Handle nur was du siehst, nicht was du denkst

Mit dem S&P500 weiter am abtauchen stehen viele Investoren grade vor großen psychischen Herausforderungen. Sollen Sie ihre Aktien lieber jetzt verkaufen um sich vor größeren Verlusten zu schützen? Oder ist das jetzt gerade eine gute Nachkauf-Gelegenheit für zukünftige Kursgewinne und nette Dividenden-Renditen?

Wir denken wir können herausfinden, was in der Zukunft passieren wird. Das können wir aber nicht. Ich lerne mich aktuell noch immer sehr fokussiert in die Chart-Technik ein. Und trotzdem weiß ich, dass uns Chart-Technik nur eine Idee davon geben kann, dass etwas zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten könnte. Oft kommt es dann komplett anders als man es sich gedacht hat. Wie können wir also langfristig an der Börse erfolgreich sein, wenn wir uns nicht darauf verlassen können, was eintreten könnte?

 

Denke nach, aber interpretiere nicht zuviel hinein

Eigentlich ist es ganz einfach, aber nicht leicht umzusetzen. Unser Gehirn spielt uns durch Angst und Gier immer wieder einen Streich an der Börse. Wenn du deine Aktien komplett rational betrachten würdest, würdest du dann die ein oder andere Kauf- oder Verkaufs-Entscheidung genau so wiederholen?

 

Wir neigen dazu viel zu viel hinein zu interpretieren. News machen uns teilweise sehr nachdenklich. Wir haben Angst unser hart erarbeitetes Geld zu verlieren, dabei denken wir hier viel zu kurzfristig. Wir trauen manchen Nachrichten einfach viel zu viel Bedeutung zu, die sie dann aber tatsächlich nicht haben. Der Kurs beginnt durch schlechte Nachrichten zu fallen, und wir verkaufen in der Panik unsere Anteile, um nicht noch mehr Verlust einzufahren. Später sehen wir den Aktien zu, wie sie neue Höhen erreichen, wir ärgern uns. Wir wissen, dass wir kaufen sollten, wenn Blut auf der Straße klebt, und verkaufen, wenn alles zu schön aussieht um wahr zu sein. Es ist aber wieder ein komplett anderes Thema diese Theorie auch wirklich einzuhalten.

 

Kurzfristig könnte es natürlich dazu kommen, dass wir viel weiter im Verlust sind, aber langfristig werden sich diese Investitionen auszahlen. Den absoluten Tiefpunkt in einer Aktie oder einem komplett anderen Basiswert werden wir nie erreichen. Wir können einfach nicht in die Zukunft blicken, und das ist auch gut so.

 

Handle was du siehst, und was dir gefällt

Ich habe vor längerer Zeit aufgehört mir über alles und jeden Sorgen zu machen. Es gibt einfach einige Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Aktienkurse sind ein Teil davon. Auch über einen größeren Kursrutsch mache ich mir mittlerweile nur sehr wenige Gedanken. Ich konzentriere mich auf die Dinge, die ich sehe und handeln möchte. Ein gutes Money und Risk Management sollte den Rest regeln. In meinem Fall bedeutet es, dass ich meine Margin-Auslastung immer etwas geringer halte, um bei wirklich guten Kaufgelegenheiten auch zuschlagen zu können. Ich spreche hier natürlich vom Kauf einer Aktie über den Verkauf von Put-Optionen. Mir gefällt einfach der Gedanke, dass über die Zeit andere Investoren für meine Aktien bezahlen (über die Optionsprämie).

 

Ich stelle am Aktienmarkt, im Gegensatz zum Forex-Markt, keine Spekulationen mehr an, wohin sich eine Aktie bewegen könnte. Wir agiere ich hier einfach am liebsten? Indem ich mir meine Aktiengesellschaften ansehe, und den Put so wählen, dass ich die Aktien zum Ausübungspreis auf jeden Fall kaufen würde. Ob ich sie dann wirklich kaufe, kann ich mir dann noch überlegen, aber der Grundgedanke ist bei mir immer, dass ich zum Preis kaufen würde. Wenn ich also sehe, wie Kimberly-Clark (KMB) gerade auf die 4 Prozent Dividendenrendite zugeht, freut es mich eine gute Gelegenheit für Puts zu suchen. Egal wie sich der Kurs in den nächsten 1-2 Jahren entwickeln wird, ich würde sie mir kaufen, weil ich vom Geschäft überzeugt bin und jeder die Produkte braucht.

 

Sollte sich so ein Kurs dann jahrelang nur mehr nach unten bewegen kann ich mich als Investor beweisen, indem ich kluge Entscheidungen treffe und versuche den Durchschnittspreis über den Optionshandel zu drücken. In der Zwischenzeit lasse ich mich natürlich auch wieder gerne durch Dividenden bezahlen. :)

 

Handle nicht, was du denkst, was passieren könnte

Wir hatten schon sehr sehr oft eine gute Diskussion in unserem Telegram-Channel. Es ging darum sich nicht auf den Handel zu fokussieren, sondern darauf was man handeln möchte. Ich habe in der Vergangenheit auch Aktien gehandelt, die ich eigentlich nicht kannte. Ich dachte ich könnte wissen, was in den nächsten Wochen mit der Aktie passieren wird. Die großen Prämien wollte ich einfach mitnehmen, weil ich “wusste”, dass der Aktienkurs ohnehin nicht mehr meinen Ausübungskurs erreichen wird in den nächsten 4 Wochen. Bei einem Delta von 0,2 heißt es ja, dass die Option mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent wertlos verfällt. Tja, diese Gedanken haben mich in der Vergangenheit viele Nerven gekostet. Meine aktuelle Vorgehensweise finde ich einfach viel entspannter, und ich muss nicht raten, wo der Kurs hingeht. Ich fokussiere mich eben nur mehr darauf, was ich auch beeinflussen kann.

 

Im Großen und Ganzen sind es diese Gedanken, die mich zu einem Put-Verkauf bewegen:

  • Gefällt mir diese Aktiengesellschaft?
  • Gefallen mir die Produkte?
  • Traue ich dem Unternehmen weiteres Wachstum in den nächsten Jahrzehnten zu?
  • Gefällt mir der aktuelle Kurs ?
  • Möchte ich mein Kapital zu dieser Dividendenrendite für unbestimmte Zeit binden?
  • Bekomme ich genug Prämie um den Verkauf von Optionen zu rechtfertigen?
  • Kann ich mir 100 Anteile dieser Firma überhaupt leisten?
  • usw.

Habe trotzdem einen Plan

Auf der einen Seite sage ich, dass es sinnvoll ist sich mehr als Investor zu sehen. Auf der anderen Seite sage ich sollte man die Risiken nicht außer Acht lassen und auf jeden Fall einen Plan haben, wenn die Aktien noch viel weiter abtauchen. Alle Community-Mitglieder wissen, dass es immer eine Möglichkeit gibt weiteres Einkommen durch den Verkauf von Optionen zu generieren. Wir machen uns dieses Finanzinstrument zu nutze, und senken somit Stück für Stück unseren Durchschnittspreis. Dies ist ein psychologisch wichtiger Faktor um an der Börse langfristig erfolgreich zu sein.

 

Es ist also wichtig zu wissen was zu tun ist, wenn das Kapital unter Druck gerät. Wir müssen unser Kapital schützen und durch verschiedene Roll-Szenarien bessere Ausgangslagen wiederherstellen. Handle also nicht was du denkst, sondern was du siehst, ABER habe auf jeden Fall einen Plan für jedes Szenario. Bei diesem Satz scheint sich der Hund selbst in den Schwanz zu beißen, das tut er aber nicht. Wenn du einen Plan hast, handelst du im Endeffekt wieder was du siehst, und nicht was du denkst, was passieren wird. Denke einmal darüber nach.

 

Es gibt einige Leute, die andere Ansätze im Optionshandel verfolgen. Für diese Menschen mag dies nicht zutreffen. Sie wollen keine Aktien kaufen, sondern einfach nur handeln. Dafür eignet sich dieser Ansatz vermutlich nicht. Für uns Investoren am Aktienmarkt, für die ich hier auch immer schreibe, haben die oben genannten Zeilen aber denke ich große Bedeutung.

mfG Chri

Ach ja: Ich freue mich wie immer auf Kommentare. Das Google Captcha habe ich deaktiviert, ich hoffe, dass dem Leser somit die Kommentare wieder einfacher fallen. :)

Bist du noch Anfänger auf dem Gebiet Optionshandel und willst dich auf deine finanzielle Freiheit vorbereiten? Für jemand wie dich habe ich eine extra Homepage erstellt, um dir die Grundlagen in kurzen Lektionen zu vermitteln. Stelle auch sicher, dass du dir mein kleines Geschenk an dich nicht entgehen lässt.

6 Kommentare
  1. Sebastian
    Sebastian sagte:

    Hey,

    echt passender Beitrag, vor allem in einer Phase, wo vielen schon der Angstschweiß auf der Stirn steht.

    Ich bleib da auch gelassen und schau einfach, dass ich Abstand gewinne. Hab gleich das lange Wochenende dafür genutzt. Handynachrichten abschalten und nicht von jedem noch so kleinen Zeitungsartikel wahnsinnig machen lassen.

    Lg aus dem kalten Norwegen,
    Sebastian

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Sebastian,

      Gelassen bleiben ist der Trick an dem ganzen Börsenzauber ;)

      Wünsche dir viel Spaß in Norwegen. Wenn du wieder da bist, freue ich mich auf ein paar Fotos :)

      mfG Chri

  2. Ingo
    Ingo sagte:

    Hallo,
    in fallenden Märkten Puts zu schreiben ist natürlich ertragreicher. Aber ob man sich diese Aktien auch alle andienen lässt, wenn der Ausübungspreis dann zum Laufzeitende erreicht bzw. unterschritten ist, würde ich mir schon überlegen. Erfahrungen hast du ja schon diesbezüglich gemacht (Lufthansa). Dann Calls auf diese Aktien zu schreiben, ist m.E. nicht so sinnvoll, falls die Aktie weiterfällt. Man geht ja das Risiko ein, dass einem die Aktie unter einem evtl. Einstiegspreis weggecallt wird.

    Aber wenn du dich schon mit Optionen auskennst, warum wechselst du dann nicht einfach in den Rohstoffmarkt? Dort gibt es genug Werte, die nicht mit dem Aktienmarkt gleichlaufen. Auch ist die Auslastung der Margin nicht so hoch. Somit kannst du mehr Premien mit der gleichen Marginanforderung einnehmen.

    Nur so ein Gedanke…. ;-)

    Erfolgreiche Trades
    Ingo

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Ingo,

      Danke für deinen Kommentar!
      Nur weil der Preis dann unter meinem Ausübungspreis ist, heißt das nicht, dass ich mir die Aktien dann auch wirklich andienen lassen muss zu dem Zeitpunkt. Wie schon öfter geschrieben, nutze ich dann gerne mal die Möglichkeit weiter hinunter zu rollen.

      Der Grund warum ich nicht in den Rohstoffmärkten handle ist, da ich mir die Basiswerte nicht einbuchen lassen möchte. Rohstoffe zahlen mir keine Dividende, wenn ich sie halte. Ist ein großer psychologischer Faktor bei mir. Kann jeder wie er will, für mich ist es eben aktuell nichts. :)

      Meine Spekulationslust lebe ich bei den CFDs aus. Am Aktienmarkt fühl ich mich mehr als Investor, der sich Aktien auch mal einbuchen lässt und/oder den Durchschnittspreis senkt, wenn sich Gelegenheiten ergeben.

      Aber die Idee ist eine gute! Sie passt nur eben nicht zu mir :)

      mfG Chri

  3. Philipp
    Philipp sagte:

    Hallo Chri,

    Danke für den guten Beitrag! Grundsätzlich deckt sich meine Herangehensweise und Denkweise großteils mit deiner. Ich verfolge auch den Ansatz ein Dividenden Portfolio mittels Put-Optionen aufzubauen, von dessen Positionen ich langfristig überzeugt bin. Ich stoße mich jedoch ein wenig daran, dass immer wieder davon gesprochen wird Aktien einbuchen zu lassen, danach Calls/Puts zu schreiben und damit den Einstandspreis zu senken und bis sie mir wieder ausgebucht werden einfach die Dividenden mitzunehmen. Folgende Problematiken sehe ich in diesen Aussagen:
    1. Wenn ich eine Position eingebucht bekomme und der Kurs sinkt weiter, habe ich nur kurz die Möglichkeit bei einem Strike über meinem Einstandspreis sinnvolle Prämien zu kassieren. Sinkt der Kurs weiter kann ich bei einem Strike über meinem Einstandspreis keine Prämie mehr generieren und somit keine Optionen nach dieser Strategie verkaufen.
    2. Sollte der Kurs wieder drehen und steigen kann ich zwar Puts schreiben mit denen ich meinen Einstandspreis senke, jedoch verdopple ich beim Andienen auch meine Anteile was sich bei kleinen/mittelgroßen Konten sehr stark auf die Diversifikation meines Portfolios auswirkt. Und wir verfolgen ja den Ansatz dass ich die Positionen auch langfristig halten kann.
    3. Sollte ich die Optionen rollen, damit ich die Aktien nicht eingebucht bekomme, streiche ich nur die Prämien ein (was auch meine Strategie neben Dividenden für mein passives Einkommen ist). Jedoch senke ich damit meiner Meinung nach nicht den Einstandspreis. Sollte ich das so rechnen und irgendwann mit einem Call meine Aktien zu einem Strike über dem gesenkten Einstandspreis (aber unter dem originalen Einstandspreis) wieder verkaufen habe ich quasi den Gewinn aus den Prämien aufgebraucht und in der Zeit dazwischen nichts verdient. Und ich will ja mit den Prämien verdienen und eine Position auch nur mit Gewinn wieder verkaufen, das heißt über dem originalen Einstandspreis.
    Mit dieser Strategie hat man jedoch wesentlich weniger Möglichkeiten Optionen zu verkaufen und trotzdem diese Regeln zu berücksichtigen, dass wirklich jeder Trade ein Gewinner wird.

    Was denkt ihr zu dieser Überlegung/Strategie?

    LG Philipp

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Philipp,

      Zu deinem ersten Punkt:

      Du musst ja nicht zwangsläufig über dem Einstandspreis die Calls verkaufen. Geht ja darunter auch, wenn es drüber steigt kannst wieder rollen, oder du lässt ausbuchen und schreibst Puts zu einem niedrigeren Preis, sodass die Prämie den Verlust aber wieder auffängt.

      2) Ja, da gebe ich dir recht, hier muss man ganz klar unterscheiden zwischen cash secured puts und puts auf margin. wenn dein Konto groß genug ist, kannst du dir natürlich überlegen weitere Anteile einbuchen zu lassen, mache ich auch hin und wieder. bei kleinen Aktien wie AT&T zB tut das nicht wirklich weh im Depot. Es kommt eben immer auf das große ganze an, wie groß dein Depot ist, und was du dir leisten kannst. Je mehr Kapital man drinnen hat, desto mehr spaß macht das ganze dann natürlich.

      3) Du wirst niemals alle Trades im Gewinn schließen können, verabschiede dich so schnell es geht von diesem Gedanken. Wie schon im letzten Punkt erwähnt: Denke über das große Ganze nach. Wenn du unter deinem Einstandspreis verkaufst, ist das nur eine Transaktion von vielen weiteren, vielleicht hunderten. Du kannst dich ja im nächsten Schritt sofort wieder billiger einkaufen durch Puts.
      Ich denke sogar dass man mit dieser Strategie weit mehr Möglichkeiten hat Optionen zu verkaufen, allerdings wird nicht jeder Trade ein Gewinner, ist klar. :)

      Ich hoffe ich konnte dir zufriedenstellend Antworten.

      mfG Chri

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