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  • #2152

    Rueganer
    Teilnehmer

    Nur eine ganz kurze Frage. Zahlt man auf die optionsprämie aus US-Aktien auch QuellenSteuer ? Finde immer nur was bei Dividenden und Zinserträgen.

    Grüße von der Insel

    #2153

    Chri
    Keymaster

    Nein, die Prämie wird ja eigentlich vom Optionskäufer bezahlt. Das hat meines Wissens nichts damit zu tun ob du die Prämie bei US-Aktien oder europäischen Aktien bekommst.

    Für eine qualifiziertere Antwort warten wir aber lieber auf das Statement von unseren Steuerprofis.

    mfG Chri

    #2158

    Elmar
    Teilnehmer

    Hallo,

    aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass auf Optionsprämien (aktuell) keine Quellensteuer zu zahlen ist.

    Ich muss zugeben, dass ich mir diese Frage noch nie ernsthaft gestellt habe, obwohl sie eigentlich vollkommen naheliegend ist. Damit wir alle was dazulernen, versuche ich mal kurz zu erläutern, wie das Ganze funktioniert und warum Optionsprämien anders behandelt werden. Wir kommen da allerdings in einen ziemlich komplizierten Bereich des internationalen Steuerrechts, für den man ohne weiteres einen Spezialisten beschäftigen könnte (der ich nicht bin). Aber wir versuchen es mal ;)

    Das Grundsatzproblem liegt darin, dass zwei Gebietshoheiten (Deutschland, USA) Anspruch auf die Besteuerung deiner Einkünfte erheben. Du bist in Deutschland ansässig, zahlst also ganz normal deine Steuern hier. Die Quelle deiner Einkünfte liegt aber in den USA. Und da sagen sich die Amerikaner, dass sie vom Kuchen auch gerne etwas abbekommen möchten. Als Steuerpflichtiger hast Du also das Problem, dass sowohl die USA als auch Deutschland deine Einkünfte besteuern möchten. Also: Doppelbesteuerung.

    Um dieses Problem zu lösen, werden sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen. Hat vermutlich jeder zumindest schon mal von gehört. In diesen Abkommen wird für diverse Einkünfte geregelt, welches Land das Besteuerungsrecht hat. Ich sage bewusst “diverse” und nicht “alle”. Für Dividenden steht dort in Artikel 10 bspw. dass eine Dividende, die an eine Person in Deutschland ausgeschüttet wird, grundsätzlich auch in Deutschland besteuert wird. Gleichzeitig wird den USA jedoch das Recht eingeräumt 15% der Dividende bereits in den USA zu besteuern. Artikel 23 des DBA bestimmt dann, dass diese, in den USA bereits gezahlte Steuer, auf die Steuer in Deutschland angerechnet wird.

    So. Jetzt haben die USA das Recht 15% Steuer einzubehalten. Wie machen sie das? Über eine Quellensteuer. Spätestens hier steige auch ich als Fachmann für deutsches Steuerrecht aus. Da müssten wir uns nämlich jetzt in us-amerikanisches Steuerrecht einarbeiten. Im Grundsatz hat man aber vielleicht schon mitbekommen: Auf Dividenden behalten die USA eigentlich eine Quellensteuer nicht von 15%, sondern von 30% ein. Über das entsprechende W-8BEN Formular (kennt hoffentlich auch jeder) macht man jetzt im Prinzip nichts anderes, als zu sagen: Hey, ich bin deutscher Staatsangehöriger und möchte mich auf das DBA berufen, also bitte nur 15% Quellensteuer einbehalten.

    Zurück zur Ausgangsfrage: Warum ist das bei Optionen anders? Ganz einfach: Optionen sind so etwas “exotisches”, dass es hierfür keine speziellen Regelungen im DBA gibt. Diese fallen damit unter einen “Auffangtatbestand” in Artikel 13 des DBA, der besagt, dass alles, was nicht explizit geregelt ist, nur im Staat besteuert werden darf, in dem der Steuerpflichtige ansässig ist. Heißt also: Nach den Regelungen des DBA dürfen die USA auf Optionen keine Steuer erheben.

    Nun aber Vorsicht: Nur weil das so im DBA steht, heißt das noch nicht, dass die USA nicht trotzdem eine Quellensteuer hierauf erheben könnten. Manchmal stellen die einzelnen Staaten die internationalen Kollegen auch einfach vor vollendete Tatsachen und dann darf der einzelne Steuerpflichtige zusehen, wo er bleibt. Das ist aber aktuell offensichtlich nicht der Fall.

    Wir merken uns also folgendes: Optionen sind etwas ganz tolles, aber die große Weltöffentlichkeit hat es (zum Glück) noch nicht gemerkt. Wenn die USA irgendwann mal merken, dass hier ganz gutes Geld verdient wird, kann ich mir gut vorstellen, dass auch hier irgendwann eine Quellensteuer eingeführt wird. Bei Optionsscheinen und Zertifikaten scheint das nach einer oberflächlichen Internetrecherche ja sogar schon der Fall zu sein.

    Zu guter letzt der Hinweis: Alle Darstellungen gelten nur Stand heute für das Verhältnis Deutschland – USA. Sobald andere Länder beteiligt sind, kann das Ergebnis ein vollkommen anderes sein.

    #2159

    DaK0si
    Teilnehmer

    Dem, wie Elmar es beschreibt ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen – außer vielleicht der Grund, warum USA keine Quellensteuer einbehält bzw. einbehalten darf:

    Eine Quellensteuer bezeichnet eine Steuer, die direkt an der Quelle der Auszahlung besteuert wird. Jemand zahlt dir etwas und muss dafür gleich eine bestimmte Art von Steuer zahlen. Die besten Beispiele für Quellensteuern sind in Österreich die Lohnsteuer (also das, was von eurem Bruttolohn an das Finanzamt geht) und natürlich die KESt. Ich glaube, in Deutschland gibt es zusätzlich die Bauabzugssteuer, aber da ist wieder Elmar der Fachmann ;-).

    Jetzt stellt sich aber natürlich die Frage, wer denn bei Optionserträgen die auszahlende Stelle wäre? Nach meinem Verständnis müsste das derjenige sein, der die Option kauft, also der Vertragspartner. Dieser Vertragspartner ist aber zumeist anonym (definitiv aber an der Börse). Er könnte natürlich Amerikaner sein, aber genauso gut Österreicher, Deutscher, Japaner, Brasilianer, etc. Deshalb hätte die USA gar kein Besteuerungsrecht und es würde das DBA jenes Staates zur Anwendung kommen, in dessen Land der Prämienzahler sitzt. Einzuheben wäre dies dann natürlich über den Broker (der das Ansässigkeitsland seines Kunden kennt) und dann abzuführen in dein jeweiligen Staat. Da man aber ausländische Unternehmen ohne Bezug in ein Land nicht dazu verpflichten kann die (Quellen-)steuer für ein anderes Land einzuheben und abzuführen (man stelle sich den Verwaltungsaufwand vor!), können Optionsprämien keine Quellensteuern sein.

    #2160

    Elmar
    Teilnehmer

    Hallo Lukas,
    danke für die Ergänzungen. :) Ich stimme deinen Überlegungen zwar grundsätzlich zu. In der Praxis ist es ja aber so, dass zwischen Käufer und Verkäufer einer Option immer eine Clearing Stelle (nicht der Broker!) geschaltet ist. Dein Vertragspartner im konkreten Fall ist also gar nicht mehr Person XY in Land YX, sondern die Clearing Stelle. Die Kette sieht wie folgt aus:

    Verkäufer A – Broker – Clearing Stelle – Broker – Käufer B

    Dafür bin ich jetzt absolut kein Experte mehr (das läuft ja alles im Hintergrund, ohne dass man etwas davon mitbekommt), aber wenn du bspw. amerikanische Optionen an der AMEX handelst, dann müsste eigentlich die American Stock Exchange Clearing Corporation (ASECC) dazwischengeschaltet sein?! Diese ist (genau wie die Börse) in den USA ansässig und wickelt nach meinem Verständnis die Zahlungen zwischen Optionskäufern und -verkäufern ab. Und diese Clearing Stelle könnte meines Erachtens als “auszahlende Stelle” durchaus zum Einbehalt von Quellensteuer verpflichtet werden.

    Alles sehr theoretisch. Erfahrungsgemäß sind Nationen in der Erschließung neuer Steuerquellen aber sehr erfinderisch, so dass ich nicht per se davon ausgehen würde, dass ein Quellensteuerabzug bei Optionsgeschäften nicht denkbar ist. Freuen wir uns lieber daran, dass wir das Problem aktuell noch nicht haben :)

    #3139

    Bautschi
    Teilnehmer

    “Über das entsprechende W-8BEN Formular (kennt hoffentlich auch jeder) macht man jetzt im Prinzip nichts anderes, als zu sagen: Hey, ich bin deutscher Staatsangehöriger und möchte mich auf das DBA berufen, also bitte nur 15% Quellensteuer einbehalten.”

    Hallo,

    ich bin mir aktuell gar nicht so sicher, ob mir 30 oder 15 % abgezogen werden. Gilt das o.a. Formular auch für Österreicher.
    Da ich noch nicht lange Dividenden bekomme, habe ich das Thema leider vernachlässigt.
    Dann wäre es wohl sinnvoll dieses Formular auszufüllen.

    Ich bin Österreicher und handle Optionen bei Banx und bekomme somit auch Dividenden.

    Andere Frage noch:
    Bei Optionen ist mir der Umrechnungskurs klar, der wird beim Kontoauszug (IB, Banx) angezeigt.
    Aber wie macht ihr das bei Dividendenzahlungen.

    Danke für eure Hilfe.

    VG Manuel

    #3152

    Chri
    Keymaster

    Hallo Manuel,

    Das W-8BEN Formular müsstest du eigentlich bei der Depoteröffnung ausgefüllt haben, wenn mich nicht alles täuscht.
    Das musst du dann regelmäßig wieder unterschreiben, glaube einmal pro Jahr oder so.

    mfG Chri

    #3158

    Bautschi
    Teilnehmer

    Hallo Chri,

    danke für die Antwort.
    Ich habe jetzt auch mal die Abzüge gegenkontrolliert und gesehen, dass 15 % abgezogen werden.

    Welchen Umrechnungskurs nimmst du bei Dividenden?

    Danke

    VG Manuel

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