Warum Du Dir über die 4-Prozent-Regel keine Gedanken machen musst

Hallo,

Kennst Du die 4-Prozent-Regel? Für den Fall, dass Du sie nicht kennst, werde ich versuchen Sie Dir kurz zu erklären, um Dir danach meine Gedanken dazu mitzuteilen. In der FIRE-Bewegung (Financial Independence – Retire Early) gibt es eine bekannte Regel, die dazu dient jährlich eine Summe zu berechen, die man aus dem Depot nehmen kann ohne Gefahr zu laufen in den nächsten 30 Jahren Geldprobleme zu bekommen. Dies ist eine Studie die durch die Anlage am Aktienmarkt berechnet wurde.

Sie besagt in etwa: Wenn du jedes Jahr 4% von deinem eingesparten Vermögen ausgeben würdest, würdest du über einen Zeitraum von 30 Jahren nicht pleite gehen.

So… und jetzt?

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Rechnen wir das einmal durch.

Angenommen du hättest 500.000 Euro am weltweiten Aktienmarkt angelegt. Vier Prozent von Fünfhundertausend ergibt 20.000 Euro. Diese 20.000 Tausend könntest Du jedes Jahr herausnehmen, ohne pleite zu gehen.

Schwachstelle in dieser “Trinity Study“, wie die Studie genannt wird, ist eben der relativ kurze Zeitraum in welcher man nicht pleite gehen sollte. 30 Jahre klingt erst einmal sehr lange. Aber denke kurz nach. Wenn Du wirklich vor hast sehr früh in Rente zu gehen, wie ich, dann sind diese 30 Jahre ein zu kurzer Zeitraum. Falls ich es schaffe mit 30 Pensionist zu werden, würde dies bedeuten, dass mir mit 61 Jahren die Chance auf eine Pleite ermöglicht wird. ;) Kein prickelnder Gedanke. Das heißt für alle die Buy-Low-Sell-High Ansätze verfolgen, und früh in Rente gehen, sollten sich zusätzliches Sicherheitspolster einkalkulieren.

Warum interessiert mich diese Zahl aber trotzdem nicht?

Erst einmal finde ich es erschreckend, wieviel ich sparen müsste um so wenig herauszubekommen. Hier würde es für mich wenig Sinn ergeben ein Jahrzehnt oder länger sehr sehr sparsam zu leben, um diesen kleinen Betrag jährlich ausgeben zu dürfen. Man will ja schließlich Spaß haben in der Rente.

Wie hoch ist die Chance durch einen normalen Job 500.000 anzusparen? Vor allem die durchschnittliche Marktrendite ist dafür meines Erachtens etwas zu wenig.

Aus diesem Grund kaufe ich keine Aktien, die mir keine Dividende bezahlen. Wir als Dividenden-Investoren werden an den Gewinnen der Unternehmen beteiligt. Diese Gewinnausschüttungen werden in einem definierten Zeitraum (zum Beispiel alle 3 Monate) an die Anteilseigner ausbezahlt. Zusätzlich können wir uns in 30 Jahren möglicherweise auf satte Kursgewinne freuen.

Die Dividende kann ich sofort ausgeben, oder weiter anlegen. Auf jeden Fall wird mein Investment nicht weniger wert, auch wenn es Gegner der Dividenden-Strategie immer wieder behaupten. Zusätzlich versuchen wir ja Dividenden-Aktien auszuwählen, die diese Ausschüttungen Jahr für Jahr anheben. Dies sollte uns mit der Zeit ein zusätzliches Finanzpolster bescheren.

Ein Hoch auf die Stillhalterstrategie

Wie ihr ja alle wisst, ist die Dividenden-Strategie nicht meine einzige Anlageform. Ich versuche durch den permanenten Verkauf von Optionen auf starke Dividenden-Aktien ein zusätzliches Einkommen aufzubauen. Dies gelingt mir momentan sehr gut, und ich hoffe dass es immer so weiter geht.

Hier macht die 4%-Regeln meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn mehr. Wenn ich in einem guten Monat 4% an Brutto-Optionsprämien einnehmen kann, so ist es für mich nur noch interessant wieviel ich Monat für Monat ausgeben kann.

Ich werde in der Zukunft, sobald ich Geld aus dem Depot entnehme, einfach versuchen mit einem Drittel der verdienten Monatseinkünfte auszukommen. Zwei Drittel werden im Depot belassen, um weiter wachsen zu können und am Jahresende die Steuer nachzuzahlen. Dies sollte reichen, um langfristig sehr gut von diesen Einkünften leben zu können.

Dividenden machen diese ganze Situation planbarer. Ich werde versuchen alle meine Fixkosten durch Dividenden zu decken. Die restlichen Optionsprämien sind dann für den Spaß am Leben gedacht.

Regelmäßiges Einkommen verhindert die Pleite

Laufe ich dadurch Gefahr in 30 Jahren pleite zu gehen? Niemals. Dies wird nicht passieren, da ich mit meinen Geld umgehen kann. Es werden Monate kommen, in denen es vielleicht nicht so rosig mit den Gewinnen aussieht, allerdings muss ich dann eben etwas mit meinem Konsumverhalten zurückstecken. Optionshandel ist zwar nicht ganz planbar, aber trotzdem regelmäßig. Ich werde ständig Gewinne machen. Meine Strategie ist darauf ausgelegt ein regelmäßiges Einkommen an der Börse zu erzielen. Wie gesagt: Ich kann zwar im vorhinein nicht genau sagen, wieviel ich verdiene, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich immer etwas verdiene.

Dies ist ein sehr großer Vorteil. Der nächste Vorteil ist, dass ich durch eine höhere Durchschnittsrendite niemals soviel Geld ansparen muss als die Privatanleger, die ihr ganzes Geld in Fonds oder Einzelaktien stecken, nur um sie 30 Jahre später mit Kursgewinnen kleinweise wieder zu verkaufen.

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Richtige Dividenden-Investoren müssen nichts verkaufen um an Geld zu kommen. Dies ist doch der Hauptgedanke eines Investors. Er sucht Unternehmen oder Geschäftsideen, die einen Mehrwert bieten. Die Investition zahlt sich mit der Zeit von selbst ab, bis es nur noch positive Erträge abwirft wovon wir ein Leben lang profitieren. So ein Aktienportfolio liquidiert man auch nicht so einfach meiner Meinung nach. Es könnte vielen weiteren Generationen als gute Einnahmequelle dienen. Den Nachkommen wird somit auch ein sehr wohlhabendes Leben ermöglicht.

Wie man vielleicht aus dem Text herauslesen kann wurde dies schon wieder ungewollt eine Liebeserklärung an die Dividenden-Strategie. Aber ich hoffe ich konnte damit klar machen, warum dieser Ansatz der 4-Prozent-Regel für mich nichts ist. Dieser Ansatz geht davon aus, dass Aktien in ferner Zukunft verkauft werden MÜSSEN um an Geld zu kommen. Wieso verfolgt man hier nicht einfach eine andere Vorgehensweise?

Was haltest Du davon? Hast Du Dir schon einmal Gedanken zu diesem Thema gemacht? Freue mich auf Kommentare.

mfG Chri

 

14 Kommentare
  1. DerStillhalter
    DerStillhalter sagte:

    Hi Chri

    Interessanter Artikel. Ich muss zugeben die 4% Regel kannte ich nicht. Aber Aktien zu verkaufen um davon leben zu können halte ich persönlich nicht für den richtigen Weg. Mein Ziel, von Dividenden und Optionsprämien zu leben halte ich da für die bessere Wahl.
    Deine Idee, von den Einnahmen ein Drittel zum Leben verwenden und zwei Drittel im Depot belassen klingt sehr vernünftig. Man kann davon leben und das Depot wächst ebenfalls weiter. Somit wächst auch das Vermögen in den 30 Jahren und wird nicht weniger, was ein Pleite immer unwahrscheinlicher macht.

    Lg
    Michael

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Michael,

      Ja, in der Optionshandelszene ist diese Regel weitgehend unbekannt, dafür bei den ganzen passiven Index-Fond-Anlegern umso bekannter.
      Ich sage es immer wieder: Unsere Denkweise lässt sich 1 zu 1 auf den anderen übertragen ;)
      Danke fürs kommentieren!

      mfG Chri

  2. Alexander
    Alexander sagte:

    Hi Chri,

    ich habe mich schon etwas näher mit der Regel befasst. Schöne Mathematik und in der Theorie alles prima, aber das Leben lehrt einen oft etwas anderes. Ich bleibe bei meiner Dividendenstrategie, einfach weil ich mich damit wohl fühle.

    Grüße
    Alexander

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Alexander,

      Ich sehe das genauso wie du. Ich fühle mich mit der Dividendenstrategie genauso wohl und dabei bleibe ich auch :)
      Vielleicht mach ich mal ein paar Ausflüge in die Welt der Futures und so weiter, aber das Kernportfolio sollten Dividendentitel bei mir ausmachen.

      Danke fürs vorbeikommen :)

      mfG Chri

  3. ambertree
    ambertree sagte:

    Good mindset! I like that.
    Having these ideas at young age means you can probably retire before you reach my age! Awesome.

    I need to work on my option income to get it higher, I can then retire sooner.

    • Chri
      Chri sagte:

      Hey ATL,

      Yeah, the option income can give us good opportunites. :)
      My plan is to retire before 30. But, if it is not possible, its okey for me :) i am doing good :)

      Thanks for stopping by :)

  4. Dividenden-Jäger
    Dividenden-Jäger sagte:

    Hallo Chri,

    Hut ab für deinen sehr gut gemachten Blog. Die Stillhalterstrategie hast du super erklärt.

    Ich verfolge seit einiger Zeit auch die Dividendenstrategie und möchte in Zukunft die Aktien auch über Optionen kaufen. Nicht zuletzt auch wegen deinem Blog, auf den ich diese Woche ehr zufällig gestoßen bin.

    Eine paar Fragen zu Banx habe ich noch. Hast du da Real-Time-Kurse gebucht und was zahlst du dafür? Oder brauchst du die garnicht? Wenn du möchtest kannst du mich da als Kunden werben. Das bringt dich 0,005% näher an die 1. Mio. ;) oder geht das automatisch wenn ich deren Webseite über die Links in deinem Blog aufrufe.

    Grüße aus D->A
    Dividenden-Jäger

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Dividenden-Jäger,

      Erstmal herzlichen Dank für dein Kompliment!
      Ich habe keine Real-Time-Kurse gebucht. Weiß auch nicht was die Kosten, ich denke aber das könnten wir durch die Homepage von banx herausbekommen, sonst frage ich beim support nach, wenn du sie brauchst. Ich brauche sie ehrlich gesagt nicht. Der Optionshandel ist nicht so schnelllebig wie zum Beispiel Daytrading oder gar scalping.

      Du suchsd Dir ohnehin den gewünschten Strike-Preis aus und setzt dein Limit für die Optionsprämie. Hier sind wirklich keine real time Daten erforderlich.

      Wenn du ein Depot bei Banx eröffnen möchtest, wäre ich dir natürlich sehr dankbar, wenn du dies über die Links auf meinem Blog machst :) Dies ist ein Affiliate Programm. Du hast dadurch keine Nachteile, ich bekomme lediglich eine einmalige Provision von Banx für die Vermittlung.
      DIe Million ist nur eine Frage der Zeit ;) =D

      Hoffe du schaust hier öfter mal rein, und kommentierst auch fleissig ! ;)
      Danke fürs vorbeikommen!

      schöne Grüße nach Deutschland
      Chri

  5. Rico
    Rico sagte:

    Du hast wohl den passenden Punkt erwischt. Besonders beim Verkauf von Optionen stellt sich immer wieder die Frage, was man davon als Einkommen “ausgeben” kann. Ich bin für mich zu einem ähnlichen Schluss gekommen wie du. Am Monatsende wird geschaut, wieviel Erträge realisiert wurden und davon kann dann ein Drittel verwendet werden. Mit der Erfahrung weiß man dann auch besser seine Erfolgswahrscheinlichkeiten und kann den Anteil vielleicht auch noch etwas erhöhen. Auf Dividenden würde ich mich auch bei Fixkosten ehrlich gesagt nicht verlassen. Es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass ihre Zahlung besonders “sicher” sei. Ich finde sie sogar gefährlicher, weil ich keinerlei Einfluss auf ihre Höhe und ihren Auszahlungszeitpunkt habe. Viele Grüße, Rico

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Rico,

      Ja, ich denke ein Drittel Auszahlung wird wohl nicht so verkehrt sein.
      Zum Thema Dividenden: Du hast natürlich recht, dass diese alles andere als sicher sind. Niemand kann wissen ob sie weiterhin ausgezahlt werden. Aber: Hier hilft erstens eine gute Diversifikation der Dividendentitel UND man darf auch nicht vergessen, dass die Wahrscheinlichkeit auf eine Ausschüttung bei Dividenden-Aristokraten und dergleichen auf unserer Seite sind. Wenn das Unternehmen wirklich nicht mehr zahlt kann ich es noch immer verkaufen und mein Geld in einen anderen Wert anlegen oder dann noch immer mehr Optionen handeln ;)

      Danke für deinen Kommentar! :)
      mfG Chri

  6. Finanzmixerin
    Finanzmixerin sagte:

    Hallo Chri,

    jetzt bin ich auch mal auf deinem Blog gelandet. Dieser Artikel ist schonmal klasse.

    Mit Optionen möchte ich mich auch irgendwann beschäftigen.

    @Rico: Dividenden sind natürlich nicht sicher. Aber wenn man gut diversifiziert ist und gute Aktien besitzt, sind die Dividenden sicherer als der Zins. Und man sollte natürlich immer Pläne haben für den Fall, dass es einen riesigen Krach am Aktienmarkt und in der Wirtschaft gibt, z.B. Bareinlagen von ein bis zwei Jahresausgaben oder Gold.

    Schöne Grüße

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo :)

      Freut mich, dass du hier hergefunden hast. :)
      Optionen sind keine Hexerei, da wird mir Rico zustimmen. Aber es braucht dennoch etwas Eingewöhungszeit und Lernbereitschaft.

      Danke fürs vorbeikommen!
      mfG Chri

  7. Amir
    Amir sagte:

    Hi Chri

    Was grundsätzliches zu der Dividendenstrategie: Die Dividenden der ausschüttenden Unternehmen sind ja im Kurs eingepreist, deswegen spielt es ja für die Gesamtrendite und den langfristigen Anleger ja keine Rolle, ob die Dividende ausgeschüttet wird oder nicht.

    Wenn sie nicht ausgeschüttet wird, steigt eben der Kurs bzw. der Kurs fällt nicht. Wird sie ausgeschüttet, fällt der Kurs.

    Ich denke auch deswegen macht die 4% Regel Sinn, weil man eben 4% von der Gesamtrendite (Kurs+Dividende) nimmt. Übrigens: wenn man nur 3% entnimmt, bestand in der Vergangenheit nie die Möglichkeit, dass sich das Vermögen verzehrt, es ist im Gegenteil noch angestiegen.

    PS: ich komme aus der Schweiz und hier werden Kapitalgewinne von natürlichen Personen gar nicht besteuert, Dividendenerträge hingegen als Einkommen. Auch aus der Perspektive würde es also mehr Sinn machen, die Gesamtrendite in Anspruch zu nehmen.

    Was meinst du?

    Gruss
    Amir

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Amir,

      Die Besteuerung der Schweiz kenne ich nicht, aber wenn du sagst, dass hier Kapitalgewinne gar nicht besteuert werden befindest du dich im steuerlichen Schlaraffenland ;). Dann würde es natürlich mehr Sinn machen die Gesamtrendite in Anspruch zu nehmen.

      Der Dividendenabschlag ist meist ein sehr kurzfristiges Phänomen, welches nicht als Anlageentscheidung herangenommen werden sollte meiner Meinung nach.

      Wie bereits oben im Text geschrieben: Für Personen, die ihre Anteile verkaufen möchten oder müssen um an Geld zu kommen kann die 4% Regel Sinn machen. Ich sage nur: Für Dividenden-Investoren, die langfristig von ihren Investments überzeugt sind und für Optionshändler macht dies keinen Sinn, da sie ohnehin laufende monatliche Erträge kassieren. Diese Leute müssen nichts verkaufen um an das Geld zu kommen. Im Gegenteil: im besten Fall wird das Investment immer mehr wert, und die Ausschüttungen erhöhen sich ebenfalls.

      Auf der anderen Seite stehen eben die Menschen die sich vor 40 Jahren Aktien gekauft haben, und diese nur zu kleinen Teilen wieder verkaufen. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. Es ist nur so, dass mit jedem Anteil der verkauft wird eben auch das Vermögen etwas schmilzt, wenn man es nicht weiter anlegt bis es theoretisch irgendwann keine Anteile mehr zu verkaufen gibt.

      Dies stellt nur meine eigenen Meinung dar.

      Danke für deinen Kommentar!
      mfG Chri

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