    Ich bin zu Lynx, weil für mich die Gebührenabzocke auf Auslandsdividenden bei Flatex ein no-go war. Habe dort aber immer noch meine deutschen Werte und ETFs. Die Auszahlungen gelten als Ertragsausschüttung, nicht als Dividende, darum ohne Gebührenabzug.

    Ja, und wie gesagt, Lynx ist in DE zugelassenes und von der Bafin überwachtes Brokerhaus. Es wird bescheinigt, dass das Activity-Statement von den Finanzämter als gültiger Nachweis anerkannt wird. Und meine Erfahrung ist auch seit 2011 nie eine andere.

    Ich sehe überhaupt keine Veranlassung, da was anzuzweifeln. Wenn da eine Gesamtsumme als (steuer-relevante) realisierter Kapitalertrag steht, dann ist das das, worauf man sich zu beziehen hat. Ich komme ja auch nicht auf die Idee, bei meiner Sparkasse zu hinterfragen, ob die mein Saldo richtig berechnet, meine Buchungen gescheit gemacht, oder Zinsen korrekt berechnet wurden. Klar schaue ich da drüber, dass alles stimmt, aber ich bezweifle nicht die Kompetenz an sich.

    Die komplexe Kontoführung mit allen relevanten Buchungen bei Lynx wird ja eben nicht von einem Bangladeshi mit Bleistift gemacht, sondern von einer Software, die genau dafür entwickelt wird. 😉

    Ok, schönes Wochenende, muss mich nun um den Garten kümmern.
    MS

    #2453

    Elmar
    Teilnehmer

    Hallo Matthias,

    Lynx ist meines Wissens ebenfalls ein reiner Introducing Broker von IB. Das heißt, das deutsche Steuerrecht ist für die leider von keinerlei Relevanz. Auf der Homepage von Lynx steht dazu, dass die Activity Statements “alle steuerlich relevanten Daten“ enthalten. Und das ist auch vollkommen richtig. Hieraus abzuleiten, dass man jede Zahl 1:1 übernehmen kann, ist jedoch ein Trugschluss. Zum Teil muss man mit dem Zahlenmaterial leider noch eigene Berechnungen anstellen.

    Lass uns das hier nicht weiter vertiefen. Ich weiß, dass du dagegen halten wirst, dass das Finanzamt bislang immer alles akzeptiert hat. Ich schreib bald einen eigenen Beitrag zum Thema Steuererklärung, da können wir das gerne diskutieren 🙂

    Grüße
    Elmar

    #2454

    Matthias Schneider
    Teilnehmer

    @elmar,

    ich sehe es auch so. Es ist sinnlos da weiter zu diskutieren. Ich bestehe auch nicht auf einem letzten Wort, werde nach der letzten Wortmeldung jetzt meinerseits auch nicht mehr beteiligen.
    Ich kenne solche Diskussionen aus anderen Foren. Wenn der Gegenpart einfach auf seiner Meinung beharrt, obwohl man sie selbst als irrig sieht, was soll das für Sinn ergeben. Ich könnte sonst auch ewig mit Vertretern der Hohlwelt-Theorie „diskutieren“. 😉
    Wie das jetzt nicht gleichsetzen, aber die vergeudete Energie schon.

    Von Deinem Zitat halte ich eben den zweiten Teil für entscheidend. „… und wird von den deutschen Finanzbehörden als gültiger Nachweis akzeptiert.“

    Natürlich arbeitet Lynx auf Basis von IB. Aber das ist doch den Finanzbehörden nicht unbekannt. Es ist doch nicht so, dass das nicht berücksichtigt würde. Und trotzdem wird es so akzeptiert. Das kann doch nur bedeuten, dass die für deutsche Kunden ausgegebenen Daten den Anforderungen des deutschen Steuerrechts gemäß erstellt werden.

    Wenn ich mit meiner Steuererklärung die Kopien des Jahresauszugs beilege, die übertragenen Gesamtsummen mit Edding fett gemarkert, deutlich zu erkennen ist, woher sie stammen, dann weiß das Finanzamt ganz genau was es akzeptiert.

    Wenn es da irgendetwas gäbe, was nicht steuerkonform wäre, dann wäre der Finanzbeamte geschult und angewiesen, dass Auszüge und Daten von IB-Brokern wie Lynx nicht 1 zu 1 zu übernehmen seihen.

    Wenn ansonsten irgendein Nachweis fehlt in anderen Dingen, dann bekomme ich eine Forderung vom Finanzamt, einen entsprechenden Nachweis nachzuliefern.

    Das wäre bei Lynx (IB) nicht anders. Ich müsste doch bescheuert sein, wenn das Finanzamt alles für richtig hält, und ich dann völlig grundlos selbst Problem konstruieren würde. Sorry, ist natürlich schlecht für Steuerberater. Aber darauf kann ich natürlich keine Rücksicht nehmen. Der sympatische Kolja Barghoorn auf seinem Kanal muss auch immer erwähnen, dass man am besten Aktien auf dem Börsenplatz seines Sponsors kauft. Aber ich bin der Meinung, dass ich mir schon in allen Dingen mein eigenes Urteil bilde.

    Also dann, für mich war es das zu dem Thema.
    MS

    #2456

    Lumpi
    Teilnehmer

    Vielen Dank für die rege Diskussion. Mir war nicht bewusst, dass IB die GuV aus Währungstransaktionen separat mit ausweist. Ich werde über den Support einmal anfragen, nach welcher Methode die Berrechnung erfolgt (die Problematik mit der Spekulationsfrist von einem Jahr halte ich nicht für allzu relevant, da diese meiner Meinung nach nicht greifen wird).

    Hinsichtlich der Steuererklärung bin natürlich ich als Steuerpflichtiger in der Verantwortung die Angaben korrekt anzugeben. Ich möchte auch vermeiden, dass ich die Daten von IB 1:1 übernehme und das Finanzamt ggf. weitere Informationen benötigt (bspw. die konkrete Berechnung der Währungsgewinne nach der FiFo-Methode, welche ich dann wahrscheinlich nur unter sehr hohem Aufwand ermitteln kann).

    Viele Grüße

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