Beiträge

“Denn sie wissen nicht was sie tun”

Die Jagd auf Optionsprämien geht weiter. Optionshandel hat etwas sehr positives: Jeder der sich Optionshändler nennt, wird sich zwangsläufig mehr mit den Chancen und Risiken der Börse auseinander setzen als jeder Buy-and-Hold-Investor in Einzelaktien oder ETFs.  In einem meiner letzten Artikel habe ich einen interessanten Kommentar erhalten, den ich euch heute nicht vorenthalten möchte. Ich möchte ein bisschen auf die Aussagen des Erstellers eingehen.

Wichtig ist mir dabei, klar zu stellen, dass ich diesen Kommentar nicht als Angriff oder dergleichen sehe, sondern als ernst gemeinte und durchaus positive Kritik. Ich freue mich, dass die Leute mit denken, und versuchen zu warnen,wenn etwas aus dem Ruder laufen könnte. Es ist wichtig auf die Risiken hin zu weisen, damit Neulinge keinen Totalverlust erleiden. Gleichzeitig möchte ich auch darauf hinweisen, dass dieser Text bitte genauso zu verstehen ist, wie ich diesen Kommentar verstehe. Ich möchte mit keinem Satz jemanden angreifen, nur meine ehrliche Meinung zum Thema veröffentlichen.

Der besagte Kommentar

Vom „Sie wissen nicht was sie tun“ zum „oh, oh, langsam ahnen wir es …“?

Loiiddeeh, der laengste Weg(zum Reichtum) ist immer die Abkuerzung (in unbekanntem Terrain) …

Meb Faber hat es mal sehr schoen auf den Punkt gebracht:
„Option-Trading geht immer mal 3-5 Jahre gut (viele kleine Gewinne) und dann kommt das bisher Noch-Nicht-Dagewesene und alles ist wieder futsch …“

Aber Kopf hoch, Lektion gelernt, schoen langsam ETF-Sparplaene machen -ggfls neues Hobby suchen- und alles ist geritzt!

Obwohl, jetzt erst recht, oder?
Come on, ihr schafft es, ihr seid schlauer: einfach die Vola-Crashs in die neue Strategie implementieren! Das passiert Euch nicht nochmal!

Ich habe auch lange gebraucht: Einzelaktien, NeuerMarkt, ClickOptions, Turbos, CfDs (obwohl, da bin ich noch mit kleinem Geld) …
aber schliesslich doch gelaeutert 🙂 wie durchs Feuer …

Andererseits: Ihr seid ein wichtiger Wirtschaftsfaktor!
Broker, Trading/Anlage-Kurse, Gebuehren, Steuern … Wir brauchen Euch, jetzt nicht aufgeben!

Ich möchte diesen Kommentar auf mehrere Einzelteile zerlegen und jeder Textpassage eine Antwort darauf geben. Beginnen wir mit folgendem:

Vom „Sie wissen nicht was sie tun“ zum „oh, oh, langsam ahnen wir es …“?

Loiiddeeh, der laengste Weg(zum Reichtum) ist immer die Abkuerzung (in unbekanntem Terrain) …

Wie schon in der Einleitung geschrieben, bin ich fest davon überzeugt, dass jeder Optionshändler sich mehr mit den Risiken der Börse beschäftigt als es der Großteil der Privatanleger es tut. Daher würde ich dieses Statement nicht unterschreiben. Wir wissen ganz genau was wir tun, zumindest spreche ich hier vom Investmentansatz mit Optionen. Den vollwertigen Trading-Ansatz betreibe ich nicht, halte ich aber auch nicht für verkehrt, wenn man sich noch mehr mit dem Markt beschäftigt.

Jedes Szenario ist bekannt

Bei Optionen steht von Beginn an fest, was passieren würde, wenn der Aktienkurs steigt, fällt oder annähernd gleich bleibt. Beim Handel mit diesen Finanzinstrumenten wissen wir immer vorher schon, was zu tun ist, wenn sich der Kurs nicht so entwickelt wie wir das erhofft hatten. Wenn hier ein unbegrenztes Risiko auftreten würde, ist der Investor beziehungsweise Trader selbst schuld, und sollte sich dessen bewusst sein. (Beispiel: Meine Calls auf den VXX. Wenn ich einen Verlust gemacht hätte wäre das meine eigene Schuld, und dessen bin ich mir bewusst.)

Ich würde Optionen auch nicht als Abkürzung bezeichnen. Dies ist ein kein System, wo man schnell reich wird und das versuche ich auch immer wieder klar zu stellen. Optionen haben ihren berechtigten Platz in der Finanzwelt und sind meiner Meinung nach auch nicht mehr weg zu denken. Alle großen Institutionen sind auf diese Absicherungen angewiesen.  Ich verkaufe diese Versicherungen und profitiere davon.

Zum Thema unbekannten Terrain habe ich mich schon geäußert. Wenn ich mich auf unbekanntem Terrain bewege, muss ich mich schlau machen und alles mögliche darüber lernen. Ich für meinen Teil fühle mich im Optionshandel sehr sicher. Ich fühle mich mit Optionen sicherer als mit Einzelaktien alleine oder gar mit ETFs. Dazu aber später mehr.

„Option-Trading geht immer mal 3-5 Jahre gut (viele kleine Gewinne) und dann kommt das bisher Noch-Nicht-Dagewesene und alles ist wieder futsch

Ich weiß nicht wo Meb Faber diesen Blödsinn her hat. Es gibt sehr viele Optionshändler, die seit Jahrzehnten weitaus bessere Renditen erwirtschaften, als es jeder Buy-and-Hold-Investor tut. Auch in Krisenjahren hält sich ihre Rendite stabil, oder steigt sogar leicht an. Aber man darf ihm auch keinen Vorwurf machen, denn: Wenn ich meine Strategien und Bücher verkaufen möchte, würde ich an seiner Stelle auch so argumentieren vermutlich.

Stetige Weiterbildung, der Schlüssel zum Erfolg

Was ich allerdings auch aus seinem Satz heraus lese ist folgendes: Es gibt genug Menschen, die etwas ausprobieren, sich nie wirklich damit beschäftigen und sich nicht weiter bilden. Stillstand ist Rückschritt. Jeder der an der Börse sein Geld verdienen möchte ist dazu gezwungen sich stetig zu verbessern. Ich setze voraus, dass man selbstständig immer weiter lernt, und sich somit einen Vorteil an der Börse verschafft. Wie schon gesagt: Wenn wir ständig verlieren, liegt es an uns selbst. Dann haben wir in diesen 3-5 Jahren nicht genug gelernt um langfristig erfolgreich zu sein.

Aber Kopf hoch, Lektion gelernt, schoen langsam ETF-Sparplaene machen -ggfls neues Hobby suchen- und alles ist geritzt!

Obwohl, jetzt erst recht, oder?

Zu ETF-Sparplänen habe ich schon im besagten Artikel kurz kommentiert. Warum um Himmels Willen sollte ein ETF-Anleger besser dran sein als ein Optionshändler, vor allem wenn der Markt zusammen crasht.

Ist damit gemeint, dass der ETF-Investor “langfristig” agiert, und alle Verluste aussitzt, beziehungsweise vielleicht nicht einmal weiß wie hoch sein Buchverlust gerade überhaupt ist? Ich möchte sagen, dass es im Jahr 2018 einige Aktien gibt, deren Kurs sich 10 Jahre später von der Finanzkrise noch immer nicht erholt haben. Soviel dazu. Natürlich können sie das einfach aussitzen, und hoffen dass der Kurs irgendwann wieder steigt.

Optionshändler können rollen, ihren Durchschnittspreis nachhaltig verringern, und mehr Prämie einnehmen als mit dem Schließen der ersten Position Verlust gemacht wurde. Das Risiko verringert sich, da weniger Kapital gebunden ist. Mit dem Rest kann dabei wieder Einkommen erzeugt werden, welches dabei assistiert mein Kapital weiter anwachsen zu lassen. Der Verlust der oben genannten Aktien wäre vermutlich spätestens in 1-2 Jahren wieder drin.

Come on, ihr schafft es, ihr seid schlauer: einfach die Vola-Crashs in die neue Strategie implementieren! Das passiert Euch nicht nochmal!

Erstens versteht man allgemein unter einem Vola-Crash einen Zusammenbruch der Volatilität, so wie es bei jedem Earnings-Termin passiert. Das Gegenteil war der Fall, die Volatilität ist explodiert. Dieses Ereignis lässt die Optionsprämien vervielfachen, sonst hat das aber auch weiter keine Auswirkungen, solange der Kurs der Aktien nicht fällt.

Optionshändler sind nicht schlauer, aber sie sind nicht dumm!

Grundsätzlich freut sich jeder Optionshändler auf große Volatilitäten, da (wie schon gesagt), die Optionspreise unfassbar hoch sind. Legt man die implizite Vola über die historische Vola sieht man schön, dass die implizite so gut wie immer über der historischen, tatsächlichen Vola liegt. Was heißt das? Die Volatilitäten helfen jedem Optionshändler langfristig Gewinn zu machen.

Wenn man diesen Flash-Crash mitgemacht hat, kann man eine Menge davon lernen und für die Zukunft vorsorgen. Jedes Ereignis bringt uns näher an unser Ziel. Es mag sein, dass einige Menschen beim letzten Mal Fehler gemacht haben, die Ihnen einiges an Geld gekostet haben. Diese Fehler werden diesen Optionshändlern aber nicht mehr passieren, denn sie sind nicht dumm! Ich finde es dumm zu behaupten, dass sich Optionsverkäufer für schlauer halten.

Es ist eben wie überall. Ich kann mich einem Thema widmen und darin gut werden, oder ich lasse es. Genauso weiß ich, dass man mit Day-Trading, binären Optionen oder Kryptowährungen weit mehr als nur durchschnittlich gut verdienen kann, jedoch muss man ein Meister seines Faches werden, und sich andauernd weiterbilden. Die Tatsache, dass der Ersteller des Kommentars viele Themen durch hat, beweißt mir nur, dass er in den jeweiligen Gebieten nicht hart genug an sich gearbeitet hat.

Andererseits: Ihr seid ein wichtiger Wirtschaftsfaktor!
Broker, Trading/Anlage-Kurse, Gebuehren, Steuern … Wir brauchen Euch, jetzt nicht aufgeben!

Korrekt! Der Kommentator hat sich bereits selbst die Antwort gegeben. Wir zahlen wichtigen Steuern, weil wir eben laufend Gewinne machen. Ohne Gewinne würden wir auch keine Steuern zahlen, so einfach ist das auch schon.

Ich möchte niemand bekehren Optionen zu verkaufen oder sogar zu kaufen. Gleichzeitig möchte ich aber auch von anderen nicht ständig hören müssen, dass Optionen zu riskant sind, und man damit langfristig kein Geld verdienen kann, denn das ist kompletter Schwachsinn. Alles was ich möchte ist Aufklärungsarbeit leisten für Personen, die sich für diese Finanzinstrumente interessieren, nicht mehr, nicht weniger.

Zum Schluss

Ich frage mich ob der Ersteller des Kommentars überhaupt weiß was Optionen sind, beziehungsweise ob er jemals schon selbst eine Option gehandelt hat. Wenn er dies schon gemacht hat, bezweifle ich dass er diese Finanzinstrumente versteht beziehungsweise beherrscht. Wie in der Einleitung erwähnt soll das kein Angriff auf den Kommentator sein. Ich bin dankbar für diese Kritik, und möchte dies auch nochmal deutlich machen!

Es MUSS auf die Risiken im Optionshandel hingewiesen werden, da bin ich 100 Prozent seiner Meinung. Aber bei all den Risiken darf man auch die Chancen nicht vergessen. Wie immer muss man selbst abwägen, wie viel Risiko man bereit ist einzugehen. Ich für meinen Teil manage liebend gerne mein Risiko auf meinen Aktienbestand, und bin mir ziemlich sicher, dass ich die nächsten 4-5 Jahrzehnte so mehr Geld verdienen werde, als in jedem ETF.

mfG Chri