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  • #2675

    SoBa
    Teilnehmer

    Hallo,

    das Jahr geht langsam zu Ende und es naht die erste Steuererklärung mit Optionen. Aus diesem Grunde bin ich am Überlegen inwieweit Steueroptimierungen vor dem Jahresende notwendig und ggf. sinnvoll sind.

    Haupthintergrund dieses Beitrags ist, ist die Info, dass Gewinne/Verluste aus Options- und Aktienhandel nicht miteinander verrechnet werden dürfen!? (Randbedingung: deutsches Steuerrecht)

    Doch wie sieht die Bilanz eines typischen Short-Put-Traders aus? Ich würde mich anhand eines fiktiven (und vereinfachten) Beispiels abarbeiten. Ergebnis nach einem Jahr Optionshandel:

    Optionshandel: +€10.000
    Aktienhandel: -€5.000
    =====================
    Summe: +€5.000

    Auf den ersten Blick war mein Beispiel-Trader „unterm Strich“ erfolgreich. Um den Fragen „Warum hat der Bespieltrader Aktienverluste?“ vorzubeugen, hier eine kurze Erklärung:

    Wenn man Short-Puts handelt, gewinnt man bei steigenden, gleichbleibenden und leichtfallenden Kursen. Man verkauft teure Puts und kauft Sie später billiger zurück (=Optionshandel Gewinn). Bricht der Kurs stark ein hat man zwei Möglichkeiten: Entweder kauft man die Option teuer zurück (Optionshandel Verlust) oder man lässt sich Ausführen (Optionshandel Gewinn + Aktienhandel Verlust). Klar man kann noch Rollen, allerdings verschiebt sich damit die Entscheidung nur in die Zukunft. Die drei Möglichkeiten bleiben dieselben, deswegen soll es nicht näher betrachtet werden. Auch Covered Call, etc. sollen nicht betrachtet werden.

    Die genannten Aktienverluste kommen also vor und werden irgendwann auch ggf. realisiert (Buchverlust >> Realverlust). Wie sieht nun das Ergebnis unseres Beispieltraders aus, wenn die Steuer „zuschlägt“. (Vereinfachung: Kein Freibetrag, Steuersatz 25%)

    Optionshandel: +€10.000 – €2.500 (<= 25% Steuer)
    Aktienhandel: -€5.000
    =====================
    Summe: +€2.500

    Nanu, der verbleibende Gewinn hat sich halbiert. Das ist die harte Steuerrealität. Meine Steueroptimierungsidee ist die Transformierung von Optionsgewinnen zu Aktiengewinnen + Optionsverlusten. Das steuerliche Zielergebnis wäre somit:

    Optionshandel: (+€10.000 – €5.000 (<= Steueroptimierung) ) – €1.250 (<= 25% Steuer)
    Aktienhandel: -€5.000 + €5000 (<= Steueroptimierung)
    =====================
    Summe: +€3.750

    Damit wäre das Optimum der Optimierung erreicht. Ein schönes Ziel, doch wie gelingt uns diese Transformation.

    Meine Idee lautet wie folgt: Man kauft einen „Call“ am Verfallstag einer liquiden Aktie, der weit im Geld ist, und lässt den „Call“ ausführen und verkauft anschließend die angedienten Aktien mit Gewinn. Durch den gekauften „Call“ entsteht ein Optionshandelsverlust und durch den Verkauf der Aktien ein Aktienhandelsgewinn. Nehmen wir uns ein Beispiel zu Hand. (Vereinfachung: Währung bleibt unberücksichtigt)

    Liquide Aktie: Apple -> AAPL
    Aktueller Kurs: 157,41 -> gerundet 157,50
    Call-Strike: 152,50
    Bid/Ask-Kurs: 4,70/5,15 -> gerundet 5,00
    Verfall/Ausführung: heute

    Man kauft nun einen 152,5-Call für 5,00 (x100=500,00), obwohl die Aktie bei 157,50 steht. Lässt die Option ausführen und erhält 100 Apple-Aktien für den Strikepreis von 152,50. Anschließend verkauft man die Aktien für 157,50 und realisiert einen Gewinn von 100x(157,50-152,00) = 500,00. Das Ergebnis wäre also -500,00 Optionshandelsverluste und +500,00 Aktienhandelgewinne. (Vereinfachung: Handelskosten bleiben unberücksichtigt).

    Genau dies war unser Ziel. Wenn unser Beispiel-Trader diesen Trade statt mit einer Option gleich mit 10 Optionen durchführt, dann hat er seine gesamten Aktienverluste in Optionsverluste umgewandelt und ist steueroptimiert ;-)

    Was haltet ihr von meiner Idee?

    PS:
    Zu den Vereinfachungen/Randbedingung:
    Deutsches Steuerrecht: Ich kann leider nur für Deutschland sprechen und auch da ist mein Wissen dürftig. Also korrigiert bzw. ergänzt mich gern.

    Freibetrag: Ein Freibetrag würde die Steueroptimierungsnotwendigkeit nur verringern, aber das Prinzip bleibt gleich.

    Steuersatz: Ein sehr, sehr niedriger Steuersatz würde die Notwendigkeit obsolet machen.

    Währung: Sollte bei der konkreten Durchführung berücksichtigt werden. Ist aber für die Mechanismen zweitrangig.

    (Call-Optionspreis + Strike) < Aktienkurs: Bei sehr liquiden Aktien sollte der Unterschied sehr klein sein. Auch sollte man Optionen nehmen die an diesem Tag auslaufen, damit der Zeitwert möglichst gering ist.

    Handelskosten: Sollten gering sein. Schmälern aber den Effekt, je nach Verhältnis zur Steuerersparnis.

    Gruß SoBa

    #2676

    Elmar
    Teilnehmer

    Lieber @soba,

    erst einmal bin ich beeindruckt vom Einfallsreichtum und überhaupt von der Bemühung diese wahrlich nicht unwahrscheinliche Ausgangssituation zu optimieren! Wer sich bereits soweit in die Gedankenwelt der Optionen eingedacht hat, bringt es bestimmt mal weit!

    Beim Steuerrecht hapert es allerdings noch ;-) Ich würde aus deinem Beitrag gerne eine interaktive Lernstunde machen.

    Ich sage: Nein, das funktioniert nicht. So leid es mir tut und so gut ich die Grundidee auch finde.

    Lest meinen Beitrag zur Besteuerung von Optionen und versucht rauszubekommem, warum die Strategie nicht aufgeht. Spätestens Montag löse ich auf :-)

    #2677

    SoBa
    Teilnehmer

    Hallo @elmar,

    leider habe ich erst nachdem ich meinen Beitrag gepostet hatte, gesehen dass du dein angekündigtes Steuerwissen mittlerweile über uns “ergossen” hast. Danke dafür schon mal.

    Als ich es gelesen hatte, war es mir auch sofort klar. Geht nicht, wegen diesem “Einheitstheorie” bei gekauften Optionen. Sehr schade. Aber ich gebe nicht auf und denke weiter nach ;-)

    Oder hat sonst noch jemand eine Idee?

    Gruß SoBa

    #2683

    Elmar
    Teilnehmer

    Hallo @soba,

    schön zu sehen, dass man mein Fachchinesisch scheinbar auch versteht ;)

    Du hast ganz richtig gesehen: Einheitstheorie heißt Optionsgeschäft und Aktie werden als Einheit betrachtet. Die aufgewendeten Optionsprämien gehören also zu deinen Anschaffungskosten.

    Damit erwirbst Du in deinem Beispiel die Aktie für 152,5 (Strike) + 5 (Optionsprämie) = 157,5, was exakt dem aktuellen Kurs entspricht. Wenn Du die Aktie wieder verkaufst, musst Du von diesen Anschaffungskosten ausgehen, was bei einem anschließenden Verkaufspreis von 157,5 zu einem Nullsummenspiel wird.

    Ich weiß, dir ist das klar, aber so versteht es vielleicht auch noch ein Dritter, der diesen Beitrag liest ;)

    Grüße, Elmar

    #2688

    SoBa
    Teilnehmer

    Danke, das du meine Antwort nochmal lesenswerter dargelegt hast.

    Hast du ggf. noch eine andere Idee, wie man das Problem lösen kann?

    #2699

    Elmar
    Teilnehmer

    Hallo @soba,

    nein, mir ist bislang leider auch noch keine andere Idee gekommen. Vielleicht haben wir Glück und jemand anders hat eine zündende Idee. Bis hier muss man aber leider festhalten: Der deutsche Gesetzgeber ist nicht ganz dumm.. so einfach lässt er sich die Butter nicht vom Brot nehmen ;)

    #2807

    SoBa
    Teilnehmer

    Hallo,
    wie schon angekündigt, überlege ich wie ich meine Steuer noch optimieren kann. Gleichzeitig haben sich ein paar Verluste angehäuft, die ich entweder realisieren oder in Zukunft verschieben kann. Folgende Grundannahme gilt weiterhin: steuerlich ist das Optionskonto stark im “Plus” und Aktien im “minus”. Leider kann man dies nicht “verrechnen” von daher versuche ich es auszugleichen.

    Folgende Situation:
    Ich habe Put-Optionen von XYZ verkauft (SP). In Summe 300 Stück a $42,66. Da der Kurs gefallen ist, habe ich mehrfach “in der Zeit” gerollt. Allerdings wurde ich irgendwann vorzeitig ausgeübt. Anschließend habe ich versucht zu reinem reduzierten Preis ($35) Calls zu verkaufen (CC). Dabei ist der Kurs schnell gestiegen. (Der besagte Griff ins Klo!). Aktueller Kurs ca. $45.

    Zusammenfassung:
    Aktien: 300x XYZ a $42,66
    Optionen: 300x Call $35
    Aktueller Kurs: $45
    Einnahmen durch Optionsverkäufe: $560
    Jetzt gibt es generell zwei Möglichkeiten (oder?) unter der ganzen Sache einen Schlussstrich zu ziehen.

    Lösung 1: “Call ausüben lassen”
    Man lässt sich einfach ausüben und der Call bucht die Aktien aus.
    Optionsergebnis: +$560
    Aktienergebnis: -300 x ($42,66 – $35) = – $2298
    Gesamt: – $1738

    Lösung 2: “Zurück kaufen des Calls und Aktien liquidieren”
    Man kauft den Call “teuer” zurück und verkauft die Aktien separat mit Gewinn.
    Optionsergebnis: $560 – 300 x ($45 -$35) = – $2440
    Aktienergebnis: 300 x ($45 – $42,66) = + $702
    Gesamt: – $1738

    Das Gesamtergebnis ist bei beiden Lösungen bescheiden. Die dritte Alternative (weiter rollen) wäre denkbar, soll hier aber nicht betrachtet werden. Da das Endergebnis zwar gleich ist, aber steuerlich unterschiedlich ist, würde ich zu Lösung 2 tendieren. Da diese für mich steuerlich besser ist. Oder?
    Was denkt ihr?

    PS: Am Freitag läuft der Call aus, ein schnelle Antwort ist also gefragt ;-)

    #3428

    Josef
    Teilnehmer

    Hi,
    ich wäre über eine Diskussion zu zweiter Lösung dankbar.

    Das Gleiche habe ich mir nämlich letztens auch gedacht. Das würde sich ja sogar prinzipiell als Steueroptimierung eignen.
    Man nehme eine beliebige Aktie, die man haben möchte (damit man im Falle von Kursverlusten keinen Rohrkrepierer hat) und schreibt CC ATM drauf.
    Nun gibt es zwei Scenarien:
    1) Aktie bleibt gleich -> Optionsgewinne erhöhen sich weiter
    2) Aktie sinkt stark -> Optionsgewinne erhöhen sich weiter und man hat Buchverlkuste + Aktie, die man sowieso haben wollte
    3) Aktie steigt (Idealfall) -> Man kann Aktie mit Gewinn verkaufen, Call mit Verlust zurück kaufen. Das Ganze muss dann am tag vor dem Verfall passieren, um keinen Zeitwert zu verschenken.

    Somit hätte man im 3. Fall eine optimale Transformation von Optionsgewinnen in Aktiengewinne vollzogen. Im 1. Fall muss man es halt noch ein zweites Mal versuchen. Nur der zweite Fall ist ungünstig, aber nicht tragisch, wenn es sich um Aktien handelt, welche man eh haben wollte.

    #3429

    ChristianH
    Teilnehmer

    Klar dient dein Punkt 3 (Josef) und Punkt 2 (SoBa) zur “Steueroptimierung” wenn man diese in der Richtung braucht.
    ….ist halt aber auch etwas wie Timing

    Genauso kann man Buchverluste von Aktien am Ende des Jahres realisieren und die Aktien (falls man sie denn behalten/haben möchte) direkt wieder kaufen…..falls man diese in der Richtung braucht.

    Ich behalte mittlerweile meine Töpfe Aktienverluste, Aktiengewinne und Optionen (bzw. Topf andere) im Auge und richte auch meinen Handel darauf aus….find ich persönlich sehr wichtig!!!

    Bringt ja nachher nix, wenn 10k Aktienverluste und 10k Optionsgewinne zur Steuer stehen.
    Hab dann NULL Gewinn gemacht und darf 2,6k Steuern zahlen…also einen Verlust von 2,6k generiert.

    #3967

    Martino
    Teilnehmer

    Grundsätzlich ist zu sagen, dass der deutsche Gesetzgeber kurzfristig denkt. Er müsste die Natur des Optionskonstruktes bewerten. Wenn ich 1000 Daimler Aktien kaufe und diese absichern möchte, durch den Kauf von puts, dann ist es auch im Interesse des Staates, dass ich die Aktien lange behalte und Dividenden kassiere, als diese schnell abzustoßen, womöglich mit Verlust, was dem Staat ja nichts bringt. Daher muss eine entsprechende Klageschrift an die obersten Instanzen erfolgen mit der Klärung dieser Tatsache. Denn ein Hedge ist ja keine Spekulation! Vom Wortlaut und Sinn des Geschäftes. Da müsste man schon anfangen. Es ist daher ungerecht, jemanden zu “bestrafen”, indem man die Aktienverluste und Optionsgewinne in diesem Fall separat behandelt. Jetzt werden viele Leser hier sagen, “das ist halt so”. Ich denke, dass man/wir den Finanzbehörden klug entgegenwirken müssen, damit wir was bewegen. Das haben ja schon andere getan bei dem Verfall von Optionen, was ja auch Erfolg hatte. Ich werde und plane es voll durchzuziehen, dass das Wort “Spekulation” in bestimmten Fällen, wie das Hedging von Aktien, ersetzt wird mit eben dem Wort Hedging und das hierfür Aktienverluste und Gewinne verrechnet werden dürfen. Das ist eine klare Botschaft und ist sogar für den Staat von Vorteil.

    Ansonsten kann ich folgende Lösung anbieten: Wozu Aktien handeln? oder lange halten? Entsprechende long call ITM ohne Zeitwert, gerne auch längere Laufzeit haben mehrere Vorteile. Es ist eine Option und keine Aktie, hey.))..Der Totalverlust ist begrenzt. Ich setze eine Absicherungsstrategie schon einige Zeit vor den Ex-Div Tagen an, so dass ich beruhigt kurz vor dem Ex-Div Tag aus dem call herausgehen kann und mir die Aktie hole. Die Schwankung sollte für 1-2 Tage minimal sein. und dann gehe ich wieder in das Optionskonstrukt…long call ITM Ohne Zeitwert mit entsprechenden Absicherungen. Alternative zum long call ITM ohne Zeitwert wäre natürlich auch ein synthetischer long mit long call und short put. Damit umgehe ich die KOpfschmerzen mit der hohlen Finanzwelt in Deutschland. Beste Grüße

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