Rolling Options

Hallo Leute,

Der gesamte Aktienmarkt ist in den letzten paar Tagen wieder etwas am steigen. Jeder normale Mensch würde sich darüber freuen. Ich gehöre jetzt im Moment gerade nicht dazu. Mir wäre es lieber wenn der Markt noch bis Anfang März fällt. Ich kann mir schon denken, dass manche Leser glauben, ich habe nicht mehr alle Latten am Zaun. Doch das Gegenteil ist der Fall. Grund für meinen kleinen Frust ist, dass ich ein paar Calls auf diverse Aktien verkauft habe. Das bedeutet, sollte der Markt drehen und in einen Aufwärtstrend übergehen, würde ich Geld verlieren. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, dass es noch ein kleines Stück runter geht.

Was kann ich in so einem Fall tun? 

Bereits gestern ist mir aufgefallen, dass mein gesamtes Aktiendepot wieder im Wert steigt. Also hab ich mir schon einmal überlegt, was zu tun wäre, falls meine Calls weiter in Bedrängnis geraten.
Glücklicherweise gibt es die Möglichkeit seine Optionen zu adjustieren, falls sie sich entgegen der Erwartungen entwickeln. Das Zauberwort heißt Rollen. Unter Rollen einer Option versteht man das Verschieben einer oder mehrerer Variablen. Zum Beispiel ist es möglich den Strike-Preis beim gleichen Laufzeitende zu ändern. Natürlich ist auch das Gegenteil möglich. Ich kann den Strike-Preis so belassen, und die komplette Option eine weitere Woche oder ein Monat nach hinten verschieben.

Der Vorgang ist eigentlich ganz einfach: Die vorhandene Option wird geschlossen. Dadurch ergibt sich häufig ein Verlust. Gleich danach wird eine weitere Option auf die gleiche Aktie verkauft. Im Idealfall kann man durch die neue Option eine größere Prämie einnehmen, um den Verlust zu beseitigen. Bei diesem Vorgang ist allerdings darauf zu achten, ob sich die Grundvoraussetzungen für das Eingehen dieser Option verändert haben.

Zu meinen gefährdeten Optionen:

  • CAT, 20160324, 71, CALL, Option, SMART, USD – 71er Call auf Caterpillar, Laufzeitende 24.3.2016. Prämieeinnahme: 44 Dollar.
  • DIS, 20160324, 100, CALL, Option, SMART, USD – 100er Call auf Walt Disney, Laufzeitende 24.3.2016. Prämieneinnahme: 48 Dollar.
  • IWM, 20160331, 105, CALL, Option, SMART, USD – 105er Call auf iShares Russel 2000 ETF, Laufzeitende 31.3.2016. Prämieneinnahme: 52 Dollar.

Ich habe noch ein paar weitere Calls laufen, aber diese sind im Moment nicht so gefährdet wie diese drei. Gut möglich, dass ich mich diese Woche noch um die restlichen laufenden Optionen kümmern muss.

Was habe ich also getan, um ruhig schlafen zu können?

Naja, erstens möchte  ich den Rat geben, den ich immer an so einer Stelle gebe. Bleib ruhig. Es handelt sich nur um Geld, es ist dadurch weder deine Gesundheit, noch dein Lebensstil in Gefahr. Hoffe ich zumindest. Es sollte sowieso kein Geld in Aktien investiert werden, dass Du dringend zum Leben benötigst.

Zweitens ist alles nicht so schlimm wie es aussieht. Schon beim Verkaufen der Option sollte für mich klar sein, was zu tun ist, wenn es nicht so läuft, wie ich möchte. Wir können zwar von Anfang an sagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Option ausgeübt wird, doch ein Restrisiko bleibt immer. Niemand weiß wie sich der Kurs in Zukunft verhalten wird.

Der 105er Call auf IWM war jener, der am meisten in Bedrängnis geraten ist. Ich hatte eine Prämieneinnahme von 52 Dollar erzielt. Der Preis der Option ist aber auf 130 gestiegen. Da ich den Call zu diesem Preis zurückgekauft habe, realisierte ich einen Verlust von 78 Dollar (52-130=-78). Anschließend habe ich sofort wieder einen Call auf diesen Basiswert verkauft. Dieses Mal aber mit einem Strike von 107 zum gleichen Laufzeitende. Die Prämie die ich dafür bekommen habe, beläuft sich auf 81 Dollar. Ergibt sich ein theoretisches Plus von 3 Dollar (-78+81=+3). Natürlich hab ich dank der Transaktionskosten noch immer einen kleinen Verlust gemacht, aber das oberste Gebot lautet: Verluste minimieren.

Die beiden anderen Calls sahen auch nicht sehr gut aus. Der Optionspreis hat sich auch schon verdoppelt, was bedeutet, dass ich auch hier im Minus war. Ich habe mich aber dafür entschieden, die Option nicht zurückzukaufen, sondern für beide Aktien einen zusätzlichen Put auf der Unterseite zu verkaufen.

  • Bei Caterpillar verkaufte ich einen 58er Put mit einer Prämieneinnahme von 46 Dollar.
  • Bei Walt Disney verkaufte ich einen 85er Put mit einer Prämieneinnahme von ebenfalls um die 47 Dollar.

Somit habe ich für beide Aktien einen “Strangle” geschaffen. Die Optionskombinationen werde ich irgendwann in ein paar weiteren Beiträgen beschreiben. Unter dem Strangle versteht man einen Call auf der Oberseite und einen Put auf der Unterseite des aktuellen Kurses. Der Kurs kann sich nur in eine Richtung bewegen. Das bedeutet: Verliert der Call, gewinnt der Put. Verliert der Put, gewinnt der Call. Hier siehst Du das CAT-Beispiel:

CAT-Strangle

Befindet sich der Aktienkurs am Ende der Laufzeit innerhalb der beiden Grenzen (oben Call – unten Put) darf ich beide Prämien zu 100% behalten.

Um eine Option zu retten, gibt es ein paar sehr gute Möglichkeiten. Ich denke, die Reparaturstrategien sind die wichtigsten Punkte beim Erlernen des Optionshandels. Bin schon sehr gespannt, wie sich die Positionen weiterentwickeln.

Hättest Du andere Möglichkeiten um deine Positionen ins Trockene zu bringen? Hinterlasse mir ein Kommentar.

mfG Chri

15 Kommentare
  1. m_b_
    m_b_ sagte:

    Ich lese gerade von Beginn an die Beiträge (bin sehr begeistert von deinem Blog und noch glaub ich bei allem mitzukommen…) und wahrscheilich wird meine Frage noch beantwortet, aber etwas beschäftigt mich gerade doch (ich hoffe ich drücke mich richtig aus):
    Was wäre wenn der Call ausgelöst werden würde und du die Aktien einfach verkaufen würdest? Du schreibst dass mit einem steigenden Markt “Geld verlierst”. Wären die “Verluste” zu groß da der Verkaufskurs evt. unter dem tatsächlichen Kurs liegt?
    Vlt klärt sich das ja noch beim weiterlesen, trotzdem beschäftig es mich.

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo m_b_,

      Ich musste gerade selbst noch einmal meinen Beitrag lesen um zu wissen, worum es eigentlich geht. ist schon länger her, dass ich das geschrieben habe. :)

      Der Grund warum ich Geld verlieren würde, wenn der Preis der Aktie über meinen Call steigt ist, dass ich die Aktien zum Strike-Preis verkaufen müsste. Ich hatte die Aktien aber gar nicht. Wenn der Preis der Aktie steigt, steigt auch der Kurs der Call-Option. Ich habe zum Beispiel 100 Euro für eine Option bekommen, steigt nun der Preis der Aktie ist die Option mehr Wert.
      Wenn ich sie zurückkaufen möchte, kostet sie also mehr als ich dafür eingenommen habe. Ein schlechter Deal.

      Hoffe ich konnte ein wenig aufklären.

      mfG Chri

      • m_b_
        m_b_ sagte:

        Ja hat geholfen.
        Dank dir dafür.
        Mittlerweile bin ich auch schon weiter beim Blog-Durcharbeiten (irgendwo im Mai, hab also noch was vor mir ;) ). Irgendwann kams mir dann auch, dass es daran lag, dass du die Aktie nicht besitzt. Aber die Info hatte mir beim Lesen gefehlt… bzw. hätte ich mir ja denken können da es kein Covered Call war….
        ja ja bin noch am Anfang, hab auch großen Respekt vorm Optionshandel, aber irgendwie auch von dir angefixed :)

        • Chri
          Chri sagte:

          Respekt ist ja an sich gut um keine Dummheiten zu begehen. Du wirst aber sehen, je mehr du darüber liest, desto mehr schwindet auch das ganze und irgendwann fühlt es sich vertraut an. :)

          Freut mich, dass du so zielstrebig bist! Alles Gute!
          mfG Chri

  2. Heiko
    Heiko sagte:

    Hi,

    ich bin neu auf deiner Seite und finde die Erklärungen von dir super verständlich.
    Beim Rollen von Optionen habe ich mich gefragt, ob man dies immer machen kann?
    Wenn ich das richtig verstanden habe, geht dies nur, solange der Strike noch nicht unter bzw. überschritten wurde.

    Ist das richtig?

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Heiko,

      Nein, rollen kann man IMMER! die Frage ist nur ob du genug Prämie bekommst und ob Rollen Sinn macht. Aber generell kann man immer rollen, egal wo sich der Kurs befindet.

      Danke, freut mich, dass die Texte verständlich sind :)

      mfG Chri

  3. Martin
    Martin sagte:

    Hi Chri,

    du sprichst davon zu rollen, wenn man 100% im Minus ist? Warum? Wenn noch Laufzeit vorhanden ist, kann man doch auch warten, zumal doch auch der Zeitwertverlust für einen arbeitet,oder?
    Und meine 2. Frage: Eigentlich kann ich doch einen Schein “endlos” rollen oder? Angenommen Strike ist bei 100 (Aktie notiert bei 90 und ich will sie nicht eingebucht bekommen), habe ich doch immer mehr Prämie wenn ich den gleichen Strike nehme, aber z.B. immer einen Monat nach hinten rolle? Auch wenn es etliche Monate dauern sollte, bis die Aktie wieder über 100 notiert.

    Ansonsten muss ich nochmal schreiben, dass du echt super Arbeit leistet. Vielleicht wäre ein Tip Jar etwas für die Seite wie bei Fully Informed. //www.fullyinformed.com/tip-jar/

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Martin,

      Wenn noch Laufzeit vorhanden ist könnte sich die Situation natürlich wieder beruhigen… könnte. Es könnte sich aber auch alles zum schlechteren wenden und du müsstest noch mehr Verlust realisieren. Deshalb rollen.

      Ja, du kannst Optionen endlos rollen, realisierst aber bei jeder Positionsschließung einen Verlust. Musst nur darauf achten, dass du immer mehr Prämie bei der nächsten Eröffnung einnimmst. Die Optionsprämien ändern sich zu jeder Sekunde, weil sie eben nicht nur vom Aktienpreis abhängig sind, sondern auch von der Laufzeit und der Vola.

      Danke für dein Lob! Das mit dem Tip Jar habe ich mir auch schon überlegt, Danke nochmal für den Denkanstoß! :)

      mfG Chri

  4. ChristianH
    ChristianH sagte:

    @ Martin

    zu2.) Vorsicht!!!!

    Wenn der Kurs der Aktie unter dem Strikepreis liegt, kannst du JEDERZEIT ausgeübt werden!!!
    (zumindest bei amerikanischen Optionen)
    Bitte daran denken:-)

    Gruß Chris

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Chris,

      Sehr guter Einwand! Daran hab ich beim schreiben des Kommentars gerade vergessen. danke für die Ergänzung!

      mfG Chri

  5. Martin
    Martin sagte:

    Ok, danke für die Antworten.
    Wie oft ist es euch passiert, dass ihr schon ausgeübt worden seid vor Ablauf? Bzw. kommt so etwas überhaupt oft vor?

    • Chri
      Chri sagte:

      Seit ich Optionen handle ist das bis jetzt schätze ich mal 4-5 Mal passiert.

      mfG Chri

  6. Martin
    Martin sagte:

    Ich hätte noch eine Frage. Ich stell sie einfach mal hier, auch wenn sie nicht zu rollen passt. :)
    Verkauft ihr auch manchmal länger laufende Puts bzw. was spricht dagegen? (Ich habe gelesen, dass man optimalerweise so eine Laufzeit von 30 Tagen nehmen sollte, aber trotzdem….)
    Wenn ich mir einige Underlyings anschaue, den Strike rund 20 Prozent unter den aktuellen Kurs setze, und die Laufzeit ca. Oktober/Dezember wähle (also 3-6 Monate), kommen schon noch ganz ordentlich Prämien zusammen….
    Klar, nicht so hoch wie bei kürzeren Laufzeiten und höhere Strikes. Und wahrscheinlich wird mein Profit auch nicht so hoch ausfallen….. durch ein ordentliches Polster (Laufzeit/Strike) dürfte aber auch mehr Ruhe ins Handeln einkehren, oder?

    • Chri
      Chri sagte:

      Ich hab das früher mal ausprobiert, weil ich neugierig war. Das sind so genannten LEAP-Optionen. Ruhiger ist der Handel auf jeden Fall, aber wie du schon selbst sagst: es kommt nicht soviel dabei rum, wie wenn du kürzere Laufzeiten wählst.

      Der Zeitwertverfall macht sich auch erst in den letzten Wochen vor Ablauf der Option richtig bemerkbar, das ist der Grund warum man überall hört man soll 30-60 Tage handeln. Viele sagen, dass 45 Tage optimal sind. Das wird aber natürlich auch von deiner eigenen Vorliebe abhängen.

      mfG Chri

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