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  • #2105

    Josef
    Teilnehmer

    Hi,
    mich hat es die Tage etwas erwischt, weswegen ich meine Strategie anpassen muss.
    Aus meinen Überlegungen und den positiven Erfahrungen mit Long Absicherungen die Tage entstand die Idee, nur noch Spreads zu handeln.

    Wenn ich nun aber einen Short Put mit einem Long Put gleicher LAufzeit absichere, wie kann ich dann die verfallene Long Position steuerlich behandeln?

    Es wäre ja ziemlich dämlich, wenn ich jedesmal vor Verfall alle Long Positionen verkaufen müsste, um sie als Verlust gegenzurechnen. Das würde ja auch gar nicht funktionieren, weil kein Käufer mehr da wäre.

    Hat da jemand schon Erfahrung damit?

    gruß
    Josef

    #2106

    Elmar
    Teilnehmer

    Hallo Josef,

    mit dieser Frage schneidest Du eine spannende Thematik an, die vor gut einem Jahr noch ein Problem darstellte, aber mittlerweile aus steuerlicher Sicht (für Deutschland) eigentlich völlig unproblematisch ist.

    Machen wir deinen Fall an einem Beispiel fest. Aktie X steht heute bei 100. Du gehst davon aus, dass der Kurs steigen bzw. nur leicht fallen wird. Du verkaufst also einen Put aus dem Geld bei 95, sagen wir für 2 €. Zur Absicherung kaufst du einen Put bei 90 für 1 €. Bei einem üblichen Multiplikator von 100 nimmst du also 200 € ein und zahlst 100 € für die Absicherung. Dein maximaler Gewinn liegt bei 100 €, dein Verlust ist begrenzt auf maximal -400 €. Dein Break-Even liegt bei 94. Das heißt, solange der Kurs nicht unter 94 fällt, machst Du am Verfallstag keinen Verlust. Entspricht das deiner Strategie? Wenn nicht, bitte korrigieren. Wir gehen nachfolgend davon aus, dass alles läuft wie gewünscht und beide Optionen verfallen am Ende wertlos.

    Was passiert hier aus steuerlicher Sicht? Erst einmal grundsätzlich: Dass Du mehrere Optionen zu einem Gesamtkonstrukt kombinierst, interessiert den Gesetzgeber herzlich wenig. Da sich jede noch so komplizierte Strategie in seine Einzelteile zerlegen lässt, ist jeder Bestandteil isoliert zu betrachten.

    Als Basislektüre ist immer zuallererst das aktuelle BMF-Schreiben “Einzelfragen zur Abgeltungsteuer” zu empfehlen. Das Schreiben ist vom 18.01.2016. Um dem Steuerpflichtigen das Leben aber nicht allzu einfach zu machen, muss man auch immer die aktuellsten Änderungen des Schreibens im Blick haben. So wird das Schreiben nicht etwa in aktualisierter Fassung neu herausgegeben, sondern lediglich durch weitere Schreiben ergänzt. Die für dich relevante Ergänzung erfolgte am 16.06.2016.

    Bislang war im BMF-Schreiben unter Rz. 32 bezüglich deiner gekauften Put-Option folgendes zu lesen:

    „Lässt der Inhaber der Verkaufsoption diese am Ende der Laufzeit verfallen, sind deren Anschaffungs- und Anschaffungsnebenkosten einkommensteuerrechtlich ohne Bedeutung.“

    Heißt im Klartext: Der Verlust dieser Option, in Höhe der von dir gezahlten Prämie von 100 € (ganz korrekt: zzgl. Broker-Gebühren), war steuerlich „ohne Bedeutung“ und damit nicht steuermindernd zu berücksichtigen. Wie Du also schon richtig erkannt hast, ließ sich dieses Problem bislang nur dadurch umgehen, dass man die Option vor Endfälligkeit wieder verkaufte. Dann konnte der Verlust angesetzt werden (BMF, Rz. 31). Ein widersinniges Ergebnis, dass sich auch einige Steuerpflichtige nicht gefallen lassen wollten, die deshalb hiergegen klagten. Und siehe da, der BFH bestätigt, was unser Bauchgefühl uns von Anfang schon gesagt hat: Natürlich ist der Verlust auch dann ansetzbar, wenn man die Option wertlos verfallen lässt. Siehe BFH-Urteile vom 12.01.2016, IX R 48/14 sowie IX R 49/14 und IX R 50/14.

    Nun sind Gerichtsentscheidungen immer erst einmal Einzelfallentscheidungen. Hieraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass zukünftig alle Fälle nach dieser neuen Richtschnur zu behandeln sind. Erst wenn ein Urteil im Bundessteuerblatt veröffentlicht wird, macht die Finanzverwaltung damit deutlich, dass Sie die vom Gericht festgestellten Grundsätze allgemein anwenden möchte. Glücklicherweise ist dies vorliegend geschehen, so dass auch das BMF-Schreiben zur Abgeltungsteuer neu gefasst wurde. Rz. 32 lautet seitdem:

    „Lässt der Inhaber der Verkaufsoption diese am Ende der Laufzeit verfallen, sind die für den Erwerb der Option entstandenen Aufwendungen bei der Ermittlung des Gewinns (oder Verlusts) i. S. von § 20 Absatz 4 Satz 5 EStG zu berücksichtigen (BFH-Urteile vom 12. Januar 2016, IX R 48/14, IX R 49/14, IX R 50/14, BStBl II 2016, 456).“

    Du siehst also, seit kurzem ist die gesamte Thematik wesentlich entschärft. Du kannst deine Spreads weiter handeln wie bisher und auch den Verlust aus der gekauften Absicherung steuerlich geltend machen – egal ob Du sie vorzeitig glatt stellst oder verfallen lässt.

    Viele Grüße
    Elmar

    #2110

    ChristianH
    Teilnehmer

    Top Einstand Elmar👍👍👍

    Short Put:

    Ich bekommen 100$ Prämie.
    Kaufe sie für 60$ zurück.
    Zu versteuern also 40$.

    Die werden auch in dem Topf Optionen
    so miteinander verrechnet, oder?

    Also “Gewinn” (100 Prämie) minus Verlust (60)
    = 40$ zu versteuern

    Bin ich da richtig?

    #2111

    Josef
    Teilnehmer

    Hi Elmar.
    Herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort!
    Das beantwortet meine Frage detailliert und ich hab noch etwas gelernt dabei.

    Eventuell werde ich mir dieses 120 Seiten lange Dokument sogar mal durchlesen. Da steckt sicherlich das ein oder andere Interessante Detail drin.

    Gruß
    Josef

    #2115

    Elmar
    Teilnehmer

    Hallo zusammen,

    sehr gerne. Vielleicht versuche ich beim nächsten Mal, mich etwas kürzer zu fassen ;-) Aber bei komplexen Themen darf man denke ich auch gerne mal ausholen.

    @christian

    Also „Gewinn“ (100 Prämie) minus Verlust (60)
    = 40$ zu versteuern

    Im Prinzip vollkommen richtig, ich würde nur mit den Begrifflichkeiten etwas aufpassen. Die 100 sind deine Einnahmen, die 60 deine Ausgaben. Verbleibt ein Gewinn von 40. (Nicht auf die Idee kommen, in der Steuererklärung Gewinne von 100 und Verluste von 60 anzugeben. Aber das meintest Du glaube ich auch nicht.)
    Um das Bild vollständig zu machen, darfst Du dann aber noch die so schön genannten “Anschaffungsnebenkosten” zum Abzug bringen, sprich die Broker-Gebühren. Nehmen wir an, jede Option kostet dich 2€ dann betragen deine Einnahmen nur 98€ und die Ausgaben 62€, du versteuerst also nur 36€.

    Alles vollkommen unproblematisch, da der Broker das in seinen Abrechnungen auch direkt so abrechnet; also inklusive Abzug der Gebühren. Nur darauf achten (zumindest bei IB, Banx, Captrader, etc.), dass als Basiswährung EUR ausgewählt ist. Ansonsten wird die korrekte Währungsumrechnung bei Geschäften in USD definitiv kein Spaß.

    Wenn wir das noch weiter diskutieren wollen, sollten wir allerdings einen neuen Thread aufmachen, um hier das eigentliche Thema nicht zu verlieren ;-)

    Grüße, Elmar

    #2123

    ChristianH
    Teilnehmer

    Danke Elmar👍

    Ja, die Begrifflichkeiten🙄
    Man sollte vorm Absenden vielleicht noch mal drüber lesen was man da für Ergüsse von sich gegeben hat😂😩

    Hast ja gewusst was ich gemeint habe😉👍

    #4391

    Kim Effel
    Teilnehmer

    Wichtige Änderungen bei Einkünften aus Kapitalvermögen ab 2020:

    Verluste aus Optionsverfall steuerlich nicht mehr zu berücksichtigen – interessant ab Punkt 7:
    //www.haufe.de/steuern/gesetzgebung-politik/jahressteuergesetz-2019/jstg-2019-einkommensteuergesetz_168_490832.html

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