Was ist Backwardation?

Da es gerade zur aktuellen Situation passt möchte ich heute versuchen zu erklären was eigentlich Backwardation bedeutet, und wie wir dies für uns nutzen können. Phu, ich denke das wird nicht leicht für mich. Ich arbeite zwar immer damit, aber dies zu erklären ist natürlich wieder ein ganz anderes Level. Ich hoffe dennoch ich kann etwas Licht ins Dunkel bringen.

Auf den Finanzmärkten, und gerade bei Termingeschäften wie wir sie handeln, kommt der Begriff „Backwardation“ zur Anwendung. Allgemein könnte man sagen Backwardation beschreibt einen Zustand oder anders ausgedrückt eine Preissituation am Futures-Markt.

Normalerweise zeigt die Kurve des VIX-Futures nach rechts oben. Das bedeutet, dass die Futures mit späteren Fälligkeitsterminen teurer sind als die Futures mit früheren Fälligkeitsterminen. Dies würde dann so aussehen: 

Diese Situation wird als Contango bezeichnet. Ich habe dir den Wikipedia-Artikel dazu hinterlegt.

Bei Backwardation sieht die Futures-Kurve etwas anders aus, da der erste Verfallstermin teurer ist, als der Verfallstermin in weiterer Zukunft.

 

Die Grafik ist ein aktueller Screenshot von Vixcentral. Den Link hab ich dir beim Bild hinterlegt. Die Futures-Kurve ist nach unten gerichtet. Dabei ist es egal ob die Kurve im rechten Bereich wieder nach oben zeigt. Sobald sich der Preis des zweiten Futures unter dem Preis des ersten Futures ganz links befindet spricht man von Backwardation.

Was ist ein Future? Futures sind ganz allgemein Terminkontrakte auf einen Basiswert, zum Beispiel Rohstoffe.

Der aktuelle Kurs, also der Kassakurs, befindet sich also über dem Kurs in der Zukunft, also dem Terminkurs.

Wann kommt es zu Backwardation?

Zu Backwardation kann es zum Beispiel kommen wenn bestimmte Wirtschaftsgüter knapp werden und die Marktteilnehmer Nachschubschwierigkeiten erahnen.

 

Hier ein Auszug von Wikipedia:

Erhöhte akute Nachfrage ist ein wichtiger Grund für Backwardation. Die aktuell vorhandene Nachfrage im physischen Markt ist größer als die Nachfrage in der Zukunft, oder anders gesagt, eine signifikante Anzahl an Käufern benötigt den Rohstoff sofort und nicht erst in Wochen oder Monaten.

 

Entsprechend kann auch eine plötzliche akute Verknappung des Angebots zu dieser Situation führen, wenn die Käufer davon ausgehen, dass die Preise in der Zukunft sinken, bzw. sich das Angebot wieder ausweiten wird.

Ein weiterer Grund für Backwardation ist, dass die Verkäufer mit sinkenden Preisen am Spotmarkt in der Zukunft rechnen oder sich aus anderen Gründen „absichern“ wollen, beispielsweise weil zwischen Produktion und Lieferung ein längerer Zeitraum liegt. Der Verkäufer ist dann unter Umständen bereit, für die Lieferung in der Zukunft einen niedrigeren Verkaufspreis zu akzeptieren, was Backwardation begünstigt.

Warum ist das aber auch für uns wichtig?

Jemand der vorwiegend Futures handelt kann hier natürlich die Preissituation abschätzen. Wenn die Kurve nach rechts unten zeigt, bedeutet das nichts anderes als dass die Nachfrage gerade extrem hoch ist. Es kommt eine leichte Panik auf, die vorderen Futures werden gekauft, dies treibt die Preise in die Höhe. Die Backwardation wird dadurch nur immer ausgeprägter. Es werden Puts zur Absicherung gekauft, dies treibt die Volatilität selbst natürlich auch hinauf.

Hohe Volatilität = Hohe Preise auf Optionen

Das Ganze kann natürlich auch auf den Aktienmarkt übertragen werden. Überlege zuerst einmal: Es gibt viele ETFs, die entweder ganz oder teilweise auf Rohstoffe oder deren Futures aufgebaut sind. Die ETFs sind in der Regel von diesen Preissituation abhängig.

Aber auch den Gesamtmarkt lässt dies alles nicht kalt. Steigt der VIX, also die implizite Volatilität, muss mit steigenden Preisen der Optionen gerechnet werden. Hatte man vorher Short-Optionen geöffnet, werden diese mehr Wert als zum Verkaufszeitpunkt. Die Margin-Anforderung steigt.

Weiters könnte man nun nach lukrativen neuen Trade-Ideen suchen. Für neue Short-Positionen gibts es ja jetzt wieder höhere Preise als noch zur niedrigeren Volatilität.

Zusammenfassung:

  • Der Übergang von Contango in Backwardation ist beachtenswert
  • Die aktuellen Verfallstermine werden teurer als die nachfolgenden
  • Steigende Preise durch erhöhte Nachfrage
  • Steigende Volatilität durch den Drang zur Absicherung
  • Höhere Preise für Optionen
  • Für bereits geöffnete Positionen kann sich dies negativ auswirken
  • Dafür wieder lukrative Möglichkeiten bei neuen Positionen

Dies war heute wieder ein etwas trockener Beitrag. Dennoch kann es ab und zu wichtig sein, etwas Theorie zu wiederholen um anschließend in der Praxis besser agieren zu können. Ich habe versucht diesen Zustand vereinfacht zu erklären. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist. Der gesamte Vorgang beziehungsweise der Wechsel von Contango zu Backwardation und von Backwardation zu Contango ist natürlich weitaus komplexer. Ich bin mir sicher, dass man damit Bücher füllen könnte. Ich kann es jedenfalls nicht ;). Hast du bereits Erfahrung mit der oben gezeigten Terminstruktur-Kurve? Freue mich auf Kommentare.

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mfG Chri

8 Kommentare

  • Hallo Chri,

    dieses Phänomen war mir noch nicht bekannt. Ich hätte daraus geschlossen, dass bei auftretender Backwardation es lohnenswerter wird neue Optionen zu verkaufen, richtig? So kann man auf der genannten Seite auf dem Reiter „Historical Prices“ aktuell erkennen, dass sich ab dem 06.04.17 immer stärker eine Backwardation für den VIX ausbildet.
    Was wäre die praktische Anwendung hierfür? Oder anders gefragt was wäre der Vorteil gegenüber einer reinen Betrachtung des VIX?

    Viele Grüße
    Daniel

    • Hallo Daniel,

      Bei auftretender Backwardation kann es interessant werden, da eben die Futures mit den näheren Verfallsterminen teurer sind als die Futures mit den späteren Verfallsterminen. Man kann hier immer sehr schön mitverfolgen, wann gerade eine sehr große Nachfrage in den Markt kommt. Mit dem VIX alleine fährst du zwar schon recht gut, da du aber nicht weißt wie es sonst gerade am Markt aussieht, kann dir die Terminstruktur-Kurve etwas Abhilfe schaffen.

      Der Übergang von Contango in Backwardation kann ein Anzeichen dafür sein, dass die Vola weiter ansteigen wird. Wie schon in den untenstehenden Kommentaren disktutiert wurde, wird für manche Trading-Ansätze geraten noch die Füße still zu halten, dabei kommt es aber immer auf deine eigene Strategie darauf an.
      Für meine Vorgehensweise würde ich dies nicht als zwingend notwendig erachten.

      Aber wie immer: Ich gebe hier keine Handlungs- oder Anlageempfehlungen, das möchte ich immer wieder betonen.

      mfG Chri

      • Hallo Chri,

        ok, danke der Info. Denke das hilft dieses Phänomen besser einschätzen zu können. Und na klar, Anlageentscheidungen muss jeder individuell für sich treffen 🙂

        Viele Grüße
        Daniel

  • Hallo Chri,
    Jens Rabe rät dazu, in Zeiten der Backwardation eher die Füße still zu halten, wenn es darum geht, neue Positionen zu eröffnen. Dies gilt natürlich nur in Kombination mit anderen Panikzeichen. Denn wenn der Markt anderen Indikatoren zufolge noch intakt ist, ist die Backwardation für sich genommen noch kein Signal zum Handelsstopp. Aber es ist Vorsicht geboten. Denn Panik im Markt lässt diesen oft unberechenbar werden. Daher sehe ich es als gefährlich an, eine Backwardation pauschal als Handelsempfehlung zu begreifen.

    • Hallo ArtVandelay,

      Ich weiß nicht wo du gelesen hast, dass ich dies als Handelsempfehlung begreife? Alles was ich geschrieben habe, ist dass die Vola nun wieder höher ist, und dadurch eventuell neue Möglichkeiten im Optionshandel bestehen.
      Jens Rabe rät aufgrund seines Trading-Stils dazu. Es kommt darauf an, welchen Stil du wählst. Seine Strategie und meine sind grundlegend verschieden. Aber ich gebe dir recht, wenn du seinen Trading-Stil wählst würde ich eher auch noch warten. Es kommt eben darauf an was du vor hast. Aber man sollte sich für etwas entscheiden und das dann durchziehen. 🙂

      Ich warte auch noch, aber das hat einen anderen Grund. Die Earnings stehen an, und diese möchte ich handeln. 🙂

      Weiterhin viel Erfolg!

      mfG Chri

      • So war das nicht gemeint. Ich finde Deine Texte anschaulich und gut geschrieben, Deine Schlussfolgerung sind plausibel. Nur Daniel fragt weiter oben, ob es richtig sei, dass bei auftretender Backwardation der Optionshandel lohnenswerter sei. Ich wollte mit meinem Kommentar lediglich darauf hinweisen, dass man das nicht pauschal bejahen kann,, sondern auch immer andere Faktoren mit einbeziehen soll. Das ist alles. Entschuldige für das Missverständnis.

        @Martin: Guter Punkt. Ich betrachte Herrn Rabe auch nicht als den Messias des Optionshandels, und sicherlich sollte jeder seinen eigenen Stil herausarbeiten. Aber es kann auch nicht schaden, von einem alten Hasen (oder besser gesagt Raben 😉 ) ein paar Tipps mit zu nehmen. Der Mann hat schließlich schon zwei Krisen überstanden und handelt seit Jahren erfolgreich mit Optionen.

        Frohe Ostern und danke schön ‚mal für die interessante Diskussion.

        • Ah, alles klar. das hab ich dann wohl falsch verstanden. Tut mir leid 🙂
          Da gebe ich dir vollkommen recht. Vieles kann nicht einfach so hingenommen werden, und muss von Situation zu Situation neu bewertet werden.

          Das mit Herrn Rabe seh ich auch so. Er kennt sich aus, keine Frage. Nur sollte man selbst auch immer das gelesene oder gesehene hinterfragen. Aber das tun wir ja alle großteils. Seh ich ja an den Kommentaren immer wieder.

          mfG Chri

  • Hallo Chri,

    wichtiges Thema was du hier angesprochen hast. Schön kurz und knackig beschrieben.

    @ ArtVandelay

    Jens rät zu vielem. Für seine Art des Handelns macht das sicher auch Sinn. Aber man kann es nicht pauschalisieren. So halte ich mich z.B. nicht ansatzweise an die 100% oder 200% Regel von Jens. Für Anfänger völlig in Ordnung, aber es gibt mehrere Wege.

    Aber mal ehrlich. Auch Jens wird weiterhandeln bei einer Backwardation. Er kann es sich gar nicht leisten, nicht zu handeln durch die Kundenkonten. Er handelt dann nur anders. Er sagt ja selbst immer wieder, das die Strategien für kleinere Konten sind, mit großen kann man anders an die Sachen herangehen.

    Es ist halt immer eine Frage des Handelsansatzes. Ich z.B. handeln fast ausschließlich Strangles. Egal ob Aktien oder Futures. Der Trend des Baisiwertes interessiert mich dabei auch nicht wirklich. Damit fahre ich selber sehr gut.

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