Warum du keine Angst vor Volatilität haben musst

Zuletzt konnten wir erneut einen Abwärtstag an den Börsen beobachten. Der Markt scheint durch die letzte Korrektur in eine Seitwärts-Phase übergegangen zu sein. Die Korrektur scheint noch nicht beendet zu sein. Auf der anderen Seite ist auch der Eintritt in einem Bärenmarkt nicht unwahrscheinlich. So oder so weiß man dies alles erst im Nachhinein.

Das wichtigste ist, dass man sich vom täglichen Auf und Ab an den Börsen nicht verrückt machen lässt. Davon handelt der heutige Artikel.

Angst vor Schwankungen?

Hast Du Angst vor dem täglichen Auf und Ab am Aktienmarkt? Macht dich hohe Volatilität verrückt? Ich versuche Dir die Angst zu nehmen, indem ich dir meine Gedanken zu diesem wichtigen Thema aufschreibe.

 

Werden wir uns bewusst, was Volatilität eigentlich ist. Volatilität beschreibt nichts anderes als die Schwankungsbreite eines Marktes, in unserem Fall dem Aktienmarkt. Steigt die Volatilität, werden auch die erwarteten Schwankungen größer, in beide Richtung wohl gemerkt.

 

Man sollte sich bewusst werden, dass es an den Börsen nicht immer nur Bergauf gehen kann. Aus diesem Grund empfinde ich das aktuelle Marktumfeld als eine gewöhnliche Situation am weltweiten Markt-Geschehen.

Sehen wir uns kurz den Langzeit-Chart des meist beachteten Aktienindex der Welt an, dem S&P500.

Hier sehen wir, dass der Gesamtmarkt seit sehr langer Zeit nur eine Richtung kennt. Eine größere Korrektur ist einerseits längst überfällig, auf der anderen Seite gibt es wenig Gründe warum es nicht noch weiter gehen sollte.

 

Ich versuche gar nicht zu erraten wohin es gehen soll. Mir ist das relativ egal, ich investiere mein Geld in Einkommens-bildende Finanzinstrumente. Mir ist bewusst, dass ich einige Phrasen hier immer wiederhole, aber das mache ich weil ich der Meinung bin, dass sie wichtig sind.

 

Sehen wir uns das erste Hoch im Jahr 2000 an. Jemand der hier in den Gesamtmarkt investiert hätte, und alle Crashs und Korrekturen aussitzen würde wartete ungefähr 13 Jahre bis er wirklich Kursgewinne erzielen konnte. Sorry, aber das stelle ich mir nicht unter erfolgreicher Geldanlage vor. (Dividenden sind hier nicht enthalten)

 

 

Wenn wir ein bisschen weiter in die Zukunft denken, wird uns vielleicht einfallen, dass es auch Menschen gibt, die jetzt beginnen zu investieren. Vielleicht dauert es wieder 13 Jahre bis der Einstandskurs erreicht wurde, vielleicht auch länger, vielleicht auch kürzer, man wird es immer erst später wissen.

 

Kurzfristige Volatilität als Langzeit-Möglichkeit

Mit den letzten Zeilen habe ich genug Angst im Leser hervorgerufen. Jetzt wird es Zeit diese Ängste in den Griff zu bekommen. Für Langfrist-Investoren ist eine Schwankung nach unten nur gut, wenn sie genug Geld in der  Hinterhand haben um weiter investieren zu können.

 

Was wäre wenn man seine vorhandenen Positionen einfach aktiv managen würde, und somit einen Cashflow erzeugt, der die vorhandenen Buch-Verluste wieder auffängt? Genau das tue ich immer und immer wieder. Wir können uns sogar entscheiden, wie das passieren soll. Wir könnten Covered Calls auf unsere Aktien schreiben, und somit den Großteil der Korrektur bewältigen. Eine andere Möglichkeit wäre Aktienpositionen hinunter zu rollen, wie ich es in diesem Beitrag beschrieben habe.

 

Ich verstehe, warum man passiv investieren würde, aber ich verstehe nicht, dass man sich nicht zumindest die ein oder andere Vorgehensweise zum Risiko-Management zurecht legt.Erfolgreiche Vermögensanlage haben wir selbst in der Hand. Wir können dem Markt nicht sagen, was er zu tun hat, aber wir können unsere Positionen so managen, dass wir kein Geld verlieren. Kapitalschutz ist meines Erachtens noch immer Regel Nummer 1.

 

Warum ist kurzfristige hohe Vola eine Langfrist-Möglichkeit? Nehmen wir an wir haben am Hochpunkt 2000 gekauft. Nun beginnen alle Aktien zu fallen. Wir entschließen uns unsere Aktien zu verkaufen und schreiben Puts weit unter unserem letzten Einstandspreis. Durch die hohe Volatilität explodieren die Optionspreise. Wir können sehr einfach so hohe Prämien einnehmen, dass unser zuvor realisierter Verlust komplett aufgefangen wird. Gleichzeitig verringern wir bei einer Einbuchung unseren Einstandspreis dramatisch.

 

Denke langfristig aber nimm mittelfristige Chancen war

Wenn der Put ausgeübt wird, haben wir die selben Aktien wie zuvor, nur zu einem viel niedrigeren Preis. Ich wiederhole das oben geschriebene: Der Verlust der verkauften Aktien wurde durch die Prämie komplett wieder herein geholt. Jetzt meine Frage an den Leser: Wie lange hätte es bis zum Break-Even gedauert, wenn wir 30 Prozent unter dem Hoch wieder eingestiegen wären? Auflösung: 3 Jahre. Bis zum Hoch im Jahr 2007 hätten wir sogar wieder 50 Prozent Gewinn gemacht. Dividenden sind hier noch nicht berücksichtigt.

 

Vergessen dürfen wir auch nicht, dass wir nun mehr freies Kapital haben, welches wir vielleicht weiter unten in die gleiche oder eine andere Aktie investieren können um von zukünftigen Kurssteigerungen zu profitieren. Unsere persönliche Dividendenrendite steigt natürlich ebenfalls, solange die Ausschüttungen nicht gekürzt werden.

 

Würde es nicht Sinn ergeben 10 Jahre früher seinen Einkaufspreis wieder zu erreichen? Wenn wir nun wirklich langfristig denken könnte dies den Unterschied ausmachen, wer durch den Aktienmarkt wirklich reich wird und wer nicht. Ich verstehe alle, die sagen, es ist kaum möglich am Aktienmarkt richtig reich zu werden, wenn sie nicht wissen, welche Möglichkeiten es gibt das Kapital zu schützen.

 

Mache Volatilität zu deinem Freund und betrachte das große Ganze

Als Optionshändler sollten wir uns regelmäßig an folgendes erinnern:  Volatilität ist unser Verbündeter ist, nicht unser Feind. Mir war das lange nicht bewusst, auch wenn ich es damals gelernt habe. Ich hatte auch als Stillhalter Angst vor einer Vola-Explosion, da so etwas für bestehende Positionen Gift ist.

 

Es heißt einen Verlust zu realisieren und womöglich ein Monat schlecht abzuschließen. Früher war das für mich wichtiger als heute. Heute macht es mir nichts mehr aus. Ich sehe das große Ganze und weiß dass ich mit den neuen Positionen mehr Geld einnehme, als ich durch das Schließen der Positionen Verlust realisiert habe. Gleichzeitig mindere ich meinen Durchschnittspreis in der Aktie, die ich ohnehin kaufen möchte. Kapital schützen ist für mich wichtiger geworden denn je.

 

Denke daran, wie sehr dir eine aktuell hohe Schwankungsbreite dabei helfen kann über die nächsten 20-40 Jahre erfolgreich zu sein. Gönne dir den Luxus falsch zu liegen und senke bei Bedarf deinen Durchschnittspreis

Lese-Tipp: Ich gönne mir den Luxus, falsch zu liegen. 

 

Ich weiß nicht wie du vorgehst, aber ich bevorzuge eigentlich immer geringere Aktienpreise. Vermutlich kommt das aber noch von den Anfängen, als ich beschlossen habe Dividenden-Investor zu werden. Wenn ich ein Unternehmen gut finde, und mir vorgenommen habe Anteilseigner zu werden, würde es dann nicht mehr Sinn ergeben billig einzukaufen, als zu teuren Preisen. 

 

Ich habe nie verstanden, warum der Großteil der Menschen kauft wenn der Aktienkurs gestiegen ist, und verkauft wenn er gefallen ist. Für mich ist das nicht wirklich logisch nachvollziehbar. Mir würde es wahrscheinlich nur so gehen, wenn ich Aktien handeln würde, die ich nicht haben will. Börse hat viel mit Psychologie zu tun.

 

Ärgere dich nicht über Dinge, die du nicht ändern kannst

Die Schwankungen am Aktienmarkt kannst du nicht beeinflussen, also gewöhne dir gleich an, dass du dich davon nicht ärgern lässt. Lass dich davon auch nicht einschüchtern. Als Optionshändler solltest du dich über große Schwankungen freuen. Sie bringen fette Prämien ein, womit du einen weiteren Sicherheitsabstand zum aktuellen Kurs bekommst.

 

Als herkömmlicher Investor kannst du Puts ebenfalls dazu verwenden um deinen Durchschnittspreis in deinen Aktien zu senken. Der Vorgang nennt sich “hinunter rollen”.  Voraussetzung dafür ist allerdings dass du Aktienpakete zu 100 Stück besitzt, da sich eine Option auf 100 Aktien bezieht. Wie das funktioniert erfährst du in diesem Beitrag.

Dieses Hinunter Rollen macht sich spätestens dann bezahlt, wenn die Aktien wieder steigen, und du einen größeren Kursgewinn verbuchen kannst.  Mit dem frei gewordenen Kapital kannst du weitere Anteile kaufen.

 

Ab jetzt solltest du große Volatilitäten als Chance sehen, nicht mehr als Risiko.  Mache sie zu deinem Freund und Helfer. Denke langfristig und nimm kurz- bis mittelfristig diese Chancen wahr. Sie könnten auf lange Sicht den Unterschied zwischen einem großen und einem kleinen Vermögen ausmachen.

Das wichtigste ist sich vom täglichen Auf und Ab an den Börsen nicht verrückt machen zu lassen.

Wie siehst du die Volatilität? Macht sie dir Angst, oder hast du Freude, wenn es mal wieder größere Schwankungen gibt?

mfG Chri

6 Kommentare
  1. Gordon
    Gordon sagte:

    Hey chri,

    Wie hast du dir das Thema Optionen angeeignet? Hast du da einen Kurs gemacht?

    Gerne wäre ich auch so aufgeklärt wie du dabei ;-)

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Gordon,

      Ich habe mir mühsam alles selbst durch amerikanische Blogs und Bücher beigebracht, da es vor ein paar Jahren kaum deutschsprachige Inhalte zu dem Thema gegeben hat.
      Sehr viel habe ich auch durch Tastytrade gelernt. Da findest du praktisch alles was es über Optionen zu wissen gibt, musst eben nur viel Zeit mitbringen, damit du dir alle Videos ansehen kannst.

      Heute ist die Sache mit den deutschsprachigen Content schon viel besser. Es befassen sich schon einige Blogs mit dem Thema, das freut mich sehr.

      Viel Lesen kann jedenfalls niemandem schaden.

      Danke fürs kommentieren!
      mfG Chri

  2. Der Depotstudent
    Der Depotstudent sagte:

    Hallo Chri,

    aus der Perspektive habe ich Volatilität noch nie betrachtet. :)
    Bist Du der Meinung, dass sich eine solche Risikoabsicherung mit dem passiven Ansatz kombinieren lässt?
    Für den Großteil der Privatanleger sollten derartige Möglichkeiten ja ohne Riesenaufwand möglich sein.
    Und diese Art des Risikomanagement gilt ja eigentlich nur, wenn es um Einmalanlagen (bzw. mehrere große Anlagen) geht, oder? Bei Sparplänen dürfte der Cost-Average-Effekt ja eine mehr oder weniger ausreichende Rolle spielen, das Risiko des falschen Einstieges zu vermindern.

    Viele Grüße vom Depotstudent :)

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Depotstudent,

      Ja, bin der Meinung, dass sich diese Risikoabsicherung mit einem passiven Ansatz kombinieren lässt.
      Der Aufwand sollte sich in Grenzen halten, das einzige was eventuell notwendig ist, ist ein Depot bei einem Broker, der Optionshandel auch anbietet.

      naja, bei Sparplänen ist das auch so eine Sache. Klar kaufst du dann billig hinzu, aber es dauert auch bis sich dieser Effekt auswirkt, da man ja nur kleine Anteile nach und nach billig einkauft.

      mfG Chri

  3. Cornelius
    Cornelius sagte:

    Ich bin mittlerweile skeptisch ob man es sinnvoll kombinieren kann obwohl ich Optionen handle und habe mir die Frage immer wieder über viele Jahre gestellt. Warum? Einerseits gibt es ja zB den Buy-Write Index der ja quasi ATM covered Calls abbildet aber nicht prinzipiell besser ist. Die Idee zB von covered Calls oder auch cash secured short puts ist andererseits wieder ein Ansatz des “ich schlage den Markt” (mit Hilfe des geschickten Einsatzes von Derivaten). Ich kenne niemanden der es systematisch macht sondern letztlich hat es immer Aspekte von Stockpicking, Market-Timing bzw Vola-Timing(!). Die ersten beiden Punkte wurden lt. Kommer ja angeblich schon zigfach widerlegt im wissenschaftlichen Bereich. Was die Vola und Volaprodukte zB im VXX,XIV, SVXY etc betrifft haben wir ja erst gesehen dass Überrenditen auch ein höheres Risiko widerspiegeln. Ich habe kurzum das Gefühl dass auch der Optionsmarkt recht effizient ist und die teils hohen Renditen einfach durch höheres Risiko zustanden kommen, Absicherung hin oder her (die benötigt man mittlerweile sowieso im Optionshandel kommt mir vor, reduziert also die Überrenditen wieder). Im Endeffekt dürfte es auch hier so sein, dass die meisten von uns die Marktrendite nicht erreichen, vor allem nicht mit korrekter Benchmark. Wenn es also irgendwie lernbar wäre zB mit cash secured puts in liquiden Märkten systematisch zu investieren und das mit einem gewissen Vorteil würde ich gerne mal eine langfristige Benchmark von jemand privatem oder einem Hedgefond sehen (nach Kosten).. Nichts genaues weiß man nicht, ich trenne jedenfalls Investieren und Optionshandel, muss aber natürlich jeder sich seine eigene Meinung bilden.
    LG

    • Chri
      Chri sagte:

      Hallo Cornelius,

      Für mich macht das Trennen von Optionshandel und Investieren keinen Sinn mehr.
      Anfangs hatte ich es auch so gehandhabt, da hatte ich auf gewisse Werte Optionen verkauft, und gewisse Werte als Dividenden-Aktien ins Depot gelegt. Mittlerweile fühl ich mich mit der aktuellen Vorgehensweise einfach viel enstpannter, viel sicherer, und viel freier.

      Ich sage nicht, dass jemand so handeln muss, ich sage nur, dass man sich bei seiner Vorgehensweise wohl fühlen sollte, und das tue ich.

      Was die Überrendite angeht: So etwas interessiert mich nicht. Was bringt es mir wenn ich den Markt schlage? Warum wollen alle immer den Index schlagen? Ist doch total irrelevant, solange ich zufrieden bin mit meiner Strategie, und solange genug dabei für mich raus kommt.
      Mein oberstes Ziel ist mein Kapital zu schützen, und das werde ich auch weiterhin so machen. Nebenbei verdiene ich immer wieder kleine Optionsprämien, die mich langfristig vermögend machen.

      Es gibt keinen heiligen Gral an der Börse. Überall wo es Vorteile gibt, wird es auch Nachteile geben. Aber ich komme mit meinen Nachteilen gut zurecht, und das ist finde ich die Hauptsache. :)

      Danke für deinen überaus interessanten Kommentar! :)

      mfG Chri

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