Meine Strategie im Optionshandel

Hallo,

Ich habe ein paar Kommentare zu einem Beitrag von mir erhalten. Dabei wurden mir ein paar Fragen gestellt, welche ich heute beantworten möchte. Das Thema heute ist meine Optionsstrategie ganz allgemein.

Wann verkaufe ich überhaupt Optionen?

Dies hängt zuerst einmal davon ab, ob ich bereits viele offenen Positionen habe oder nicht. Wenn meine Margin bereits gut ausgereizt ist, verkaufe ich keine neuen Puts, da ich eventuell Aktien kaufen muss, falls ich ausgeübt werde. In diesem Fall würde ich nur Covered Calls verkaufen.

Habe ich aber noch viel Cash übrig und die Margin wurde somit auch noch nicht wirklich beansprucht, suche ich mir Aktien um Puts darauf zu handeln. Zuerst sehe ich mir trotzdem noch einmal mein Depot an, ob ich bereits Aktien halte, die ich für Covered Calls verwenden kann. Hierzu müsste ich mindestens 100 Stück Anteile eines Unternehmens besitzen.

Weiters sehe ich mir die aktuellen Preise meiner Aktien an. Gibt es welche, die im Preis gefallen sind und ich weitere Anteile kaufen will, verkaufe ich Puts darauf.

pexels-photo-93684

Wie entscheide ich auf welche Aktien Optionen gehandelt werden?

Kann ich auf keine Aktien, die ich halte, sinnvolle Optionen verkaufen dann lasse ich mich inspirieren. Und zwar von anderen Blogs. Da sehe ich mir an welche Dividendentitel aktuell gekauft werden. Ich suche mir ein paar Kennzahlen heraus, und entscheide ob es die Aktie wert ist. Diese wären:

  • Aktueller Aktienpreis im Vergleich zu den letzten 5 Jahren
  • Dividendenrendite
  • Wie oft hintereinander wurde die Dividende gesteigert
  • Payout-Ratio

Für amerikanische Aktien bekomme ich all das auf einen Blick bei www.dividend.com.

Für europäische Aktien suche ich meist auf mehreren Webseiten.

Gibt es aktuell keine Berichte über Zukäufe von starken Dividendentiteln, lasse ich mir durch  einen Stock-Screener ein paar Aktien ausspucken. Hier kann ich eingeben, worauf ich wert lege. Hier gebe ich meist eine Dividendenrendite von über 3% ein, ein Payout-Ratio von unter 50%, eine große Marktkapitisierung und den aktuellen Wert der Aktien unter einer bestimmten Grenze. Letzteres ist wichtig, wenn ich beispielsweise nur mehr 5000 Euro Cash oder Margin übrig habe. Somit kann ich nur Puts auf Aktien verkaufen, die aktuell unter 50 Euro wert sind.

Hiermit habe ich aber noch nicht entschieden, ob ich die Option wirklich handle.

Habe ich mir im Groben darüber Gedanken gemacht, welche Aktien aktuell ein gutes Investment darstellen können, starte ich die Handels-Software bei meinem Broker.

Ich gebe die Aktienkürzel in das richtige Feld ein, und sehe nach, wieviel Prämie ich in den nächsten Wochen bekommen kann. Wenn es möglich ist gehe ich hier mit dem Strike-Price ein paar Prozent unter den aktuellen Aktienkurs. Ich gehe meist soweit “aus dem Geld” dass ich in 30 Tagen gerade noch 1% Rendite durch die Prämie schaffen würde.

startup-photos

Warum 30 Tage? Dies ist reine Geschmackssache. Etwas persönliches. Ich habe mir beim Start meines Optionshandels gedachte, ich möchte pro Monat mindestens 1 Prozent Rendite schaffen, egal in welcher Marktlage. Würde ich weniger schaffen, macht das alles für mich keinen Sinn, und ich würde mir einfach Aktien ins Depot legen und auf die Durchschnittsrendite des Marktes setzen.

Ich könnte die Laufzeit theoretisch auch auf eine Woche ansetzen, das macht eigentlich nicht viel Unterschied. Der Zeitwert der Option unterscheidet sich. Je näher das Verfallsdatum rückt, desto mehr Zeitwert wird abgebaut, und desto schneller verliert die Option an Wert. Ich würde sagen, dies ist reine Geschmackssache. Für mich funktionieren die 30 Tage Laufzeit eben hervorragend.

Bin ich nun am Ziel angelangt?

Leider immer noch nicht. Im nächsten Schritt sehe ich mir kurz an wie der Bid-Ask-Spread bei dieser Aktie steht. Ein kurzer Blick auf die beiden Werte in der Software reicht. Ist der Spread zu groß lass ich die Finger davon, weil ich sonst nicht so schnell ohne Verlust herauskomme, falls ich wirklich in eine dumme Situation kommen sollte.

Ist der Unterschied zwischen diesen beiden Preisen aber sehr klein, und der Rest passt auch verkaufe ich den Put darauf und bekomme die Prämie.

Schließen einer Position

Habe ich die Position erfolgreich verkauft und die Prämie erhalten erscheint die Option auf meinem Bildschirm in der Software. Hinter der Option erscheinen dann zwei Button. Hier könnte ich entweder eine weitere Position aufbauen, oder sie schließen. Ich klicke also gleich nach dem Eröffnen des Trades auf Schließen. Hier wähle ich die Hälfte des aktuellen Optionspreises und erstelle eine Limit-Order mit dem Orderzusatz GTC.

Dies bedeutet, dass die Order ausgeführt wird, sobald der Preis auf die Hälfte gefallen ist, egal ob das morgen oder in ein paar Wochen ist. Somit kann ich bei erreichen dieses Preises die Hälfte des Gewinns realisieren und kann mich auf die nächste Idee konzentrieren. Kleine Gewinne summieren sich eben mit der Zeit auf, wie ich in meinen Einkommensbeiträgen beweise.

pexels-photo-40120

Zusammenfassung

Hier noch einmal die wichtigsten Punkte an meiner Strategie:

  • Cash und Margin prüfen
  • eigenen Aktienbestand checken
  • Andere Blogs auf Einkäufe checken
  • Stock-Screener
  • Kennzahlen
  • 1% Prämie in 30 Tagen möglich?
  • Bid-Ask-Spread prüfen
  • Zurückkaufen der Option bei Hälfte des Optionswertes

Vielleicht hört sich das beim ersten Mal an als wäre das alles viel Arbeit, aber das ist es nicht. Wenn du eine gewisse Routine hast, bist du mit einer Aktie in 1-2 Minuten durch. Wenn man das aufrechnen würde, wäre das ein extrem hoher Stundenlohn!

In den oben erwähnten Kommentaren wurde ich gefragt, ob ich nur Covered Calls oder auch Naked Calls verkaufe. Dazu muss ich sagen, dass ich ab und zu schon nakte Calls verkaufe. Das aber nur in Kombination mit einer anderen Vorgehensweise, die ich hier nicht weiter erläutern möchte, da ich glaube, dass die oben angeführte Strategie für Anfänger weniger Risiko bereit hält.

Im Newsletter werde ich diese Trades eventuell auch anführen, aber ich möchte anmerken, dass ein nakter Call unbegrenztes Risiko beinhaltet, da der Kurs theoretisch unendlich ansteigen kann.

Ich hoffe ich konnte Dir meine Strategie verständlich genug erklären. Durch diese Vorgehensweise ist es mir möglich ein stetig steigendes Einkommen an der Börse aufzubauen. Durch das permanente ausreizen meines Cash-Bestandes erhöht sich jeden Monat meine Mindesteinnahme (theoretisch).

Bei weiteren Fragen bin ich gerne bereit in den Kommentaren zu antworten. Du kannst mir auch auf Facebook, Twitter oder über das Kontaktformular eine Nachricht schreiben. Ich werde so schnell als möglich antworten. Wenn dir meine Beiträge gefallen, würde ich mich freuen, wenn du meinen Blog verbreitest. ;)

mfG Chri

21 Kommentare
  1. Flo
    Flo sagte:

    Hallo Chri,

    Sehr toller Artikel, der ein wenig Licht in deine Anlagestrategie bringt :)
    Ebenso toll finde ich die Erwähnung der Rendite durch die Prämie in deinem Newsletter!
    Echt toll wie sich deine Seite entwickelt. Gratulation und Lob an dich!

    Liebe Grüße
    Flo

  2. Stalflare
    Stalflare sagte:

    Ciao Chris,
    I have been playing with the idea of placing GTC order to wrap up the investment when it reaches half of the credit received, right now I am selling P and C with a timeframe longer than the one that you have so it makes sense to close positions when the minimum profit limit is met as it frees up resources. The only difference between me and you is that I am a bit of a coward and at the moment the OTM that I pick is quite far from the actual price, so option proceedings are not very big. If I were to cut them in half then there would not be much point in investing altogether (plus letting the option expire allows you NOT to pay commissions on the sale). I see that most of your trade are around +/- 10% from actual price, correct?
    ciao ciao
    Stal

    • Chri
      Chri sagte:

      Ciao Stal,
      Yes, I tink most of my trades are around 10% fromt the current price, but I dont look if its 10 percent, or 7 percent or something like that.

      Its just: Will it be ok for me to buy the shares at the strike price. thats it :)

      thanks for stopping by!
      I wish you the best!

  3. PowWow
    PowWow sagte:

    Hey CHris,
    schöner Beitrag. Einiges war mir ja schon durch die Beantwortung meiner Fragen bewusst. Auf den Bid Ask Spread habe ich bisher allerdings nicht geachtet. Danke für den Hinweis. Auch den Stock Screener muss ich mir mal genauer anschauen.
    Ich kann es kaum erwarten demnächst selbst mal mit einer kleiner Summe zu starten. Muss nur noch das Depot eröffnen.
    Magst du vielleicht noch die anderen Blogs erwähnen wo du dir mitunter Input holst? Aktuell habe ich nur dailytradealert in meiner Liste.

    Gruß PowWow

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo PowWow,

      Oben in meiner Blogroll findest du ein paar Blogs die ich regelmäßig besuche. sonst lese ich mich eigentlich einfach so durch, von einem Blog zum nächsten, wenn ich einen guten Kommentar in einem Blog sehe, klicke ich auf Link im Namen und komme so wieder zu neuen Blogs. Da kann ich dir unmöglich alle aufschreiben ;)
      dailytradealert ist schonmal eine sehr gute Quelle. Vor allem die “dividend growth stocks of the week/month” sind teilweise echt gold wert :)

      Danke fürs vorbeikommen! :)

      • PowWow
        PowWow sagte:

        Hallo Chris,

        mal eine Frage zum Schließen der Position:
        Handelt es sich dabei dann um einen Kauf, Verkauf oder weder noch? Kannst du dazu vielleicht ähnlich dem Beitrag zum Rollen noch mal eine kurze Anleitung verfassen?
        Gruß

        • Chri
          Chri sagte:

          Hallo PowWow,

          Ich kann eine Anleitung dazu schreiben ja. Weiß aber noch nicht wann ich die Zeit finde. :)
          Beim Schließen der Position handelt es sich um ein Zurückkaufen der Option. “Buy-To-Close”. Das ist das Gegenstück zum Verkaufen der Option “Sell-To-Open”

          mfG Chri

  4. Bernd
    Bernd sagte:

    Hallo Chri,

    vielen Dank für die Offenlegung Deiner Strategie. Ich wurde durch Deinen Blog inspiriert, mich auch mit Stillhaltergeschäften zu beschäftigen. Seit gestern habe ich ein Depot und meinen ersten Put verkauft :-). Ich habe in einem Buch zu Stillhaltergeschäften gelesen, dass man (gerade als Anfäger) nur mit Geld gedeckte Puts verkaufen soll, so dass man, wenn man ausgeübt wird, die Aktien auch bezahlen kann. Allerdings brächte man dann ein gut gefülltes Konto um bei Deiner 1%-Ziel-Rendite auf Deine Monatserträge zu kommen. Du wirst also viele Puts nicht gedeckt haben, oder? Kannst Du nochmal beschreiben, wieviel Deckung Du hast und inwieweit Du die Margin nutzt?

    Danke und Gruß
    Bernd

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Bernd,

      Erstmal meine Gratulation zu diesem Schritt! Es freut mich, dass ich hier jemand helfen oder sogar inspirieren kann.
      Gerade als Anfänger sollte man diesen Tipp aus deinem Buch beherzigen, ja. Im Grunde genommen mache ich auch nichts anderes.

      Meine Puts sind alle gedeckt, jedoch nicht nur durch meinen Cash-Bestand sondern auch durch meine Margin.
      Wenn ich sehe, dass ich noch 10.000 Euro Margin zur Verfügung habe, scheue ich mich nicht davor noch einen Put zu verkaufen. Die Margin sollte bei Ausübung aber auf jeden Fall die Kosten für die Aktien decken. In diesem Beispiel würde ich also einen Put auf Aktien mit einem Wert von 50-70 Euro pro Stück verkaufen.

      Meine hohen Einnahmen kommen daher, dass ich die Optionen zurückkaufe, wenn ich für mich genug Gewinn gemacht habe.
      So muss ich die Puts nicht bis zum Ende der Laufzeit halten und kann einen weiteren Put verkaufen.

      Danke fürs vorbeikommen und kommentieren :)
      mfG Chri

  5. Ex-Studentin
    Ex-Studentin sagte:

    Ich muss gestehen, dass ich noch nicht wirklich bei Optionen durchsteige (wobei ich mir grob was drunter vorstellen kann). Allerdings klingt die Rendite schon verlockend. Deine Zahlen sprechen für sich. Ich drücke dir die Daumen, dass du weiterhin so erfolgreic bleibst.

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Jenny,

      Für Menschen wie dich arbeite ich gerade an einer seperaten Website, die die Grundzüge vom Optionshandel und meiner Strategie in kurzen aber vielen Lektionen erklärt.
      Leider brauche ich noch etwas Zeit, um all die Lektionen zu schreiben.

      Ich danke Dir für deinen netten Kommentar! Dir auch viel Erfolg!

      mfG Chri

  6. Stalflare
    Stalflare sagte:

    Ciao Chris,

    Saw that you sold a put ITM recently, can you elaborate on the strategy there? Not afraid to be exercised before expiry?

    ciao ciao

    Stal

    • Chri
      Chri sagte:

      Ciao Stal,

      You have been paying attention :)
      Its the same strategy. I looked at the optionprice for “BEN”. At the 30 dollar strike price, I do not earn enough money. So I decided to take the next one. Its like I buy the stock. I want to own the stock for dividends in the very long run. So, I am happy with the next strike price at 35 dollars a share. this means the option is “in-the-money”, but if the price goes up, i can get a really nice win through my premium.

      I am not afraid to be exercised before expiry. If this happens, i own the shares. :) this is why I sold a put on BEN.
      And this is why it is so important to only trade stocks I want to buy anyway.

      thanks for stopping by!

      Ciao

    • Chri
      Chri sagte:

      hey Evan, sorry for my late reply,

      Its because i want to close the position when half of the premium is earned :)
      best regards
      Chri

  7. Chri
    Chri sagte:

    Hey Evan,

    The first thing thing is the possibility to roll yeah. but the more important thing: I try to close the positions at half of the option price. if the bid/ask spread is to high, it will take so much longer to close the position.

    an example: you sell a put with a premium of 60 dollars. if the bid-ask-spread is 20 cents a share, you have a unrealized loss of 20 dollars.
    you have to wait until the option premium is under the 60 cents a share that you can make some profit.
    If the bid-ask-spread was zero you could have realized a win of 20 dollars in the same time ;)

    do you get it? :)

    thanks for stopping by :)

  8. Moonlight
    Moonlight sagte:

    Hallo Chri,

    mir gefällt Dein Blog sehr. Offen und inspirierend.
    Ich lese mich gerade in das Thema Optionen schreiben ein und danke Dir für die kurze, klare Darstellung Deiner Strategie dazu.

    Zwei Fragen hätte ich:
    1) Bei Optionen fällt der Zeitwert besonders zum Ende hin ab.
    Wäre es da nicht rentabler kürzer laufende Optionen (ca. 14 Tage?) zu nehmen und nicht bei der Hälfte des Optionswertes auszusteigen?
    2) Setzt Du auch einen Stopp (=Rückkauf), wenn eine Aktie zu starkt fällt zu einem Covered Put (=der CP in den Verlust geht)?

    Danke und viele Grüße.

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Moonlight,

      Freut mich, dass dir mein Blog gefällt! :)

      Zu deinen Fragen:
      Ob das rentabler wäre weiß ich nicht, das müsste man aus Statistiken herauslesen oder eine Fallstudie machen. Was ich auf jeden Fall beachten würde, ist die Prämie im Vergleich zu den Transaktionskosten. Wenn du Optionen mit 14 Tagen Laufzeit wählst bekommst du natürlich weniger Prämie als für 30 Tage. Rein prozentual machen die Transaktionskosten hier mehr aus. Aber es wird beides Vor und Nachteile haben.

      Beim Optionshandel macht es meiner Meinung nach keinen Sinn Stopps zu verwenden. Die Preise der Option schwanken zu stark, du würdest bei kurzen aber großen Preisschwankungen immer einen Verlust realisieren. Es muss ja nicht einmal sein, dass die Aktie bei einem Put fällt. Wenn die Volatilität extrem ansteigt, steigt auch der Optionspreis, und somit wird dein Stopp erreicht. Du machst einen Verlust. Ich würde davon abraten.

      Danke fürs kommentieren :)

      mfG Chri

  9. Thomas
    Thomas sagte:

    Hallo Chri, danke für das detailierte Zusammenfassen dieser Strategie und das tolle Blog! Wieviele Optionen hast Du denn im Schnitt so parallel offen, und achtest Du darauf, dass sich diese z.B. auf mehrere Sektoren verteilen? Viele Grüße, Thomas

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Thomas,

      Schön dass du hier her gefunden hast!
      Ich habe im Schnitt so zwischen 10 und 15 Optionen offen würde ich behaupten. Genau zähle ich aber nicht nach. kommt drauf an, wieviel Margin gerade gebunden wird. Aktuell achte ich nicht besonders auf verschiedene Sektoren, aber das ist ein Punkt den ich eventuell gerne in der Zukunft besser machen möchte.

      mfG Chri

Kommentare sind deaktiviert.