Wie man mit Optionen den Markt outperformen kann (Gastbeitrag)

Ich bekomme oft Anfragen von Personen, ob sie auf meinem Blog den ein oder anderen Gastbeitrag veröffentlichen dürfen. Ich muss zugeben, meistens lehne ich das ab, da ich glaube, dass meine Leser da sind um etwas über Optionshandel und Dividenden zu lesen. Allgemeine finanzielle Bildung kann man sich auf vielen anderen Blogs holen. Deshalb freue ich mich heute einmal zugestimmt zu haben. Mein heutiger Gastautor beschäftigt sich auch seit kurzem mit dem Optionshandel. Bühne frei für Christian von Finanzfreunde.

Wie man mit Optionen den Markt outperformen kann

Ihr findet die Idee vom passiven Einkommen durch ETF’s gut, aber ihr wollt euch eigentlich nicht mit der Marktrendite zufriedengeben? Kein Problem!

ETF steht für Exchanged Traded Fund und bedeutet Börsengehandelter Indexfond. Anstatt in eine einzelne Aktie zu investieren, lässt sich mittels ETF’s in ganze Indizes, wie beispielsweise den DAX, DOW, S&P500 oder den MSCI World, investieren. Letzterer beinhaltet über 1600 Unternehmen aus über 23 Ländern. Der Vorteil dabei ist, dass man sofort recht gut diversifiziert und sich nicht lange mit einer Einzelaktienauswahl beschäftigen muss. Aber fangen wir vorne an.

Immer mehr Studien kommen zu dem Ergebnis, dass kaum ein Fondsmanager in der Lage ist seine Benchmark nach Abzug aller Kosten zu schlagen. (https://www.justetf.com/de/news/geldanlage/der-beweis-aktive-manager-schlagen-den-markt-nicht.html) Wenn es hochbezahlte Fondsmanager mit ihren Analysten-Teams nicht schaffen, wie sollten wir dazu in der Lage sein?

ETF’s haben deutlich geringere Kosten als aktiv gemanagte Fonds. Schnappen wir uns also einen ETF auf den MSCI World Index, bekommen wir die Marktrendite. Diese entspricht ca. 7% abzüglich einer geringen jährlichen Gebühr, je nach ETF i.d.R. zwischen 0,05% und 0,5%. Gleichzeitig wählen wir uns einen ETF aus auf den wir auch Optionen schreiben können. Für das folgende Beispiel wähle ich den iShares MSCI World Index Fund (URTH), aktuell liegt der Preis bei ca. 77,50$. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf 0,24% und es werden zweimal im Jahr Dividenden ausgeschüttet. Die aktuelle Dividendenrendite bezogen auf die Ausschüttungen der letzten 12 Monate beträgt 2,0%.

Optionen auf ETFs

Auch bei ETF’s beträgt die Optionskontraktgröße 100. Solltet ihr also kein Margin-Konto sondern lediglich ein Cash-Konto bei eurem Broker eingerichtet haben, braucht ihr mindestens 7750$ um diese Strategie anzuwenden. Aber keine Sorge, es gibt natürlich auch ETF’s mit niedrigeren Preisen.

Habt ihr das benötigte Kapital in den ETF eingespart, könnt ihr beginnen einen ersten Covered Call auf diesen zu verkaufen. Da ihr die Position aber ja weiter aufbauen und nicht sofort wieder ausgebucht bekommen wollt, solltet ihr einen Strikepreis wählen, der weit aus dem Geld liegt. Allein die dadurch eingenommene Prämie sorgt dafür, dass ihr den Markt outperformed. Bei Optionslaufzeiten von 1-2 Monaten könnt ihr das Ganze 6-12 mal im Jahr durchziehen und solltet euch somit ein paar Prozent Extra Rendite sichern können. Natürlich kommt ihr damit nicht an die Renditen heran die Chri monatlich einstreicht, doch langfristig gesehen können wenige Prozent mehr pro Jahr einen enormen Unterschied ausmachen. Zusätzlich ist der Zeitaufwand für diese Strategie verschwindend gering. Schließlich braucht ihr nur, wenn überhaupt, einmal im Monat einen Call zu verkaufen und die eingenommenen Prämien in den ETF zu investieren.

Ihr sagt jetzt sicher: „Das klingt zu schön um wahr zu sein!“

Natürlich darf man nicht verschweigen, dass eine höhere Rendite auch mit einem höheren Risiko einhergeht. Das heißt kommt es zu starken Kursanstiegen, könnt ihr entweder die Option teuer zurückkaufen, realisiert somit einen Verlust und schmälert eure Rendite oder ihr lasst euch die Anteile ausbuchen, realisiert einen Gewinn, müsst darauf Steuern bezahlen und seid vorerst an der kommenden Marktentwicklung nicht mit beteiligt. Je weiter der Call aus dem Geld liegt, desto geringer das Risiko das ihr ausgeübt werdet, aber desto geringer natürlich auch eure zusätzliche Rendite.

Schauen wir uns mal ein Beispiel an:

Wir verkaufen einen Call mit einer Laufzeit von knapp 2 Monaten, der 10% aus dem Geld liegt (Verfallsdatum 19.5. und Strike 85$). Als Prämie können wir dafür aktuell ungefähr 30$ vereinnahmen. Das Ganze lässt sich in einem Jahr, wenn wir vorzeitige Rückkäufe ausschließen, mindestens 6 mal durchführen. Insgesamt haben wir also 150$ eingenommen, die bezogen auf unser eingesetztes Kapital von 7750$ eine Zusatzrendite von 2,3% darstellen. Wie gesagt es ist nicht die Welt, aber es ist eine Outperformance die auf 25 Jahre gesehen eine Differenz von knapp 30.000$ ausmacht. Das entspricht fast dem 4-fachen unseres eingesetzten Kapitals, also letztendlich doch eine ganze Menge.

Aufbauend auf dieser Basisstrategie könnt ihr natürlich auch zusätzlich noch Puts verkaufen, falls ihr genügend Liquidität habt. Steigt der Markt rasch an, könnt ihr den Call zurückkaufen, während der Put eure Verluste kompensiert. Oder sollte der Markt fallen, könnt ihr euch ETF Anteile günstig einbuchen lassen und seid dann in der Lage 2 Covered Calls zu verkaufen.

Das Risiko ist das Underlying selbst

Abschließend sei noch gesagt, dass die Strategie im Wesentlichen dem Risiko des Underlying selbst ausgesetzt ist. Auch eine Krise gehört zum Wirtschaftskreislauf dazu und in dieser kann der ETF gut und gerne 50% seines Wertes einbüßen. Dann gilt es nicht alle Hoffnung fahren zu lassen, sondern starke Nerven zu behalten und das Ganze auszusitzen. Die Weltwirtschaft wird sich mit ziemlicher Sicherheit wieder erholen. Die Strategie kann natürlich auch dann noch angewendet werden, jedoch sollte dann unbedingt sichergestellt werden, dass die Anteile nicht zum halben Preis ausgebucht werden. Ein Rückkauf von Covered Calls wäre dann Pflicht.

Ihr seht also, die Strategie ist simple aber nicht einfach. Natürlich muss man sich trotzdem mit der Materie befassen und Erfahrung sammeln. Aufgrund des geringeren Risikos gegenüber anderen Strategien ist sie aber besonders für Anfänger im Optionshandel empfehlenswert.

 

Wie ihr sicher schon gemerkt habt, hat heute nicht Chri den Beitrag geschrieben. Vielen Dank an dieser Stelle, dass ich einen Gastbeitrag bei dir veröffentlichen darf. Falls euch der Beitrag gefallen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr zahlreich kommentiert und auch auf meinem Blog Finanzfreunde vorbeischaut. Dort könnt ihr mich auf meinem Weg als 24-jähriger Student zur finanziellen Freiheit von Grund auf begleiten.

Also vielleicht bis bald. 🙂

Christian

 

16 Kommentare

  • Nochmal ein riesen Dankeschön an dich Chri. Wenn man deine Leistungen betrachtet, egal ob Blog oder Optionshandel, dann ist es mir wirklich eine Ehre, dass du zugestimmt hast den Artikel zu veröffentlichen. Vielen Dank!

    • Hallo Christian,

      Ach, so ist es nun auch wieder nicht. Ich bedanke mich für deinen Beitrag!
      Mach weiter so, viel Erfolg auf deinem weiteren Weg im Optionshandel!

      mfG Chri

  • Super erklärt. Eine sehr ähnliche Strategie habe ich mir auch überlegt (und angefangen umzusetzen), um meinen buy-and-hold Ansatz für ETFs aufzupeppen. Darf ich fragen, warum du gerade dieses ETF ausgewählt hast? Und vor allem wie du ihn gefunden hast? Mir erscheint der Spread da teilweise sehr hoch (zumindest auf den ersten Blick ohne Marktdaten).
    Ich verfolge nämlich meine Strategie erst seit Anfang dieses Jahres und fand es sehr schwer überhaupt ETFs (egal ob jetzt MSCI World, MSCI EM oder etwas anderes möglichst marktbreites) zu finden, bei denen zum Einen Optionen gehandelt werden können und zum anderen auch ein Markt da ist und der Spread dann passt. Ich für meinen Teil nehme zurzeit den iShares Euro Stoxx 50 ( http://www.finanzen.net/etf/iShares_EURO_STOXX_50_UCITS_ETF_Inc ), nicht weil ich überzeugt wäre, dass er der Beste ist. Ich habe nur vom Spread und den Prämien her nichts gefunden, was zum eingesetzten Kapital ähnlich gut wäre. Meine Suche war allerdings recht wenig strukturiert, da ich nicht wirklich weiß, wie ich suchen soll.

  • Hallo Johannes,

    vielen Dank für das Lob und deinen Kommentar.

    Den ETF habe ich über die Trader Work Station gefunden. Ich habe nach MSCI World suchen lassen und mir dann nur die ETF’s anzeigen lassen. Ich wollte in dem Artikel gern einen ETF haben, der sich auf die ganze Welt bezieht. Nach der Suche blieben praktisch nur dieser und ein dbx trackers msci world übrig.
    Markdaten habe ich in der TWS auch nur die verzögerten und da zeigt es mir auch die hohen Spreads an. Allerdings ist der Counterpart bei Optionen ja nicht die Bank oder der Broker, sondern jemand wie du und ich. Deswegen wird es m. E. in der Regel darauf hinaus laufen, dass sich der Preis in etwa in der Mitte der Spreads finden wird. Zumindest ist das bis jetzt meine Erfahrung gewesen. Zusätzlich habe ich mich am ‚Last Kurs‘ orientiert, also dem Kurs zudem zuletzt ein Handel zustande gekommen ist.

    Den von dir genannten ETF hatte ich mir auch schon angesehen, das ist der EUN2 oder? Ja der hatte mir auch gut gefallen. Ich habe ja auch erst im Januar mit dem Optionshandel begonnen. Hatte bis jetzt nur Optionen auf Aktien geschrieben, mich in letzter Zeit aber auch mit ETF’s beschäftigt. Gesucht habe ich wie gesagt größtenteils über die TWS. 🙂

    Viele Grüße
    Christian

    • Ja, EUN2.
      @Spreads ich bin beileibe kein Experte, aber ich denke, dass das Gros der Optionen doch eher von institutionellen Großanlegern zur Risikoabsicherung gekauft, also schon eher ein Banken ähnlicher Counterpart. Ich ging bislang immer etwas in Richtung Mitte, aber nicht exakt (bei 7c vllt 2), sollte wohl mal mehr ausprobieren. Aber unabhängig davon hatte ich neben den Spreads bei anderen ETFs den Eindruck, dass die Prämien im Verhältnis zum eingesetzten Kapital niedriger sind. Und da ich zum Einen erst anfange und zum Anderen gar nicht den Anspruch habe wirklich tief in die Materie einzusteigen, will ich auch schlicht mit wenig Aufwand meine Rendite pimpen und bei hohem Spread erscheint mir die Gefahr, dass Marktkräfte gegen mich laufen höher. Niedriger Spread spricht für nen liquiden Markt, was wiederum dafür spricht, dass das Risiko angemessener eingepreist wird.

      • Was ich meinte war, dass der Handel nicht mit dem Broker/ Bank geschlossen wird, bei dem man das Depot eröffnet hat, wie das beispielsweise beim Daytrading der Fall ist. Da sammelt der Broker ja oftmals die Aufträge und leitet dann nur die Differenz weiter. Sprich wenn ich kaufen möchte, kaufe ich für 1,50€ vom Broker und wenn ein anderer verkaufen möchte verkauft er bspw. für 1,00€ an den Broker. Damit bleibt im Endeffekt +- 0 und der Broker muss nichts weiterleiten, hat aber 2x 0,25€ Spread eingenommen. Bei Optionen kann dein Gegenüber natürlich auch eine Bank sein, allerdings tritt deine Bank/Broker lediglich als Vermittler auf, der die Transaktionskosten einstreicht. Der Counterpart hingegen will genau wie du den besten Kurs haben und würde lieber für 1,25€ verkaufen. Das kommt dir als Käufer natürlich sehr gelegen, du würdest auch lieber für 1,25€ kaufen als für 1,50€. Letzendlich stimmt somit Angebot und Nachfrage überein und der Handel kommt zu 1,25€ zustande. Das es genau in der Mitte liegt muss natürlich nicht sein, es kann mehr zu deiner Seite tendieren aber auch in die andere Richtung, dass muss man etwas austesten. Bei kleinen Spreads 1,24€ zu 1,26€ lässt sich da natürlich nicht viel verändern.

        Nichtsdestotrotz hast du mit deiner Aussage vollkommen Recht, dass niedrige Spreads für eine bessere Liquidität stehen und auf jeden Fall auch gegenüber großen Spreads bevorzugt werden sollten. Da stimme ich dir zu 100% zu.

  • @Johannes,

    Hi,
    Wieso investierst Du in einen ETF den du selbst „nicht als den besten erachtest“ nur um dann darauf Optionen zu verkaufen. Diese Strategie erschließt sich mir nun gar nicht.

    Die grundlegende Geldanlage sollte doch ziemlich genau passen und wenn dann ne optionsstrategie das aufpeppen soll, super Sache! Aber du bist ja mit der Grundlage nicht überzeugt…….

    Grüße
    Michael

    • Berechtige Frage.
      Nun es hat verschiedene Gründe. Zum Einen bin ich noch stark am Ausprobieren/Verstehen/Kennenlernen zum Anderen das Argument mit den liquiden Märkten (s. Antwort auf Christian). Außerdem ist mein Optionsdepot nur nen Teil meines Gesamtdepots. Gesamt find ich EuroStoxx50 ok (auch wenn mir 600 lieber wäre, aber 50 mit guten Optionen ist dann doch besser), wenn ich nen gut OptionshandelETF auf zB World fände würde ich halt nen größeren Teil des Depots für Optionen nehmen. Zu guter letzt hab ich bislang eh nur Puts verkauft und wurde noch nicht ausgelöst, da ist es mir dann eher egal, welchen ETF ich eh nicht kaufe :). Aber grundsätzlich hast du recht und genau deswegen suche ich nach anderen ETFs, um meine Strategie zu verbessern. Hauptgrund ist aber eigentlich, dass ich eben noch am Probieren bin.

  • Pingback: Einnahmen März 2017 – Auf dem Weg zur finanziellen Freiheit

  • Hallo!
    Folgende US-ETF´s würden mich alleine wegen der Liquidität interessieren:
    (SPY) SPDR S&P 500,(EEM) iShares MSCI Emerging Markets, (IWM) iShares Russell 2000, (GLD) SPDR Gold, (SLV) iShares Silver Trust, (EFA) iShares MSCI EAFE.

    Aber wie sieht es aus wenn man ausgeübt wird? Zum Beispiel ist der SPDR Gold Trust in Deutschland ja nicht zugelassen oder? Ändert die Besteuerung ab 2018 da etwas? Handel jemand diese ETF´s vllt schon?

    Beste Grüße Jan

  • Blöde Frage eines Anfängers… wenn ich mit dieser Strategie für 7.750$ einen Ertrag von 150$ vor Steuern mache (~1,9%)… wieso sollte ich diese 7.750$ nicht gleich in den ETF stecken, wie ich langfristig vlt 7% erwarten kann?

    Zusätzlich will ich ja den Cash Stand eher klein halten, weil ich ja negative Zinsen drauf zahlen könnte…

    Was vermisse ich hier daß du dies als „Zusatzrendite“ betiteln kannst? Diese 7.750$ sind ja andere 7.750$ als ich für den Kauf des ETFs ausgegeben habe?

    • Hallo Mike,

      die 7750€ brauchst du ja um 100 Anteile des ETF zu kaufen. Es sind also die selben. Dadurch liegen die Anteile in deinem Depot und du bekommst die Marktrendite von ca. 7%. Zusätzlich verkaufst du den Covered Call. Hättest du die Anteile nicht gekauft, wäre der Call nicht gecovered und würde ein wesentlich größeres Risiko aufweisen.
      Bei dem von mir beschriebenen Covered Call, sind die Prämien Einnahmen dann deine Zusatzrendite. Wird der Call ausgeübt werden dir die Anteile ausgebucht.

      Schau dir am besten nochmal den Beitrag genau an, ich glaube du hast nicht richtig verstanden wie die Strategie funktioniert. Am Anfang kann es aber natürlich auch sehr leicht verwirren. 😉

      VG Christian

      • Ok – dann meinst du da wirklich einen covered Call – dann verstehe ich ja – ist klar… Ist die trader software so intelligent daß sie das erkennt? Oder ‚blockiert‘ die dann 7.750 USD von deinem cash account?

        BG, Mike

        • Vielleicht war es auch etwas unglücklich ausgedrückt. Verzeih, das Missverständnis.

          Ich kann dir leider nur vom Margin Konto berichten. Und da ist die Margin Anforderung wesentlich geringer. Ich gehe daher davon aus, dass das auch im Cash Konto der Fall sein wird.

          Selbiges ist ja auch bei einem Strangle der Fall. Anstatt für Call ind Put jeweils bspw. 700€ Margin zu hinterlegen, musst du nur 700€ für den Put und vielleicht 50€ für den Call berappen. Löst du eine Seite auf wird allerdings nicht die Hälfte der Margin frei, sondern dann eben auch nur die 50€.

  • Pingback: Wann verdoppelt sich mein Kapital? – Auf dem Weg zur finanziellen Freiheit

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