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Was sind LEAPs und wann sie Sinn ergeben können

Passend zum aktuellen Marktumfeld habe ich mir gedacht, dass ich für alle frischen Options-Strategen erkläre was denn LEAPs nun eigentlich genau sind, und wann diese Sinn ergeben. Da es hier zu einem großen Teil noch immer (auch wenn das einige nicht wahr haben wollen) um Aktien-Optionen geht, stelle ich diese Form der Optionen gerne vor.

Optionen haben uns immer geholfen gute Ergebnisse zu erzielen, sie helfen uns das Risiko aus den Aktien etwas heraus zu nehmen, und versprechen uns gute Renditen. Auch in der Zukunft werden uns diese Finanzinstrumente gute Dienste erweisen. Bis jetzt habe ich großteils von kurz laufenden Optionen geschrieben, da ich sie einfach am meisten benutze. Hin und wieder nutzte ich aber auch LEAPs, um mich weniger um offene Positionen kümmern zu müssen.

 

Was sind LEAPs

Erstmal zur Begriffserklärung. Die Abkürzung LEAP steht für ” Long Term Equity Anticipation Security “. Dabei handelt es sich ganz einfach um sehr lang laufende Optionen. Um das ganze zu vergleichen: Wir nutzen normalerweise Optionen mit ein paar Wochen oder Monaten Restlaufzeit, um unsere Prämie einzusacken. LEAPs werden mit Restlaufzeiten über ein Jahr gehandelt. Ansonsten unterscheiden sich diese Optionen nicht von denen, die wir gewohnt sind. Es gibt genauso Puts und Calls, lediglich die Abstände der Ausübungspreise werden größer. Es gibt dann einfach nicht so eine große Auswahl an Strikes, wie man es gewohnt ist, das ist aber auch nicht nötig.

 

LEAPs werden oft zur Risikoreduktion eingesetzt. Dadurch, dass die Laufzeiten so lange sind, gibt es natürlich auch weit größere Prämien dafür. Wenn ich mich also für einen Preis einer Aktie entschieden habe, könnte ich eine lang laufende Option wählen. Wenn der Preis für eine kurz laufende Option zu gering ist um damit wirklich Einkommen zu erzeugen, schafft ein LEAP Abhilfe.

 

  • Ein 110er Put auf IBM mit 4 Wochen Restlaufzeit würde aktuell um die 70 Dollar bringen. Der Durchschnittspreis bei Ausübung liegt bei 109,3 Dollar pro Stück.
  • Ein 110er Put auf IBM mit über einem Jahr Restlaufzeit würde aktuell um die 900 Dollar bringen. Der Durchschnittspreis bei Ausübung liegt bei 101 Dollar pro Stück.

 

Wenn wir das reine Risiko der Aktie betrachten, bringt uns das jetzt schon einen kleinen Vorteil. Würde eine vorzeitige Ausübung passieren (aus welchem Grund auch immer), bin ich mit dem LEAP besser dran. Eine vorzeitige Ausübung ist beim Options-Verkauf oft ein Geschenk, dieses Thema greife ich aber in einem extra Text auf.

 

Erholung des Basiswertes mit LEAPs

Der Durchschnittspreis ist also geringer, da eine größere Prämie vorhanden ist. Zusätzlich profitiere ich aber genauso, wenn sich der Basiswert erholt. In einem Kursrutsch LEAPs zu verkaufen kann hier großen Sinn ergeben. Ich gebe dem Basiswert genug Zeit sich zu erholen. Wenn er sich dann erholt, kann ich diese Option genauso wieder mit Gewinn schließen, wie jede andere.

 

Der Vorteil hier liegt ganz klar darin sich nicht ständig um die Position kümmern zu müssen. Ich persönlich nutze LEAPs sehr gerne dazu vorhandene Positionen zu rollen, wenn es sich nicht anders profitabel ausgeht. Wenn ich nur einen Monat weiter rolle, und der Markt weiter nach unten korrigiert, muss ich einen Monat später vielleicht wieder rollen. Auch die ständigen Transaktionskosten wirken sich hier negativ aus. Mit dem LEAP habe ich das “Problem” noch einmal zu rollen vielleicht erst wieder in einem Jahr, oder es hat sich bis dahin schon selbst gelöst. Dies ist öfter der Fall als man annehmen mag.

 

Erst letzte Woche habe ich einen In-The-Money LEAP auf Philip Morris (PM) verkauft. Ich habe dafür eine nette Prämie von 1457 Dollar sofort erhalten und somit einen größeren Verlust eines anderen Put-Rückkaufs wieder mehr als herein geholt.  Zusätzlich habe ich, im Vergleich zum anderen Put, meinen Kapitalbedarf bei Ausübung um 4000 Euro reduziert. Kapital schützen steht an der höchsten Stelle.

 

Ein möglicher Nachteil

Wenn man die einzelne Option betrachtet bringt ein LEAP viel mehr herein, natürlich aufgrund des sehr hohen Zeitwertes. In der Summe könnte es aber auch sein, dass man mit vielen kürzer laufenden Options-Positionen mehr an Prämie herein holt. Dies ist aber immer auf die aktuelle Marktlage zu sehen.Die kurzen Optionen sind einfach öfter handelbar, daraus resultiert in gewissen Marktsituationen möglicherweise eine höhere Gesamtprämie, allerdings muss man sich öfter darum kümmern. Auch die Transaktionskosten sind weitaus höher, da man sie bei jedem Kauf und Verkauf bezahlt.

 

Hier muss ganz klar jeder für sich entscheiden was einem lieber ist. Ich würde behaupten, dass beides genug Vor und Nachteile bietet um kurz- UND langlaufende Optionen ins Portfolio aufzunehmen.

 

LEAPs kaufen als zusätzliche Absicherung?

Lang laufende Put Optionen kann man natürlich auch als Absicherung kaufen. Angenommen wir haben eine Aktie beim Wert von 50 gekauft, und kaufen uns eine Absicherung bei 40. Der Put wird erstmal einiges an Geld kosten, dafür ist der Verlust begrenzt auf die Differenz zwischen dem Einkaufspreis und dem Strike-Preis + die ausgegebene Prämie.

 

Ich verzichte eigentlich großteils auf diese Absicherungen, da ich nur Aktien handle, welche ich langfristig auch halten würde. Das heißt aber nicht, dass es für andere nicht Sinn ergeben kann Absicherungen in Form von LEAPs zu kaufen.

 

LEAPs kaufen als Ersatz zum Aktienkauf?

Auch andersrum geht es natürlich. Man könnte sich dafür entscheiden lang laufende Call-Optionen zu kaufen. Der Vorteil wäre, dass dies weit günstiger ist als die Aktien tatsächlich zu kaufen. Voraussetzung dafür ist aber dass man rein an den Kursgewinnen interessiert ist. Nachteilig wirkt sich das ganze natürlich aus, wenn die Aktien nicht im Zeitraum des Calls soweit steigen, dass die aufgewendete Prämie wieder drin ist.

 

Das Profit-Potential durch die Kursgewinne ist nahezu identisch mit dem Investment in Aktien. Durch diese Calls mit einer sehr langen Restlaufzeit ist man allerdings nicht Dividenden-berechtigt. Auch muss man sich bewusst sein, dass es zumindest in Österreich steuerlich zu einem Nachteil kommen könnte. Optionsprämien werden mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz besteuert. Kursgewinne von tatsächlichen Aktien-Investments und Dividenden sind steuerlich gesehen günstiger.

 

Dies heißt aber nicht, dass es sich langfristig nicht doch auszahlen würde, das habe ich mir aber noch nicht durchgerechnet. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital ist weit höher mit den LEAPs, wenn man auf das richtige Pferd gesetzt hat.

 

Zusammenfassung

Das war ein kurzer Einblick was man mit LEAPs alles anstellen könnte. LEAPs werden also zur Risikoreduktion eingesetzt, da sie die Kursentwicklung des Basiswertes ziemlich genau so abbilden. Volatilität habe ich in den oben genannten Beispielen ausgeschlossen. Dies wird aber ohnehin nur beim Zeitpunkt des Verkaufs interessant, zumindest mit meiner Vorgehensweise. Der Preis der Option ist mir während der Laufzeit weitgehend egal. Ich kaufe keine LEAPs, und wenn, dann würde ich sie ausüben und somit wieder rein an den Aktienkursen gewinnen und verlieren.

 

Auch mit LEAPs lässt sich jede erdenkliche Optionsstrategie abbilden, man muss eben nur mehr Zeit mitbringen. :) Für meine Strategie ist der Verkauf von lang laufenden Put-Optionen sehr interessant, da sich somit jede Aktie mit Gewinn rollen lässt. Ich muss nur ein bisschen Zeit mitbringen und warten. :)

 

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mfG Chri